02:08 22 November 2019
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    Ukrainische Marine (Archivbild)

    Kiewer Marine: „Sollen sie Englisch lernen, wenn sie keine Schiffe haben“

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    Politik
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    Das Oberkommando der ukrainischen Marine will ein Zentrum für „Nato-Taktik und -Doktrin“ gründen, berichtet die Onlinezeitung „Wsgljad“. Dort sollen Matrosen Führungskultur nach Nato-Standards und Englisch lernen. Was aber soll das bringen, wenn es der Marine an Wichtigstem fehlt? Nämlich an Schiffen.

    Die Ukraine träumt weiter davon, endlich Nato-Mitglied zu werden. Und eine Seemacht. Stolz klingen die Namen ihrer Schiffe – ganze 50 zählt die ukrainische Marine insgesamt, der Großteil davon sind Schlepper, Tanker, Versorger und Verbindungsboote.

    Stark und unbesiegbar ist diese Flotte, wie die Kiewer Politiker immer wieder in alle Welt hinausposaunen. Doch teilen selbst Kiewer Experten diesen Optimismus nicht. „Der Zustand unserer nationalen Flotte bleibt nach wie vor kritisch“, sagte erst vor wenigen Tagen Vize-Admiral Sergej Gajduk, Ex-Oberkommandeur der ukrainischen Marine. Die Flotte stehe kurz vor dem Ende ihrer Existenz, denn Kiew habe weder eine Doktrin noch eine Strategie für seine Marine – und auch kein staatliches Schiffbauprogramm.

    Der ehemalige Vize-Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Igor Kabanenko, brachte es auf den Punkt: „Die Ukraine hat 70 Prozent ihrer Marine-Aktiva auf der Krim verloren. Heute haben wir nur ein paar Kampfschiffe und Schnellboote. Das ist bei weitem nicht genug, um die Ukraine auf See zu verteidigen.“

    In dieser Lage sieht es das Oberkommando der ukrainischen Marine als geboten an, schnellstens etwas an der Ausbildung der Marineoffiziere zu verbessern. Bis Ende dieses Jahres schon soll das „Zentrum für Nato-Taktik und —Doktrin“ stehen, erklärte Vize-Stabschef und Kapitän Andrej Ryschenko vor wenigen Tagen.

    Dies sei im Grunde jene Modernisierung der ukrainischen Streitkräfte und deren Umbau nach Nato-Standards, den die Kiewer Politiker regelmäßig verkünden, sagt Militärexperte Andrej Frolow, Mitarbeiter des Zentrums für Strategie- und Technologieanalyse. „Die Ukraine hat Kurs genommen auf größtmögliche Zusammenarbeit mit der Nato. Solche Ausbildungszentren sollen in der Tat die Standards angleichen“, erklärt der Experte.

    Vielleicht ist das Zentrum aber auch nur ein Deckmantel für andere Zwecke: „Womöglich bekommt die Ukraine mit dem neuen Zentrum zusätzliche Kapazitäten für Informationsauswertung“, gibt der Analytiker zu bedenken.

    Auch für Admiral Igor Kassatonow, Ex-Oberkommandeur der russischen Schwarzmeerflotte, ist das neue Zentrum offensichtlich ein Rätsel: „Dass sie dieses Zentrum gründen wollen, ist sicherlich richtig. Man muss die Marine ja auf einen Standard bringen. Nur braucht man dafür zuerst eine Flotte, die die Ukraine gerade nicht hat.“

    Zum Zustand der ukrainischen Flotte haben sich die Marineoffiziere des Landes bereits geäußert. Auch russische Experten sehen:

    „Die Kiewer Marine ist kein einheitlicher Verband, sondern eine Mischung aus Technikeinheiten mit unterschiedlichem Maß an Funktionstüchtigkeit“, stellt Technologieexperte Frolow fest.

    Die Schiffe – größtenteils noch aus Sowjetzeiten – seien verschlissen und veraltet. Das Flaggschiff der Flotte, die Fregatte „Getman Sagaidatschni“, müsse im kommenden Jahr ausgemustert werden. „Das Schiff ist jüngst erst repariert worden und war danach gleich wieder kaputt“, so der Fachmann.

    An neuen Schiffen entstünden gerade nur Schnellboote und eine Korvette. Und der Raketenkreuzer mit dem symbolträchtigen Namen „Ukraina“ soll auf Anweisung von Präsident Poroschenko noch vor Fertigstellung ausgeschlachtet und weiterverkauft werden.

    Welche Aufgaben könnte die ukrainische Marine in so einem Zustand erfüllen? „Im besten Fall können sie in der Wirtschaftszone patrouillieren, aber auch das nur unter großen Schwierigkeiten. Auf ernsthafte Missionen braucht man sie gar nicht erst zu schicken, die erfüllen sie ganz bestimmt nicht“, sagt Experte Frolow.

    Also drängt sich noch einmal die Frage auf: Was soll das neue Ausbildungszentrum bringen, wenn es an Schiffen fehlt, mit denen die Offiziere in See stechen können? Im besten Fall wird dort doch nur Lehrbuchwissen vermittelt. Und das auch noch in einer Fremdsprache, nach Nato-Standards eben. Eines wissen die ukrainischen Soldaten nach so einer Ausbildung aber ganz bestimmt: Wie man mit den US-Partnern im Gleichschritt marschiert – auf Paraden etwa.

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    Tags:
    Studium, Marine, Streitkräfte der Ukraine, Ukraine