00:32 21 November 2018
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    Der Rote Platz in Moskau

    Bereitet sich Russland auf neues Mittelalter vor?

    © Sputnik / Vladimir Sergeev
    Politik
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    Die aktuelle Konfrontation zwischen Russland und dem Westen wird negative Konsequenzen nach sich ziehen, vor allem für die Länder Osteuropas. Dies schreibt die russische Analytikerin Irina Alksnis in ihrem aktuellen Beitrag für Sputnik.

    „In den 2000er Jahren hat der Kreml endgültig begriffen, dass ,brüderliche Beziehungenʻ, die in Wirklichkeit einen Tausch von allmöglichen russischen Gütern und Präferenzen gegen Loyalität vorsahen, nicht mehr funktionieren“, schreibt die Expertin zu Beginn.

    Die neuen Spielregeln sollen Mitte des vorigen Jahrzehnts in Bezug auf die Länder, die eine für Russland besonders unfreundliche Politik durchführten, nämlich auf die baltischen Länder und Georgien, eingeführt worden sein.

    Mittlerweile verstehen Alksnis zufolge alle, dass Russland immer antworten werde – asymmetrisch und schmerzhaft –, falls man sich gegenüber Moskau aggressiv verhält. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die jüngste Erklärung des russischen Vizepremiers Dmitri Rogosin zur Persona non grata in Moldawien. „Wir agieren gemessen und nicht so emotional, wie einige internationale Spieler. Wir werden uns damit (mit den Gegenmaßnahmen – Anm. d. Red.) nicht beeilen. Dass diese Handlungen aber eine adäquate Antwort bekommen werden, unterliegt keinem Zweifel“, kommentierte damals der russische Vizeaußenminister Grigori Karassin.

    Die Expertin verweist zudem auf die Dichotomie „Russland oder der Westen“. Die Wahl zwischen ihnen ist ihr zufolge oberflächig, weil man, wenn tiefer gegraben wird, entdecken kann, „dass sich Russland und der Westen (genauer gesagt, seine Hegemonen)  praktisch in einem Boot befinden, und die Länder, in denen zwischen ihnen gekämpft wird, sich in einem anderen aufhalten“.

    Politische und ideologische Unstimmigkeiten, selbst wenn sie sehr stark sind (und der Kampf zwischen den Mächten, geopolitischen Spielern ist sehr hart, wie Alksnis betont), seien trotzdem sekundär, „weil diese Länder tatsächlich Mitglieder eines engen und immer enger werdenden Clubs der Länder sind, die über moderne Kenntnisse und Technologien verfügen.“ Diese Länder produzieren demnach Autos, Triebwerke, bauen Kernkraftwerke und Flugzeuge, starten Raumfahrtzeuge und entwickeln Medikamente.

    Wie die Analytikerin ferner ausführt, hat es im 20. Jahrhundert ein wunderbares Land gegeben, das dazu bereit gewesen sei, aktiv jenen zu helfen, die sich neben ihm befunden hätten. Dieses Land soll Betriebe, Wissenschaftszentren und Konstruktionsbüros dort gebaut haben, wo es keine gegebenen habe, und seine Erfahrung und Kenntnisse vermittelt haben.

    „Russland ist dieses wunderbare Land, dessen Name im 20. Jahrhundert die Sowjetunion gewesen ist“, erläutert die Expertin. Ihm sei allerdings eine schmerzhafte Lektion erteilt worden: Gute Sachen bleiben nicht unbestraft.

    Die Zukunftswelt scheint Alksnis zufolge äußerst düster zu sein. Sogar die reichsten Länder und Industrienationen hätten derzeit nicht genug Geld für die Entwicklung des Sozialbereichs.

    „Es kommt ein neues Mittelalter mit einer kolossalen sozialen Spaltung“, prognostiziert die Expertin.

    Die Besonderheit dieser neuen Epoche bestehe darin, dass sich in den unteren Schichten nicht nur einzelne soziale Gruppen, sondern ganze Länder und Regionen befinden würden. Egal, wohin die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen führe, erwarten Osteuropa Ödland und toter Boden zwischen den Zentren der entwickelten Zivilisation.

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    Tags:
    Mittelalter, Zukunft, Kenntnisse, Erfahrungen, Entwicklung, Geld, Dmitri Rogosin, Sowjetunion, Osteuropa, Baltikum, Georgien, Russland