03:23 14 Dezember 2017
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    Blick auf demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea (Archivbild)

    Nordkorea: Kim zieht Frontlinie – Pence steht schon in Flammen

    © AP Photo/ Lee Jin-man
    Politik
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    Alexander Chrolenko
    2122018

    Trotz der internationalen Sanktionen und des militärpolitischen Drucks seitens Washingtons bewahrt Nordkorea seine nationale Souveränität und bleibt bei seiner scharfen Position in allen möglichen Richtungen.

    Es wurde jüngst bekannt, dass der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un heimlich einen Truppenteil besucht hatte, der sich nur einen Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt befindet. Seine Reise in das faktische „Frontgebiet“ wurde von den nordkoreanischen Medien nicht beleuchtet, war also kein Element der Propaganda. In der Militärsprache heißt das Geländeerkundung, wobei Stabsoffiziere oder gegebenenfalls der Oberste Befehlshaber höchstpersönlich die Situation vor Ort kennenlernen, um dann diese oder jene Entscheidung zu treffen. Üblicherweise beginnen danach Gefechte.

    Am 14. August hatte Kim Jong-un bereits die Kommandostelle der strategischen Kräfte besucht und einen Plan zu einem massiven Raketenschlag gegen die Insel Guam analysiert, wo US-Truppen stationiert sind. Unterwegs sollten vier ballistische Raketen Hwasong-12 mehrere japanische Präfekturen überfliegen. Die Situation spitzte sich dermaßen zu, dass auf Guam am 15. August der Atomangriffsalarm eingeschaltet wurde – zum Glück aus Versehen.

    Der Raketenschlag wurde vorerst verschoben, aber Pjöngjang hat die Verarbeitung des Atombrennstoffs zwecks Produktion von waffenfähigem Plutonium wiederaufgenommen, und drohte Washington und Seoul vor dem Hintergrund der provokanten amerikanisch-südkoreanischen gemeinsamen Manöver Ulchi-Freedom Guardian abermals mit einer „nuklearen Brandstätte“. Zudem wurde ein Propaganda-Video veröffentlicht, das zeigt, wie nordkoreanische Raketen Guam vernichten, wie US-Präsident Donald Trump auf einen Friedhof guckt und sein Vize Michael Pence in Flammen aufgeht.

    Invasionsprobe

    Die gemeinsamen Übungen der USA und Südkoreas könnten tatsächlich umfassende Kriegshandlungen und sogar einen unkontrollierbaren Atomkrieg zur Folge haben. Pjöngjang glaubt nicht unbegründet, dass Ulchi Freedom Guardian der Probe eines Präventivschlags und der Eroberung des nordkoreanischen Territoriums gewidmet ist. Die Truppen aller beteiligten Seiten befinden sich schon seit längerer Zeit in erhöhter Einsatzbereitschaft.

    Stealth-Bomber der US-Luftwaffe B-2 (Archivbild)
    © Foto: U.S. Air Force/ Airman 1st Class Joel Pfiester/Released
    Die Amerikaner haben sich für die zehntägige Übung entschieden – trotz aller Vernunft und der russisch-chinesischen Initiative zum „Doppel-Einfrieren“ der Situation um Nordkorea. Gleichzeitig bemühen sich Washington und Seoul um eine Veränderung ihrer Vereinbarungen bezüglich ballistischer Raketen, damit Südkorea das Recht auf die Entwicklung von neuen Sprengköpfen ohne eine Beschränkung ihres Gewichts bekommt. Die Halbinsel Korea gilt ohnehin längst als „Pulverfass“, was deutlich von der Dominanz der so genannten „Falken“ im Weißen Haus zeugt.

    Die angeblich defensive Übung Ulchi Freedom Guardian, bei der Gefechte per Computer modelliert werden, sind offiziell lediglich „auf die Förderung der Einsatzbereitschaft und die Verteidigung der regionalen Sicherheit und Stabilität auf der Halbinsel Korea“ ausgerichtet. Aber der Übungsplan sieht auch Schläge gegen Objekte des Atom- bzw. Raketenprogramms Nordkoreas vor. An dem Manöver beteiligen sich etwa 50.000 südkoreanische und 17.500 US-Soldaten. (Insgesamt befinden sich mehr als 28.000 amerikanische Militärs ständig im Süden der Halbinsel Korea.) Dem nordkoreanischen Generalstab zufolge kommen dabei auch mehrere Schiffe der 7. US-Flotte und Bomber B-52H, B-1I, B-2A zum Einsatz. Die Situation ist also durchaus explosiv.

    Ballistische Argumente

    Pjöngjang hat seinerseits etwas, womit es dem Aggressor antworten könnte: Seit 2006 führte das Kim-Regime insgesamt fünf Atomwaffentests durch, zuletzt am 9. September 2016. Die Explosionsstärke erreichte dabei 30 Kilotonnen, was doppelt so viel wie bei der Explosion der auf Hiroshima 1945 abgeworfenen Bombe war.

    Anfang August testete Pjöngjang abermals seine ballistischen Raketen, von denen eine die außerordentliche Wirtschaftszone Japans erreicht haben soll. Die Flugzeit und —höhe zeugen von einer ausreichenden Zuverlässigkeit nordkoreanischer Raketen. Pjöngjang verfügt bereits über Möglichkeiten für Schläge gegen den kontinentalen Teil der USA und will auf die Weiterentwicklung seiner neuen Waffen nicht verzichten, solange die USA für Nordkorea gefährlich bleiben.

    US-Präsident Trump hält Nordkorea für die größte Gefahr für sein Land, und sein Verteidigungsminister James Mattis erklärte, Pjöngjang sollte sein Atomprogramm schließen und Schritte vermeiden, „die zum Ende des aktuellen Regimes und zum Tod seines Volkes führen könnten“. Ein friedlicher Dialog sehe anders aus.

    Nach diesen verbalen Sticheleien versprach Trump: Sollte Kim Jong-un Guam angreifen, würde mit Nordkorea „etwas passieren, was noch niemand je gesehen hat“. Dabei scheint Washington friedliche Mittel zum Abbau der Spannung gar nicht zu berücksichtigen, als würde es mit einem ewigem Balancieren am Abgrund eines Krieges oder mit einer Kapitulation Pjöngjangs rechnen.

    China und Russland bleiben verantwortungsvoll und vorsichtig

    Die Co-Vorsitzenden des russisch-chinesischen Dialogs über Sicherheit in Nordostasien, Igor Morgulow (Russland) und Kong Xuanyou (China), haben sich Anfang dieser Woche in Peking getroffen und sich dabei für intensivere politische bzw. diplomatische Bemühungen um die Deeskalation der Situation eingesetzt, was günstige Voraussetzungen für die Regelung des Atomproblems und auch anderer Probleme auf der Halbinsel schaffen würde.

    Zuvor hatte ein nordkoreanischer Vizeaußenminister in einem Interview für Associated Press den US-Präsidenten Trump beschuldigt, „einen Teufelskreis der Spannung“ kreiert zu haben. Und da taucht die Frage auf: Wenn sich der Konflikt vor allem auf die Position der USA zurückführen lässt (die nach dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 nie einen Friedensvertrag mit Pjöngjang abgeschlossen haben), sollte sich da nicht vielleicht der UN-Sicherheitsrat auch „parallele“ Sanktionen gegen die Amerikaner überlegen?

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Sanktionen, Regime, Nuklearwaffen, Kampf, Konflikt, Eskalation, Übungen, US-Armee, Donald Trump, Kim Jong-un, Mike Pence, Südkorea, Nordkorea, USA
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