Widgets Magazine
08:27 17 Oktober 2019
SNA Radio
    Bundeskanzlerin Angela Merkel auf YouTube (Archivbild)

    Merkel auf YouTube: Keine Angst vor 3. Weltkrieg und eine Meereswelle aufs T-Shirt

    © REUTERS / Axel Schmidt
    Politik
    Zum Kurzlink
    113111
    Abonnieren

    Immer mehr junge Menschen sehen die Gesellschaft als ungerecht an und sorgen sich vor Armut oder Krieg. Das haben Fragen gezeigt, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch auf YouTube live beantwortet hat. Dabei haben YouTube-Stars Fragen gestellt, die sie zuvor von ihren meist jungen Fans sammelten. Manche Antwort hat für Schmunzeln gesorgt.

    Rund eine Stunde war Merkel in dem YouTube-Studio zu Gast und hat sich ganz unterschiedlichen Fragen gestellt. Unterteilt war diese Fragestunde in vier Teile. In jedem dieser Teile übernahm ein anderer YouTube-Star die Moderation. Fragesteller  waren die in der Szene bekannten YouTuber „ItsColeslaw“, Alexi Bexi, Ischtar Isik und „MrWissen2Go“.

    60 Prozent der YouTube-Nutzer glauben, Deutschlands Gesellschaft sei ungerecht

    Hauptthemen waren im Einzelnen die Schere zwischen Arm und Reich, Autos und Elektromobilität, außerdem Bildungspolitik und schließlich Türkei und USA. Darüber hinaus haben die Moderatoren zahlreiche Fragen gestellt, die sie selbst aus der YouTube-Community bekommen hatten. Unter anderem ging es dort um die Gefahr eines Dritten Weltkriegs, um die Flüchtlingspolitik, Hasskommentare im Internet oder auch um Feminismus.

    Wirklich neue Erkenntnisse brachte das Interview zumindest seitens der Kanzlerin wenig. Vielmehr wiederholte sie altbekannte Floskeln und Phrasen. So müsse mit  Erdogan oder Trump diplomatisch umgegangen werden, die Automobilbranche habe viele Fehler gemacht und Fluchtursachen müssten bekämpft werden: „Das heißt, wir müssen vor Ort helfen, Entwicklungspolitik machen und das wird in viel stärkerem Maße noch in Zukunft zu unserer Politik dazugehören.“

    Auch die Gefahr eines möglichen Dritten Weltkriegs sieht Merkel aktuell nicht:

    „Ich sehe diese Angst nicht. Aber ich habe mich ganz klar gegen dieses rhetorische Aufrüsten gewendet im Zusammenhang mit dem Konflikt um Nordkorea. Es gibt keine militärische Lösung für diesen Konflikt.“

    Wirklich überzeugen dürfte dies das meist junge Publikum aber nicht, auch wenn die Kanzlerin stets bemüht war, ihre Antworten auf diese Zielgruppe zugeschnitten zu präsentieren.

    Es waren aber weniger die Antworten der Kanzlerin, die das Interview interessant machten, sondern die ihr gestellten Fragen. Denn hier zeigte sich, was vor allem den jungen Menschen in Deutschland auf der Seele brennt, was sie dringend interessiert und wovor sie Angst haben. Am meisten stört es junge Menschen hierzulande, dass Bildungschancen immer noch häufig vom Einkommen der Eltern abhängen. Auch gab es eine Umfrage unter den YouTubern, ob wir in Deutschland in einer gerechten Gesellschaft leben. 60 Prozent haben dabei klar mit Nein gestimmt.

    Bei einigen persönlichen Fragen zeigte sich Merkel sogar etwas überfordert. Beispielsweise als Moderator Alexi Bexi die Kanzlerin nach ihrem Lieblings-Emoji fragte:

    „Smiley … wenn’s gut kommt, dann noch mit einem kleinen Herzchen dran. Und wenn’s nicht so gut kommt, dann auch mal mit einer Schnute … aber ein wütender Smiley nicht.“

    Und falls Sie sich schon immer gefragt haben, welchen Spruch sich die Kanzlerin gerne selbst auf ihr T-Shirt drucken würde, hier die ultimative Antwort:

    „Ein Spruch? Ich würde eine schöne Meereswelle draufmachen, das steht für meinen Wahlkreis.“

    Bodenständig und unaufgeregt, so präsentierte sich die Kanzlerin in dem einstündigen Interview. Ob sie damit das junge Publikum erreicht hat? Eher nicht. Glanzlicht waren dagegen die vier YouTuber, die teils aufgeregt, aber immer authentisch und professionell ihre Fragen stellten. Ein Online-Format, das Spaß macht, auch wenn der Angela Merkel nicht immer anzusehen war.

    Marcel Joppa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Gabriel wirft Merkel „Kniefall“ vor Trump vor
    Merkel im ehemaligen Stasi-Gefängnis – DDR-Flüchtlinge fordern ihr Rentenrecht
    Merkel will mit Libyen Flüchtlingsabkommen nach Türkei-Muster schließen
    SPD-Kanzlerkandidat Schulz: „Merkel vernachlässigt ihre Pflicht“
    Tags:
    Interview, Youtube, Angela Merkel, Marcel Joppa, Deutschland