19:22 23 April 2018
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    Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un

    Kims Rakete ist ein pfiffiger Werbetrick - Experte

    © REUTERS / Damir Sagolj
    Politik
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    Die ganze Welt ist darüber besorgt, dass Nordkorea eine Rakete über Japan abfeuerte. Laut dem russische Militärexperten und Politologen Wladimir Korowin hat Pjöngjang mit seinen Raketenstarts aber eher etwas ganz anderes im Sinn – es sei schlicht eine Werbung gewesen, die Japan aber nicht umzuschalten vermochte.

    Laut übereinstimmenden Angaben aus Japan, Südkorea und den USA startete Nordkorea am frühen Dienstagmorgen unangekündigt eine ballistische Rakete (vermutlich eine Hwasong-12) über japanisches Territorium hinweg. Die Rakete ist den Berichten nach etwa 2700 Kilometer weit geflogen, überflog den Norden Japans und ging 1180 Kilometer östlich der nördlichsten Provinzhauptinsel Hokkaido im Pazifik nieder. Japans Regierungschef Shinzo Abe bezeichnete den Raketentest als eine „beispiellose und ernsthafte Bedrohung“.

    Zur selben Zeit erklärte der  japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera, dass kein Schadenrisiko bestanden habe und Japan deshalb beschlossen habe, die Rakete ungehindert fliegen zu lassen. Am Dienstag findet diesbezüglich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates statt. Südkorea und die USA erwägen militärische Maßnahmen.

    US-Finanzzentrum auf Wall Street (Archivbild)
    © Sputnik / Aleksej Filippow

    Nach Meinung des Experten hat Pjöngjang mit seinen Raketenstarts aber etwas ganz anderes im Sinn: „Die Starts sind Elemente einer Werbung. Ein Start — und schon ist die ganze Welt echauffiert. Gibt es überhaupt ein anderes Land in der Welt, welches sich eine solche Werbung erlauben kann?“

    So würden die in Indien oder Pakistan durchgeführten Raketenstarts im Vergleich dazu wohl keine Menschenseele interessieren.

    „Nordkorea hat erneut die Zuverlässigkeit seiner Raketentechnologie unter Beweis gestellt. Und selbstverständlich warten sie auf eine Einladung auf den Rüstungsmarkt“, erklärt der Experte.

    Seines Wissens würde Nordkorea auch bereits Raketen vermarkten, wobei diese sogar eine gefragte Ware seien: „Was bleibt ihnen noch zu verkaufen, wenn sonst bei ihnen niemand etwas kauft?“

    Dabei seien Raketen für Nordkorea so etwas Ähnliches wie Diamanten für ein anderes Drittland.  Derzeit besitze es eine beachtliche Kollektion an Raketen, die jederzeit einsatzbereit seien.

    Wieso die Rakete aber ungehindert Japan überfliegen konnte, erklärt Korowin so: Weder die japanischen Streitkräfte noch die US-Raketenabwehr sei in der Lage gewesen, etwas dagegen zu tun. Die Rakete sei nämlich in einer Höhe von 500 Kilometern über die Erde gesaust, wobei die Reichweite der US-amerikanischen THAAD-Raketen schätzungsweise nur 200 km, die maximale Flughöhe nur etwa 150 km betrage.

    Zudem habe wohl jedermann verstanden, dass eine Rakete, die sich auf einer ballistischen Flugbahn befindet, nicht plötzlich wie ein Stein zu Boden fallen könne.

    Da Japan über keine Raketenabwehr verfüge, die eine Höhe von 250 Kilometern übertreffen könnte, seien die japanischen Streitkräfte gezwungen gewesen „einfach zuzuschauen“ und die Rakete vorbeifliegen zu lassen.

    Tags:
    Rakete, Luftabwehrsystem THAAD, Kim Jong Un, Japan, Nordkorea, USA
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