21:48 19 November 2019
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    Russlands Präsident Wladimir Putin (l. in der Mitte) und Andreas Maurer (r. in der Mitte) (Archivbild)

    Direkt und offen: Linken-Kommunalpolitiker sprach mit Putin über Krim

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    Die weitere Entwicklung der Volksdemokratie zur Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Westen und Russland hat Andreas Maurer, Kommunalpolitiker der Partei Die Linke aus Quakenbrück in Niedersachsen, während einer spontanen Begegnung mit Wladimir Putin auf der Krim erörtert. Er hat den russischen Präsidenten auf Deutsch angesprochen.

    Unterstützer der Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivbild)
    © AFP 2019 / Oliver Berg / dpa
    „Den ersten Teil des Gesprächs über die Möglichkeiten, die Kontakte auszubauen, damit einfache Menschen mehr miteinander zusammenkommen und mehr voneinander erfahren, haben wir auf Deutsch geführt“, sagt er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Ich habe dem russischen Präsidenten gesagt, dass unser Projekt der Volksdiplomatie schon über 200 Menschen motiviert, die Krim durch unsere Organisation zu besuchen. Viele andere, die auf unsere Empfehlung privat gefahren sind, zähle ich nicht mit.“

    Indirekt wurden ihm zufolge die Äußerungen mancher deutscher Politiker berührt, das Thema Krim solle in den Beziehungen zu Russland ausgeklammert werden.

    „Unsere Meinungen haben wir im Zusammenhang mit dem Druck verschiedener Behörden und Medien in Deutschland auf die Menschen ausgetauscht, die auf die Krim reisen. Ich habe Wladimir Putin über meine Erfahrungen berichtet, dass je mehr dieser Druck ausgeübt wird, desto entschlossener Menschen in Deutschland und überhaupt im Westen bereit sind, auf die Krim zu reisen, oder das wollen.“

    Es sei ein direktes und offenes Gespräch gewesen, so Maurer. „Wladimir Putin ist ein Präsident, der zuhören kann, der sich wirklich interessiert. Wir wissen, bei solchen Treffen läuft das Protokoll, und der Präsident hat das Protokoll gesprengt. Er wollte mit allen sprechen. Da gab es Menschen, die mit persönlichen Anliegen gekommen sind. Und er hat nicht nach dem Protokoll gehandelt, sondern ist einfach hingegangen, hat Menschen zugehört und angesprochen. Das hat mich so stark beeindruckt.“

    In Deutschland sei es so, vergleicht der Abgeordnete, dass „die Politiker kommen, ein schönes Foto machen und dann schnell weg sind. Und hier lief alles größtenteils ohne Protokoll, genauer gesagt, der Präsident der Russischen Föderation, hielt dieses Protokoll komplett in der Hand. Er hat sich viel Zeit genommen, um mit den Menschen zu sprechen.“

    Andreas Maurer war Zeuge davon, wie die Menschen Wladimir Putin auf der Krim herzlich begrüßten. „Wenn wir das jetzt mit Frau Merkel vergleichen, da kommen Tausende, um aber sie bei den Auftritten zu stören. Und das ist so ein Unterschied.“

    Thema Krim ausklammern

    Äußerungen mancher deutscher Politiker, wonach das Thema Krim in den Beziehungen zu Moskau ausgeklammert werden sollte, nimmt der Linken-Abgeordnete, der trotz der Sanktionen die Halbinsel regelmäßig besucht, positiv zur Kenntnis. Wichtig sei nach seinen Worten zu sehen, warum sie plötzlich umschwenken. Er führt das auf die allgemeine Stimmung in Deutschland zurück. „Die letzten Umfragen zeigen, dass immer mehr Menschen in Europa vernünftige Verhältnisse mit Russland haben wollen, und diese antirussische Sanktions-Politik oder diese antirussische Rhetorik wollen die Menschen in Deutschland nicht mehr.“

    Dies veranlasse den einen oder anderen Politiker, sich von dieser antirussischen Politik mehr oder weniger zu distanzieren, behauptet Maurer.

    „Die Kritik an solchen vernünftigen Äußerungen wird immer leiser. Ich habe nichts von der Frau Merkel gehört, dass sie das irgendwie verurteilt hat. Die einzigen Kritiker sind eigentlich nur die Grünen. Aber ihre Russlandpolitik kennen wir. Sie ist antirussisch, denn sie waren in Kiew auf dem Maidan unterwegs.“

    Bei allen anderen sei ein gewisser Umschwung zu verzeichnen, urteilt der Kommunalpolitiker. „Die letzte offizielle Umfrage zeigt, dass 44 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland für normale Verhältnisse mit Russland plädieren. Das ist schon ein Zeichen, weil noch vor ein paar Monaten der Wert bei 20 oder 22 Prozent lag. Diese Verdoppelung spricht für sich.“

    Auch die Wirtschaft mache einen enormen Druck auf die CDU und FDP, aber auch auf die SPD, stellt Maurer fest. „Ich habe vor Kurzem gelesen, dass 190 Firmen befragt wurden, was sie zu den Sanktionen sagen, und 91 Prozent davon haben gesagt, diese Sanktionen müssen weg. Das ist ein weiteres Zeichen, dass auch unsere Wirtschaft ein Wort mitzureden hat.“ Damit erklärt der Linken-Politiker, dass die deutsche Politik jetzt zum Teil umschwenkt. Er hätte aber gewünscht, dass man viel offensiver vorgehe, und hoffe darauf, dass es in Zukunft konsequent in diese Richtung gehe.

    Das komplette Interview mit Andreas Maurer zum Nachhören:

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    Tags:
    Beziehungen, Interview, Wladimir Putin, Krim, Deutschland, Russland