02:55 25 April 2018
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    Präsident von Frankreich Emmanuel Macron (L) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivbild)

    „Keine Vorzeichen für neue Revolutionen“: Wie Europas Eliten einen Ausweg fanden

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
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    Im Zuge eines Generationswechsels etablieren sich junge Politiker in Europa. Sie haben zwar Charisma und Durchschlagkraft, werden aber kaum einen revolutionären Wandel mit sich bringen. Denn sie sind oft Fleisch vom Fleisch des globalistischen Establishments. Zu diesem Schluss gelangt die russische Analystin Jewgenia Pimenowa.

    In einem Kommentar für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Pimenowa, in der europäischen Politik zeichne sich ein Generationswechsel ab. Die auffälligsten Vertreter der neuen Generation seien der 39-jährige französische Präsident Emmanuel Macron und der 31-jährige österreichische Außenminister Sebastian Kurz: „Sie werden von vielen westlichen Medien mit Komplimenten überschüttet und zu politischen ‚Celebrities‘ gemacht. Nach Macrons Sieg bei der Präsidentenwahl wurde ihm sogar bescheinigt, eine ‚neue Stütze für die EU‘ zu sein.“

    Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hält eine Rede vor der 71. UN-Vollversammlung
    © REUTERS / Eduardo Munoz
    Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hält eine Rede vor der 71. UN-Vollversammlung

    Zu den jungen Hoffnungsträgern der europäischen Politik zähle auch der 31-jährige Niederländer Jesse Klaver, Parteichef von GroenLinks. Der katalanische Politiker Albert Rivera (37) sei mittlerweile ebenfalls nicht nur in Spanien sondern auch in Europa bekannt, hieß es.

    Österreichs Außenminister Sebastian Kurz während Migration-Konferenz (Archivbild)
    © AP Photo / Alessandra Tarantino
    All diese politischen Figuren seien bereits im vereinten Europa aufgewachsen – und nicht daran gewöhnt, im bipolaren Konfrontations-Paradigma der Nachkriegszeit zu denken: „Ausgerechnet deshalb lassen sie sich nicht als klassische Vertreter der sogenannten alten Ideologien wie Konservatismus oder Liberalismus im traditionellen Sinne einstufen. Eigentlich ist die Aufteilung in Links und Rechts für sie zu einem großen Teil nicht mehr aktuell. Sie sind weniger ideologisiert und mehr pragmatisch.“

    Jesse Klaver
    © AP Photo / Peter Dejong
    Jesse Klaver

    „Ihr ‚Schachbrett‘ ist faktisch ganz Europa. Nicht zu vergessen: Eine der ersten Erklärungen von Macron im Amt des Präsidenten waren die Worte, wonach Europa ‚neu gegründet‘ werden soll. Sie betrachten sich selbst als kontinentale und sogar als globale Politiker“, so Pimenowa.

    Im derzeitigen Kontext habe der politische Generationswechsel aber auch eine andere Dimension: „Als west- und osteuropäische Länder einen Boom des politischen ‚Populismus‘ erlebten und radikale Rechtsparteien ernsthaft anfingen, die große Politik anzuvisieren, suchten die alten Eliten krampfhaft nach einem Ausweg aus dieser Situation. Ihnen drohte ja ein Kontrollverlust über die Verwaltungsverfahren. Um die in der Gesellschaft offensichtlich bestehende Nachfrage nach einer Alternative adäquat zu beantworten, scheinen sie beschlossen zu haben, ausgerechnet auf solche jungen Politiker zu setzen, die noch nicht allzu ‚eingefahren‘ wirken und dabei Charisma und Durchschlagkraft besitzen.“

    Albert Rivera
    © AP Photo / Emilio Morenatti
    Albert Rivera

    EU-Flagge (Archivbild)
    © AFP 2018 / Tobias Schwarz
    „Allerdings sieht es danach aus, dass man hinter ihrem frischen Image, ihrem jungen Charme und ihrem politischen ‚Glamour‘ keine  Vorzeichen für neue europäische Revolutionen suchen sollte. Es wird keine solchen Vorzeichen geben. Diese neuen jungen Eliten sind ja Fleisch vom Fleisch des globalistischen Establishments, ein Produkt der europäischen politischen Nobilität – obwohl sie sich als Alternative zu diesem Establishment positionieren“, heißt es im Kommentar.

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