18:57 14 Juli 2020
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    Als russophobische Gehirnwäsche hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow die heutige Politik Polens bezeichnet. Politexperte Eduard Popow ist jedoch der Meinung, auch wenn Warschau regelmäßig antirussische Rhetorik für politische Zwecke nutzt, gibt es keine Beweise dafür, dass die Polen eine Art angeborene Feindseligkeit gegen Russland haben.

    „In Polen spürt man eine echte Gehirnwäsche der Bevölkerung in einem ausgesprochen antirussischen Geist“, sagte der russische Chefdiplomat am Freitag bei seinem Auftritt vor Studenten des Staatlichen Moskauer Instituts für Internationale Beziehungen. Vor einem solchen Hintergrund seien irgendwelche Treffen und Gespräche einfach unmöglich.

    „Ich beobachte eine Besessenheit darauf, in der Gesellschaft eine Atmosphäre der totalen Feindseligkeit gegen alles, was mit Russland zu tun hat, zu schaffen“, so Lawrow weiter.

    Laut dem Experten Eduard Popow sind die antirussischen Stimmung in Polen jedoch nur eine Seite der Medaille:

    „Die antirussischen Stimmungen in Polen haben eine jahrhundertelange Geschichte“, sagte Popow gegenüber Radio Sputnik. „An dieser Stelle kann man an die drei Teilungen von Polen-Litauen denken sowie an die folgende Teilnahme der Polen an der Aggression gegen Russland aufseiten der Napoleon-Armee usw.“

    Aber es gebe auch die andere Seite der Medaille – mit prorussischen Stimmungen. „Man sollte sie nicht abschreiben“, so Popow weiter.

    Der Experte stimmte Lawrow jedoch in einem Punkt zu: Die antirussischen Ansichten würden den polnischen Bürgern tatsächlich künstlich aufgezwungen. „Die polnische Russophobie, obwohl sie auch eine historische Grundlage hat, ist eine Sache, die dirigiert und der polnischen Gesellschaft künstlich aufgezwungen wird. Ich habe mich vor Kurzem mit Vertretern der polnischen oppositionellen Kreise unterhalten, die mir Folgendes gesagt haben: Ungefähr 70 Prozent der polnischen Medien sind von deutschen Medienunternehmen kontrolliert, die restlichen 30 Prozent – von US-amerikanischen. Braucht es denn zusätzliche Beweise dafür, dass die polnische öffentliche Meinung absichtlich im antirussischen Geist manipuliert wird?“

    Dennoch sollte man sich nicht nur auf die negativen Seiten der polnisch-russischen Beziehungen konzentrieren, betonte er.

    „Man muss bedenken, dass es neben der offiziellen Diplomatie auch eine inoffizielle Volksdiplomatie gibt: Bei Weitem nicht alle Polen teilen die ihnen aufgezwungenen antirussischen Ansichten.“

    Dies zeige sich auch bei persönlichen Begegnungen mit polnischen Bürgern.

    „Laut Meinungsumfragen haben etwa 35 Prozent der Polen eine positive Einstellung zu Russland. Das ist ein sehr wichtiger Faktor, der eine Grundlage für künftige Beziehungen zu einem freien und vom Westen unabhängigen Polen bilden kann“, schlussfolgerte der Experte.

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    gehirnwaschen, Feindlichkeit, Sergej Lawrow, Russland, Polen