12:54 22 September 2020
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    Rund 100 Musiker haben am Montag den Fliegerhorst Jagel (Schleswig-Holstein) blockiert. Mit der Aktion protestierte das Bündnis „Lebenslaute“ dagegen, dass die Bundeswehr an Drohnen-Kriegen beteiligt ist. In Jagel entwickelt die Bundeswehr offenbar ihre eigenen Kampfdrohnen.

    „Schleswig-Jagel ist der einzige Bundeswehrstand in der Bundesrepublik, an dem eine Ausbildung zum Drohnen-Krieg stattfindet“, erklärte Andreas Will gegenüber Sputnik. Dagegen protestierten die Musiker des Aktionsbündnisses „Lebenslaute“ mit einem Konzert. Will ist Sprecher des Bündnisses. Er steht während des Telefon-Interviews direkt vor dem Fliegerhorst – im Hintergrund erklingt Musik. Motorenlärm startender Flugzeuge ist nicht zu hören, aber das sei nicht immer so. Er versicherte: „Von hier aus starten Bundeswehr-Tornados Aufklärungsflüge.“

    Gegen die Gewöhnung an Kriegseinsätze

    Aufgeklärt und ausgewertet werden laut Will gegenwärtig vor allem Drohnen-Einsätze. Die Zukunft dagegen soll anders aussehen: „Es ist geplant, dass hier bewaffnungsfähige Drohnen stationiert werden.“ Im Klartext: Unbemannte Maschinen, die töten können. Im Jahr 2025 soll es so weit sein. Der Sprecher der Friedensaktivisten machte deutlich: „Hier soll die Öffentlichkeit Schritt für Schritt daran gewöhnt werden, dass Menschen ohne parlamentarische Legitimation umgebracht werden.“ Als Quellen für die Aussagen zitierte er eine Reihe von Veröffentlichungen, Büchern und Zeitschriftenartikeln zur Beteiligung der Bundeswehr an Drohnen-Kriegen. Zudem sei öffentlich bekannt, „dass Jagel das einzige Geschwader ist, das über Aufklärungsdrohnen verfügt.“

    Das Aktionsbündnis „Lebenslaute“ gibt es laut Will seit 31 Jahren: „Unser Konzept ist es, den politischen Protest musikalisch zum Ausdruck zu bringen.“ Das sah am Montag so aus: Die Einfahrten des Fliegerhorstes waren blockiert. Dann spielten rund 100 Musiker zusammen. Der Titel ihres Stückes lautet „Sage nein!“ – frei nach Kurt Tucholsky. Der Dichter hatte 1938 folgenden Satz geschrieben: „Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

    Das Interview mit Andreas Will zum Nachhören:

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    Tags:
    Entwicklung, Drohnen, Militärflugplatz, Protest, Bundeswehr, Schleswig-Holstein, Deutschland