09:38 18 Oktober 2017
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    Start einer ballistischen Rakete Hwasong-12 durch Nordkorea

    „Feuer und Wut“-Cocktail: Washington und Seoul setzen auf neue Sprengköpfe

    © REUTERS/ KCNA
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    Alexander Chrolenko
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    Südkorea und die USA revidieren die Alliierten-Vereinbarungen über ballistische Raketen, um Seoul den Bau von Raketen ohne Gewichtsbeschränkungen bei Sprengköpfen zu erlauben.

    Nach den geltenden Vereinbarungen kann Südkorea Raketen mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern und Sprengköpfen mit einem Gewicht von bis zu 500 Kilogramm entwickeln. Während die USA und ihre regionalen Verbündeten von Frieden und Sicherheit sprechen, bereiten sie sich selbst also auf einen Krieg vor.

    Zuvor schlugen Russland und China Nordkorea vor, ein Moratorium auf Atomtests und Raketenstarts zu verhängen, und Südkorea und den USA, von Militärübungen in der Region zwecks Stabilisierung der Situation auf der Halbinsel abzusehen. Washington ignorierte diese Initiative: Offensichtlich will jemand dort schnell das „Nordkorea-Problem“ lösen.

    US-Vizepräsident Mike Pence drohte Nordkorea gestern erneut mit „allen möglichen Beschlüssen“. Das US-Außenministerium bekräftigte erneut, dass die Übungen der USA mit Südkorea fortgesetzt werden.

    Die von Moskau entwickelte Roadmap zur Lösung des Korea-Problems wurde von Peking hoch gelobt und von Berlin unterstützt. Russland schlägt vor, dass sich die Seiten beim Dialog und den Sicherheitsgarantien für Pjöngjang im Tausch gegen den Verzicht auf das nachfolgende Raketen- und Nuklearprogramm seitens Nordkoreas etappenweise entgegenkommen.

    Jedoch streben in den USA nicht nur die „Falken“ auf dem Kapitolshügel und die Pentagon-Generäle einen Krieg an: Luftschläge gegen Nordkorea unterstützen auch 47 Prozent der Amerikaner. Japan tritt ebenfalls dafür ein, den militärischen Druck zu verstärken. In dieser Situation sind die auf der koreanischen Halbinsel unausweichlich. US-Präsident Donald Trump hat wohl die Hand frei im „Spektrum der Möglichkeiten“ und in der Zeit für Raketenstarts.

    Eine Kapitulation wird es nicht geben

    Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in ist der Ansicht, dass es auf der koreanischen Halbinsel keinen Krieg geben wird und die US-Angriffsdrohungen bloß ein Druckmittel gegen Nordkorea sind. Jedoch überzeugt die Nahost-Erfahrung der US-Diplomatie vom Gegenteil. Es liegt auf der Hand, dass der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un an der Schwelle von Frieden und Krieg gegenüber dem Gegner nicht klein beigeben wird. Er will nicht von seinem Vorhaben abrücken, seine ballistischen Raketen in Richtung US-Insel Guam zu starten. Er ist lediglich bereit, „einige Zeit das dumme Verhalten der Yankees“ zu beobachten.

    Kim Jong-un
    © REUTERS/ KCNA/via REUTERS
    Kim Jong-un

    Zuvor warf der stellvertretende Außenminister Nordkoreas, Han Song-ryol, US-Präsident Donald Trump im Interview für Associated Press vor, „einen Teufelskreis“ der Spannungen kreiert zu haben. Tatsächlich basiert der Konflikt auf der Position der USA, die bislang keinen Friedensvertrag mit Nordkorea nach dem de-Facto-Ende des Krieges von 1950-1953 geschlossen haben.

    Der Waffenstillstand hat sich in die Länge gezogen. Bei der berechtigten Forderung an die USA, einen Friedensvertrag zu schließen, strebt Pjöngjang Stabilität und den US-Truppenabzug aus dem Süden der koreanischen Halbinsel (um eine militärische Einmischung von außen auszuschließen) an. Washington hat überhaupt nicht vor, einen Friedensvertrag zu besprechen, denn das koreanische Aufmarschgebiet ist vor allem für Druck auf Peking (wahrscheinlich für die nächsten Jahrzehnte) notwendig. Unter diesen Bedingungen kann sich das Nuklearprogramm als die einzige Garantie der Sicherheit und der Souveränität Nordkoreas erweisen.

    Es muss angemerkt werden, dass alle Seiten objektiv gesehen nicht von der Eskalation des Konfliktes profitieren. Washington muss wirklich alle Vor- und Nachteile der aktuellen Lage abwägen und Pjöngjang nicht zu harten Gegenmaßnahmen provozieren. Man kann über die Anzahl und Qualität der nordkoreanischen nuklearen Sprengköpfe sprechen, aber ihre Existenz und Einsatzmöglichkeiten zu bezweifeln, ist unvernünftig.

    Eine thermonukleare Sackgasse

    Die Situation auf der koreanischen Halbinsel hatte sich Anfang August heftig verschärft, als die Amerikaner dort einige ihrer strategischen Bomber stationierten. Pjöngjang warnte daraufhin, ballistische Raketen in Richtung der zwei US-Militärstützpunkte auf der Insel Guam (Stationierungsort der Bomber) zu schießen. Als Reaktion drohte der US-Präsident Nordkorea mit „Feuer und Wut, wie die Welt es noch nicht gesehen hat“.

    Die Emotionen von Trump sind nachvollziehbar, denn die nordkoreanischen Raketen bedrohen die Straflosigkeit der USA. Eine ballistische Interkontinentalrakete Hwasong 1“ erreichte im Juli eine Höhe von 2802 Kilometern und fiel 933 Kilometer vom Startpunkt entfernt ins Meer. Der Flug dauerte 39 Minuten und demonstrierte die technologischen Möglichkeiten von Nordkoreas ballistischen Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern.

    Das heißt, Pjöngjang ist in der Lage, Raketen auf das US-Festland abzuschießen.

    • US-Luftstützpunkt, Guam
      US-Luftstützpunkt, Guam
      © Foto: DoD photo by Senior Airman Carlin Leslie, U.S. Air Force
    • US-Luftstreitkräfte
      US-Luftstreitkräfte
      © Foto: U.S. Air Force photo by Senior Airman Keith James
    • US-Seestreitkräfte, Übungen bei Guam
      US-Seestreitkräfte, Übungen bei Guam
      © Foto: DoD photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Kevin V. Cunningham, U.S. Navy
    • US-Seestreitkräfte, Guam-Verstärkerung
      US-Seestreitkräfte, Guam-Verstärkerung
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    US-Luftstützpunkt, Guam

    Nach dem Test der thermonuklearen Sprengladung von sechs Kilotonnen erklärte die nordkoreanische Regierung, dass sich das Nuklearprogramm so lange entwickeln wird, bis die USA auf ihre feindselige Politik verzichten. Weitere Drohungen gegen Pjöngjang sind ohnehin perspektivlos. Die nordkoreanischen Kernwaffen bleiben für die USA und ihre Verbündeten eine reale Bedrohung, die proportional zur militärpolitischen Aktivität Washingtons wächst. Methoden des Drucks funktionieren hier nicht.

    Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor einstimmig eine Resolution verabschiedet, die die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft. Bei der Resolution handelt es sich um das Einfuhrverbot von Bodenschätzen und Meeresprodukten aus Nordkorea, die Kontensperrung der nordkoreanischen Außenhandelsbank und andere Beschränkungen, aber es gibt auch eine andere Realität.

    Im internationalen Ranking „Global Firepower Index“ landet Nordkorea auf Platz 23 (nach dem Iran und Australien, aber vor Saudi-Arabien), und das ist nicht ganz objektiv. Nordkorea hat ein riesiges Militärpotential. Die Anzahl der nordkoreanischen Streitkräfte beläuft sich auf eine Million Menschen, was anderthalbmal mehr ist als in Südkorea (dem die Expeditionstruppen der Verbündeten im Falle eines Krieges kaum helfen würden). Außerdem bleibt Nordkorea für Peking ein problematischer „Puffer“ angesichts der Verbündeten Washingtons — Südkorea und Japan. Deshalb muss dem amerikanischen „Feuer und Wut“-Cocktail etwas mehr Eis hinzugefügt werden. Je früher das passiert, desto mehr Chancen wird es geben, „das Gesicht nicht zu verlieren“ und den US-Einfluss in Asien beizubehalten.

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    Tags:
    Krieg, Luftstützpunkt, US-Armee, Moon Jae-in, Mike Pence, Nordkorea, Südkorea, USA
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