16:34 18 August 2018
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    Gerhard Schröder (SPD) bei einem Wahlkampfauftritt

    Schröder verteidigt Rosneft-Job: „Mainstream hat mich nie interessiert“

    © REUTERS / Morris Mac Matzen
    Politik
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    Gerhard Schröder hat auf einer SPD-Veranstaltung seine Jobperspektiven beim russischen Ölriesen Rosneft verteidigt. Seinen Kritikern hat der Altkanzler vorgeworfen, einen neuen Kalten Krieg gegen Russland ins Rollen bringen zu wollen - entgegen dem Willen der meisten Deutschen.

    "Der Mainstream war noch nie ein Gewässer, das mich besonders interessiert hat“, sagte Schröder bei der Veranstaltung in Rotenberg. Seine Kritiker erinnerte er an die völkerrechtswidrige US-Militärinvasion in den Irak im Jahr 2003:

    „Diejenigen, die jetzt bestimmte Entscheidungen besonders kritisieren, haben uns damals reinschreiben wollen in den Irak-Krieg. Sie haben sich nie dafür entschuldigt, dass sie auf der falschen Seite standen.“

    „All jene, die das jetzt auch wieder tun, haben offenbar ein Interesse daran, dass wir in einen neuen Kalten Krieg geraten, zum Beispiel mit unserem großen Nachbar Russland“, urteilte Schröder. Und weiter:„Ich bin daran nicht interessiert und ich glaube, die Mehrheit der Deutschen auch nicht.“

    Zu seiner in deutschen Medien heftig kritisierten Nominierung in den Aufsichtsrat des russischen Mineralölkonzerns Rosneft sagte der Altkanzler:

    „Stellt euch mal vor, ich wäre nicht für den Mineralölkonzern Rosneft in Russland vorgeschlagen worden, sondern für Exxon in Amerika. Wie wäre wohl die Reaktion der Presse in Deutschland gewesen? Alle wären begeistert und keiner würde darüber nachdenken: Was sind seine Beweggründe?“

    Seine Beweggründe im Fall Rosneft würde er aber „gerne mitteilen“:

    „Erstens, das ist der weltgrößte Erdölkonzern der Welt mit wirklich wichtigen Beziehungen zu Deutschland.“ Rosneft sei zudem ein internationaler Konzern, der sich mit Energiesicherheit beschäftige, und „anders als gelegentlich dargestellt wird, keineswegs der verlängerte Arm der russischen Regierung“.

    Auch wenn die russische Regierung der Mehrheitsaktionär sei, seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore als Aktionäre beteiligt. „In dem jetzt noch neunköpfigen Board ist die Mehrheit nicht russisch. Das wird aber nicht mitgeteilt.“

    Schröder räumte ein, dass ihm nicht alles gefalle, was sich in Russland tue, warnte zugleich aber vor einer gezielten Dämonisierung des „großen Nachbarn“.

    „Ich glaube, dass es aus ökonomischen wie politischen Gründen nicht vernünftig ist, unseren großen Nachbar Russland ökonomisch und politisch zu isolieren.“

    Mir gefällt bei Weitem nicht alles, was russische Politik ist. Aber mir gefällt vor allen Dingen nicht, dass man den Versuch macht, einen neuen Kalten Krieg zu installieren. Die Dämonisierung Russlands hilft keinem. Und die Einbindung in die Weltwirtschaft kann uns allen helfen.“

    Tags:
    Rosneft, Gerhard Schröder, Deutschland, Russland
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