16:45 09 Juli 2020
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    Einem Zeitungsbericht nach hat der Iran über Syrien Waffensysteme nach Russland gebracht, um sie dort warten zu lassen. Ein Moskauer Militärexperte hält das für unsinnig, weil unnötig: „Das machen die Iraner selbst.“ Er sieht den deutschen Bericht als Teil des US-geführten Informationskrieges gegen Russland.

    Es gebe in Deutschland Medien, die ständig den US-Amerikanern in die Hände arbeiten und immer wieder versuchen, Russland etwas vorzuwerfen. So kommentierte Jewgeni Buschinski, Ratsvorsitzender am Zentrum für politische Studien Russlands, einen Beitrag der Zeitung „Welt am Sonntag“ (WamS) aus dem Springer-Medien-Konzern, wonach Moskau angeblich das Waffen-Embargo gegen den Iran umgehe.

    Als einen angeblichen Beweis benutzt das Blatt eine Satellitenaufnahme einer iranischen Boeing auf dem russischen Flugplatz von Khmeimim, die Teile für schwere offensive Waffensysteme aus dem Iran via Syrien zur Wartung nach Russland bringen solle. Dieser WamS-Beitrag ist für Ex-General Buschinski Teil des Informationskrieges gegen Russland. Zu diesem gehöre, dass zuerst berichtet werde, das russische Dopingsystem sei angeblich in den Rang der Staatspolitik erhoben worden. Das sei dann bis zu Sanktionen gegen saubere Sportler hochgespielt worden, bis zu deren Ausschluss von den Olympischen Spielen. Jetzt kommt der angebliche Verstoß gegen die UN-Resolution 2231, welche untersage, an die Islamische Republik Iran schwere offensive Waffen zu liefern oder diese für Teheran zu warten.

    Satelliten-Bilder aus USA

    Er kenne kein deutsches Satellitenaufklärungssystem, „mit dem sich Gegenstände an der Erdoberfläche hochgenau ausmachen ließen“, erklärte der Militärexperte im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Ich glaube, die Satelliten-Bilder sind US-amerikanisch. Es gibt nicht so viele Länder auf der Welt, die in der Lage sind, ausführliche Luftbildaufklärung zu betreiben.“

    Was das iranische Flugzeug auf dem russischen Militärflugplatz in Hmeimim betreffe, sei das durchaus möglich, gab der Militärexperte zu. Das sei aber nichts Außergewöhnliches.

    „Die Iraner haben seinerzeit ihren Militärstützpunkt als Flugplatz für Zwischenlandung und Nachtanken unseren Flugzeugen zur Verfügung gestellt, die einen Schlag gegen die Positionen der Terroristen in Syrien ausführten. Wir arbeiten mit dem Iran zusammen, indem wir Assads legitime Regierung unterstützen.“

    Daher sieht Buschinski nichts Kriminelles daran, dass ein iranisches Flugzeug am russischen Luftwaffenstützpunkt gelandet ist, „um Truppeneinheiten zu versorgen oder andere logistische Aufgaben zu lösen.“

    In der deutschen Zeitung wird die angebliche umfangreichen Logistik beschrieben, laut der das militärische Gerät per Lastwagen zum Mittelmeerhafen in Tartus gebracht worden sein soll, um auf das russische Schiff „Sparta III“ verladen zu werden. Und dann sollte dieses dem Bericht zufolge zum russischen Hafen Novorossyisk am Schwarzen Meer fahren. Der Militärexperte meinte dazu, dass es für so etwas „viel schnellere, einfachere und zuverlässigere Wege“ gebe, etwa über den Kaspisee.

    Iraner wollen und können selber reparieren

    Die Iraner würden jeden Vertrag über Wehrtechniklieferung unbedingt mit der Bedingung versehen, ihre Fachleute zu schulen, damit sie Kriegsgerät selbst warten und reparieren können. Das sagte Buschinski aufgrund der Erfahrung aus seiner Tätigkeit im russischen Verteidigungsministerium als Verantwortlicher für militärisch-technische Zusammenarbeit. „Die Lage des Iran bedenkend wollen sie sich, da sie schon Geld zahlen – und sie zahlen wirkliches Geld, ohne von Krediten oder unentgeltlichen Lieferungen Gebrauch zu machen –, gegen eventuelle Sanktionen schützen, welche Ausfälle nach sich ziehen könnten. Darum schulen sie ihre Fachleute. Selbst bei den Ersatzteilen verlangen sie oft die Übergabe der Fertigungsverfahren zur eigenen Produktion vor Ort. Und überhaupt: Die Ausrüstung zur Reparatur nach Russland zu senden, das wirkt wirklich etwas exotisch.“

    Ein Raketentest in Iran (Archivbild)
    © AP Photo / Mostafa Qotbi/IRNA
    Selbst wenn es dabei um S-300-Systeme gehe, kann sich der Experte sich kaum vorstellen, dass sie zurück nach Russland gebracht werden müssten. Diese Raketen-Systeme seien zudem „nicht offensiv, sondern defensiv, folglich können sie keinesfalls gegen die UN-Resolution verstoßen. Sollte doch etwas vor der Verhängung der Sanktionen geliefert worden sein, ist es schon sehr lange her, und die Iraner haben sicher inzwischen gelernt, dies alles selbst zu warten und zu reparieren.“

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    Zeitung, Bericht, Informationskrieg, Axel Springer, Nikolaj Jolkin, Deutschland, Russland, USA