18:05 10 Juli 2020
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    Um fast ein Drittel ist der Handel zwischen Russland und den USA wegen der US-Sanktionen eingebrochen – ein Minus von rund zehn Milliarden Dollar in zwei Jahren. Betroffen sind davon hauptsächlich US-Exporteure, nicht die russische Wirtschaft, wie Russlands neuer US-Botschafter Anatolij Antonow der Zeitung „Kommersant“ mitgeteilt hat.

    Russland habe von den Sanktionen sogar profitiert, „durch die Ankurbelung der Inlandsproduktion und die Förderung der Handelsbeziehungen zu anderen Ländern“, sagte Antonow in seinem ersten Interview nach der Ernennung zum russischen Botschafter in Washington.

    „Besonders viel haben jene US-Firmen verloren, die die eigene Führung gezwungen hatte, zukunftsträchtige Projekte in Russland aufzugeben.“ Dazu zähle beispielsweise das Vorhaben von ExxonMobil, Öl auf dem Arktisschelf zu fördern: Zehn Milliarden US-Dollar seien bereits in dieses Projekt geflossen.

    Antonow äußerte, dass die US-Unternehmen den russischen Markt jedoch nicht verlassen wollen würden — trotz des Drucks der vorherigen Administration. „Es ist schon bezeichnend“, sagte er, „dass ausgerechnet die US-Delegation auf dem diesjährigen Petersburger Wirtschaftsforum die größte war.“ 140 Firmen aus den USA seien darin vertreten gewesen.

    Er betonte zudem dass Russland nie darum gebeten habe, die Sanktionen aufzuheben und es auch nicht vorhabe das zu tun. Obwohl es sich offenkundig um einen nicht gerade freundschaftlichen Umgang mit Russland handele.

    Doch wie dem auch sei: „Eine effektive Zusammenarbeit werden Russland und die USA nur auf die Beine stellen können, wenn im Dialog keine Druckmittel mehr eingesetzt werden, wenn es keinen Platz mehr gibt für Erpressung und den Versuch, dem Anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Der Ball liegt jedenfalls bei Washington“, so der neue russische Botschafter in den USA.

    Antonow blickt auf über 30 Jahre Erfahrung im diplomatischen Dienst des russischen Außenministeriums zurück. Er war sowohl in der Ministeriumszentrale als auch im Ausland tätig. 2004 hatte er die Leitung des Departements für Sicherheits- und Abrüstungsangelegenheiten übernommen. Er hatte zahlreiche Regierungsdelegationen geleitet und Russland unter anderem bei den G8 bei den Verhandlungen zum Atomwaffensperrvertrag und anderen Abkommen zur Rüstungskontrolle vertreten. Er war zudem der Leiter der russischen Delegation in den USA bei den Verhandlungen zum neuen START-Abkommen. Von Februar 2011 bis Dezember 2016 war er stellvertretender Verteidigungsminister gewesen und hatte in dieser Position die internationalen Beziehungen des russischen Verteidigungsministeriums verantwortet. Danach hatte er zurück in das Außenministerium gewechselt.

    Der Kreml hatte im Herbst 2016 beschlossen, Antonow zum neuen Botschafter in den Vereinigten Staaten zu ernennen. Er gilt als Hardliner der russischen Westpolitik. Damals war in Moskau mit einem Sieg Hillary Clintons bei den Präsidentschaftswahlen in den USA gerechnet worden. Es war erwartet worden, dass das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten im Falle ihres Sieges angespannt bleiben würde. Trotz des Wahlsiegs von Donald Trump hatte der Kreml seine Entscheidung nicht revidiert. In der Tat war eine Normalisierung in den Beziehungen zwischen Russland und den USA auch nach Trumps Wahlsieg nicht eingetreten. Mehr noch: Washington hatte weitere Sanktionen gegen Russland verhängt.

    Antonows Vorgänger, Sergej Kisljak, hatte seine diplomatische Mission in Washington offiziell am 22. Juli abgeschlossen. Es wird angenommen, dass er seine Karriere im Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, fortsetzt.

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    Tags:
    INF-Vertrag, Sanktionen, Botschafter, ExxonMobil, Anatoli Antonow, USA, Russland