22:45 12 Dezember 2017
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    Merkel und Schulz beim TV-Duell

    Das TV-Duell – Ein zahnloser Kampf um Deutschlands Zukunft?

    © REUTERS/ FABRIZIO BENSCH
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz dürfte wohl ganz nach dem Geschmack der Kanzlerin gewesen sein: Wenig Kontroversen, wenige Versprechen, sehr viel "weiter so". Der stellenweise angriffslustige SPD-Kanzlerkandidat gab sich alle Mühe, doch die Zuschauer konnte er anscheinend nicht überzeugen. Warum eigentlich?

    Haben Sie auch das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz am Sonntagabend verfolgt? Nicht? Nun ja, brandheiße Informationen oder atemberaubende Spannung haben Sie sicherlich nicht verpasst. Dennoch war es nicht uninteressant zu sehen, wie sich die beiden Anwärter auf den Chefposten im Kanzleramt geschlagen haben und wie sie miteinander interagiert haben.

    Immer wieder hatte man das Gefühl, in dem Duell kämpfen nicht Merkel und Schulz gegeneinander, sondern beide vereint gegen die Fragen stellenden Journalisten. Bei einigen Unterbrechungen beispielsweise des Sat1-Moderators Claus Strunz mochte sich so manch Zuschauer sogar denken: „Jetzt lasst die Kandidaten doch mal ausreden“.

    Eine Dreiviertelstunde debattierten Merkel und Schulz zu Beginn allein über das Thema Flüchtlingspolitik, gefolgt von Außenpolitik, der sozialen Gerechtigkeit, der Diesel-Affäre, innerer Sicherheit und sogar die PKW-Maut spielte eine kleine Rolle. Was haben wir Neues erfahren? Bei Angela Merkel kann man das klar auf einen Nenner bringen: Nichts. Martin Schulz ließ sich zumindest bei dem Themenkomplex Türkei auf die Aussage festnageln, dass er die EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Land umgehend beenden möchte, sollte er Kanzler werden. Immerhin.

    Daher ist es vielleicht kein Wunder, dass laut mehreren Umfragen unter Zuschauern die Kanzlerin kompetenter und glaubwürdiger wirkte. Denn wer nichts verspricht, der kann nach der Wahl auch keine Versprechen brechen. Zusätzlich wirkte Schulz stellenweise kurzatmig, Merkel dagegen gewohnt unantastbar.

    Was ist also das Fazit dieses TV-Duells? Merkel verspricht erneut, dass sie weder mit der AfD, noch mit der Linke eine Koalition eingehen wird. Schulz schließt nur die AfD eindeutig als Koalitionspartner aus. Gegen eine weitere große Koalition sprechen sich dagegen beide Kontrahenten nicht definitiv aus. Diese Alternative liegt also immer noch nach der Bundestagswahl auf dem Tisch. Möglicherweise mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin und Martin Schulz als Außenminister? Hoffentlich nicht.

    Ein Duell mit den Spitzenkandidaten aller großen Parteien, von CDU bis SPD, Linken und Grünen, AfD und FDP hätte wohl nicht nur einen deutlich größeren Unterhaltungsfaktor gehabt. Vor allem aber hätte es größere Unterschiede in den einzelnen Themenbereichen gegeben. Dies war in dieser Ausgabe nur marginal erkennbar. Aber genau so wollte es ja die Kanzlerin, die einer größere Duell-Runde sehr schnell eine Absage erteilt hatte. Auch ein zweites Duell wird es nicht geben, Merkel sei Dank.

    Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht, denn der Tatort bringt am Sonntagabend dann vielleicht doch größere Erkenntnisse, als das mehr als eineinhalbstündige „Duell“ zwischen Frau Merkel und Herrn Schulz. Der Bundestagswahlkampf ist aktuell leider bei weitem kein Krimi. Eher eine Fortsetzungsgeschichte in mehreren Akten, bei der nach Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück nun wohl auch Martin Schulz eher eine tragische Rolle übernommen hat.

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    Tags:
    TV-Duell, TV-Debatte, Wahlkampf, CDU, FDP, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Peer Steinbrück, Martin Schulz, Frank-Walter Steinmeier, Angela Merkel, Deutschland