20:07 19 Februar 2019
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    US-Militärbasis Ramstein

    Die langen Arme des Pentagons: Die wichtigsten US-Basen im Ausland

    © Foto: U.S. Air Force / Michael Stuart
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    Vor einigen Wochen hatte Nordkorea angedroht, die US-amerikanische Militärbasis auf der Pazifikinsel Guam zu zerstören. Die Wahl ist keineswegs zufällig, denn Guam ist eines der wichtigsten militärischen Drehkreuze der USA – und nur ein Glied in der ganzen Reihe der geopolitisch relevanten ausländischen Basen des US-Militärs in der Welt.

    US-Luftstützpunkt, Guam
    © Foto : DoD photo by Senior Airman Carlin Leslie, U.S. Air Force
    Nordkorea habe die Vorbereitungen für einen potentiellen militärischen Schlag gegen die US-Basis auf Guam vollständig abgeschlossen, meldet der Berater zu nordkoreanischen Angelegenheiten in Russland, Jin Jong Hyop. Davor hatte Pjöngjang angedroht, es werde die amerikanischen Militäranlagen auf der Insel vernichten, wenn das US-Militär weiterhin seine Militärpräsenz in Südkorea erhöhe.

    Die Wahl des pazifischen Drehkreuzes des US-Militärs als Ziel ist sicherlich kein Zufall, denn die militärische Macht der USA in der Welt basiert fundamental auf dem breiten Netz von Militärbasen in allen Teilen der Welt – dem sogenannten Nichtinkorporierten US-amerikanischen Außengebiet. Eine Vernichtung dieser Schlüsselpositionen des amerikanischen Militärnetzwerkes könnte das Kräftegleichgewicht nicht nur in der Region, sondern in der gesamten Welt verändern. Nachfolgend vier US-Militärbasen außerhalb des Territoriums der USA, die die Ecksteine der amerikanischen Militärpräsenz auf allen Kontinenten bilden.

    Die pazifische „Inselfestung“ Guam

    Navy vessels are moored in port at the U.S. Naval Base Guam at Apra Harbor, Guam March 5, 2016
    © REUTERS / Major Jeff Landis,USMC (Ret.)/Naval Base Guam/Handout/File Photo
    Navy vessels are moored in port at the U.S. Naval Base Guam at Apra Harbor, Guam March 5, 2016

    Auf Guam besitzen die Amerikaner den Luftwaffenstützpunkt „Andersen Air Force Base“ sowie den Militärhafen Apra Harbor. Diese haben für das Pentagon eine geostrategische Bedeutung und sind die wichtigsten geopolitischen „Muskeln“ der Amerikaner in der Pazifischen Region. Vor allem der Luftstützpunkt ist von strategischer Relevanz, da dort seit den 1970er Jahren strategische Atom-Bomber stationiert sind. Die Infrastruktur des Militärstützpunktes erlaubt es, Kampfflieger aller Klassen, darunter die strategischen Langstreckenbomber B-52, den B-1 Lancer und den B-2 Spirit sowie Kampfjets der Luftunterstützung und Aufklärungsflugzeuge, aufzunehmen.

    Nach Medienangaben befinden sich auf der Insel mindestens sechs strategische Langstreckenbomber B-1 Lancer mit Überschallgeschwindigkeit in ständiger Bereitschaft, wobei die Luftstreitkräfte binnen weniger Tage aufgestockt werden können. Damit sind die USA in der Lage, von Guam aus Luftangriffe (auch mit Atomwaffen) gegen alle Länder der Region ohne größere Vorbereitung zu fliegen.

    Die Seestreitmacht, die auf der Insel basiert ist, ist zudem mit Marschflugkörpern sowie ballistischen Langstreckenraketen ausgerüstet und verstärkt umso mehr das US-Angriffspotential in der Region.

    Ramstein Air Base

    Ein Marshaller auf dem amerikanischen Stützpunkt Ramstein in Deutschland
    Ein Marshaller auf dem amerikanischen Stützpunkt Ramstein in Deutschland

    Der andere Knotenpunkt des amerikanischen militärischen Spinnennetzes befindet sich nicht in einer weit entlegenen Weltregion, sondern gleich vor der Haustür: rund zehn Kilometer westlich von Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz.

    Die Ramstein Air Base ist das Hauptquartier der amerikanischen Luftwaffe in Europa und Afrika sowie das Hauptquartier der NATO-Kommandobehörde zur Führung der Luftstreitkräfte. Vom Operationszentrum der Basis Ramstein werden die Planung und Steuerung der Kampfdrohnen-Angriffe gegen Ziele im Irak, Afghanistan, Somalia, Jemen und Pakistan koordiniert. Der Militärflughafen beherbergt rund 35.000 amerikanische Militärangehörige und 6000 Zivilisten und ist damit die personalmäßig größte Einrichtung der US Air Force außerhalb der Vereinigten Staaten.

    Bis zuletzt waren auf dem Stützpunkt Ramstein US-amerikanische Kernwaffen gelagert, die ab 2005 abgezogen werden sollten. Ob dies aber tatsächlich vollständig vom US-Militär durchgeführt wurde, ist nicht endgültig klar – schließlich haben deutsche Entscheidungsträger und Medienvertreter keinen freien Zugang zu einigen Teilen des Areals.

    Vor allem im Fall eines Konfliktes mit Russland wäre Ramstein der Knotenpunkt für Luftangriffe mit strategischen Bombern gegen russische Städte.

    Al Udeid Air Base

    US-Soldat auf Militärflugplatz Al Udeid, Katar
    US-Soldat auf Militärflugplatz Al Udeid, Katar

    Der neuste dieser geopolitisch wichtigen Stützpunkte ist die Al Udeid Air Base 30 Kilometer westlich von Doha, die sowohl von amerikanischen als auch von katarischen Luftstreitkräften seit 2001 genutzt wird. Vor allem während des Afghanistankrieges war dieser Stützpunkt für Militäroperationen in vollem Einsatz. Auch gegen den Irak erfolgten mehr als 350 Einsätze von hier. Der Stützpunkt ist für das US-Militär von enormer Bedeutung, weil die Start- und Landebahn die längste in der gesamten Golfregion ist und somit Flugzeuge aller Klassen – darunter Langstreckenbomber – landen und starten lassen kann. Zusammen mit weiteren 35 amerikanischen Militärobjekten in der Region soll die Al Udeid Air Base die US-Dominanz im gesamten Nahen Osten gewährleisten.

    US-Basen in Japan

    Naval ships from (Bottom to top) Japan, United States and India (tow ships) operate the first joint naval exercise in the Pacific Ocean off the coast of Japan's Chiba prefecture (File)
    © AFP 2018 / JAPAN POOL / JIJI PRESS
    Naval ships from (Bottom to top) Japan, United States and India (tow ships) operate the first joint naval exercise in the Pacific Ocean off the coast of Japan's Chiba prefecture (File)

    Gesondert könnte man schließlich die etwa 90 US-Militärstützpunkte in Japan aufzeigen. Allein im Hauptquartier der United States Forces Japan (USFJ) auf der Yokota Air Base in der Präfektur Tokio dienen mehr als 14.000 US-Militärs. Offiziell dient der US-Großverband in Japan der Stärkung der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte und basiert auf dem amerikanisch-japanischen Bündnisvertrag von 1960. Die Stärke der Armeepräsenz sowie die Zusammensetzung des Militärarsenals – dutzende modernste Kampfflieger, strategische Bomber und Spionageflugzeuge – zeugen allerdings davon, dass es um deutlich mehr geht, als die Unterstützung der japanischen „Selbstverteidigung“. Offensichtlich ist, dass Japan im Falle eines Konfliktes in der Region – egal ob mit China oder Nordkorea – das Sprungbrett für amerikanische Militärschläge und Interventionen wäre.

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    Tags:
    Geopolitik, Militärbasen, Pentagon, Guam, Deutschland, USA