07:23 26 Januar 2020
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    Die deutsche Elite unterwirft sich nicht als Marionette ständig den USA. Das erklärt der russische Analytiker Iwan Danilow in einem Kommentar für die Agentur RIA Novosti. Er verweist auf immer neue Beispiele, wie Berlin US- amerikanische Pläne torpediert.

    „Merkel setzt Scheidungsverfahren fort und beginnt mit Vermögensaufteilung.“ So lautet der vollständige Titel des Kommentars. Danilow gibt darin eine Antwort auf die Frage, warum die Bundesbank vorzeitig die Hälfte aller deutschen Goldreserven aus dem Ausland (darunter aus New York) nach Deutschland geholt hat. Aus seiner Sicht ist die realistischste Erklärung: „Angela Merkel ist in einen Vermögensaufteilungs-Modus übergegangen. Wenn man das amerikanisch-deutsche Verhältnis mit einer bröckelnden Ehe vergleicht, kann man sagen, dass Deutschland in den Truhen seines ungeliebten Ehemannes kramt, um die Mitgift zurückzubekommen.“

    Der Analytiker meint: „Die These von einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Berlin und Washington stößt immer wieder auf Skepsis – oder sogar auf eine aggressive Reaktion mit Gegenargumenten nach dem Motto: ‚Deutschland ist eine Kolonie und wird sowieso alles tun, was man in Washington sagt.‘ Doch die Praxis zeigt, dass diese Einschätzung falsch ist. In den letzten Jahren hat Berlin mehrmals Washingtons Pläne resolut torpediert, und zwar aus seinen eigenen Interessen.“

    Es gebe einige krasse Beispiele dafür. Die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 sei trotz der Proteste der US-Administration zustande gekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe nach Informationen der „New York Times“ und der Deutschen Welle den Nato-Beitritt Georgiens und der Ukraine in den Jahren 2008 und 2009 persönlich blockiert. Ihr Widerstand sei US-Medienberichten zufolge der Hauptgrund gewesen, warum die Administration von Barack Obama auf die Lieferungen tödlicher Waffen an die Ukraine verzichtet habe. Die deutsche Polit-Elite habe die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP vereitelt und dadurch verhindert, dass Parlamente, Gerichte und Regierungen der EU-Länder den US-Konzernen faktisch unterworfen werden, so Danilow weiter.

    „Die deutschen Eliten sollten also nicht als dumme Marionetten betrachtet werden, die sich Washington in jeder Hinsicht unterwerfen. Es kommt manchmal vor, dass Marionetten sich Klauen und Zähne wachsen lassen – besonders wenn sie leben und verdienen wollen.“ Der Analytiker betont außerdem: „Die jüngste Erklärung von SPD-Parteichef Martin Schulz, der zum Abzug der Atomwaffen aus Deutschland aufforderte, wurde von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel unterstützt.“

    Die Vorgehensweise der deutschen Elite sei leicht erklärlich, findet Danilow. Die deutsche Wirtschaft – als Grundlage des deutschen Wohlstands – erfordere einen Schutz vor US-Konkurrenten: „Mehr noch: Das deutsche Business will eine Aufrechterhaltung der Beziehungen mit Russland sowie einen Zugang zum russischen Markt und zu russischen Energie-Ressourcen – selbst wenn dies ein hartes Zerwürfnis mit den USA bedeutet.“

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    Tags:
    NATO-Beitritt, Internationale Beziehungen, Gaslieferungen, Rückkehr, Gold, Sanktionen, Nord Stream, SPD, EU, NATO, TTIP, Martin Schulz, Angela Merkel, USA, Deutschland