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    Migrationskrise: Lassen 2500 Euro Flüchtlinge in Heimat zurückkehren? – Experte

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    Frankreich hat eine Strategie zur Bekämpfung der Migrationskrise eingesetzt, bei der illegalen Migranten ihre Heimkehr bezahlt wird. Ob nun 2500 Euro pro Flüchtling verlockend sind und welche Probleme dies hervorrufen kann, hat François Guennoc, Vize-Präsident der Hilfsorganisation «Auberge des Migrants» im Gespräch mit Sputnik France erläutert.

    Mitarbeiter des Französischen Büros für Zuwanderung und Integration (Officefrançais de l'immigration et de l'intégration, OFII) sprechen Migranten direkt auf der Straße an. Denjenigen, die bereit sind, in ihre Herkunftsländer zurückzukehren, wird geholfen, Tickets nach Hause zu kaufen sowie werden 2500 Euro gezahlt.

    Ein deutsches Asylheim
    © AFP 2019 / JENS WOLF / DPA / AFP
    Auf Beschluss des Innenministers Gérard Collomb ist dieser Zusschuss zeitweilig, und zwar bis zum Jahresende, von 1000 auf 2500 Euro erhöht worden.

    Nach Angaben von Guennoc liegen OFII zurzeit etwa 80.000 Anträge auf politisches Asyl zur Bearbeitung vor. Im vorigen Jahr seien 85.726 Anträge eingegangen, was 13,3 Prozent mehr als im Jahr 2015 gewesei sei. Von all diesen Menschen seien etwa fünf Prozent in ihre Heimat zurückgekehrt.

    "Die französischen Behörden treffen keine ausreichenden Maßnahmen, um Migranten – seien es Erwachsene oder Kinder – aufzunehmen und sie zu schützen. Diese Maßnahme wird nicht helfen, das Migrantenproblem in Frankreich zu lösen", so Guennoc.

    Einige Migranten würden heimkehren, weil sie mit den Bedingungen in Europa unzufrieden seien, so Guennoc weiter. Die anderen — weil sich die Situation in ihrem Land verbessert habe. Die dritten — weil sie von der Reise nach Europa müde und verzweifelt seien. Eine ähnliche Situation sei im französischen Calais im Herbst 2016 zu beobachten gewesen. Damals haben wöchentlich 20 bis 30 Afghanen zugesagt, in ihre Heimat zurückzukehren. Laut Medien kommen jährlich mehrere hundert Transitmigranten durch Calais auf ihrem Weg nach Großbritannien.

    Was die Höhe des Zuschusses angehe, so würden 2.500 Euro den Migranten helfen, möglicherweise ein eigenes Geschäft in ihrer Heimat zu starten, meint Guennoc. Das Geld werde ihnen entweder in einem Flughafen in Frankreich oder in ihrer Heimat ausgezahlt.

    Es bestehe aber die Gefahr, dass die Migranten den Zuschuss für ihre Heimkehr nehmen und trotzdem später nach Europa zurückkommen würden. Guennoc zufolge könnten Flüchtlinge, die ihre Unterlagen zum Beispiel in Italien erhalten haben, nach Frankreich einreisen, den Zuschuss beziehen und wieder nach Italien fahren.

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    Migration, Flüchtlinge, Officefrançais de l'immigration et de l'intégration, OFII, Auberge des Migrants, Gérard Collomb, François Guennoc, Frankreich