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18:39 18 Oktober 2019
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    KPdSU-Chef Nikita Chruschtschow (Archivbild)

    Krim-Übergabe an Ukraine: Was Chruschtschows Sohn verschwiegen hat

    © AFP 2019 /
    Politik
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    Nikita Chruschtschow hat die Halbinsel Krim 1954 allein aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus an die Ukraine verschenkt – so sieht es jedenfalls Sergej Chruschtschow, Sohn des ehemaligen KPdSU-Chefs und Professor in den USA. Was der Gelehrte in seiner Geschichte ausgelassen hat, erklärt der russische Politologe Jewgeni Ben im Sputnik-Interview.

    Seinem Vater sei es wirklich nicht darum gegangen, es ukrainischen Bürokraten rechtzumachen, als er die Krim 1954 an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übergeben habe. Diese Entscheidung sei keineswegs politisch motiviert gewesen, sagte Sergej Chruschtschow dem ukrainischen Sender „112 Ukraina“.

    Wie erklärt der heutige Professor an der Brown University die Entscheidung seines Vaters dann? Allein durch wirtschaftliche Vernunft: „Mein Vater gab die Krim der Ukraine, weil – wenn Sie sich die Karte anschauen – die Krim an die Ukraine angeknüpft ist.“ Als es dann um die wirtschaftliche Entwicklung der Krim gegangen sei, habe die zuständige Planungsstelle empfohlen, die Infrastrukturprojekte auf der Halbinsel unter einen Verantwortlichen zu stellen.

    „Also wurde die Krim an die Ukraine vergeben – so wie zahlreiche andere Regionen auch vergeben wurden“, sagte Sergej Chruschtschow.

    Der Politologe Jewgeni Ben, Leiter des Moskauer Politik-Klubs, stimmt dem Professor zunächst zu: Die Übergabe der Krim an die Ukraine durch die Russische Sozialistische Sowjetrepublik sei zu dem Zeitpunkt objektiv als eine technische Frage behandelt worden – „im Zusammenhang mit der Infrastruktur, Logistik, Energieversorgung usw.“

    US Navy im Mittelmeer (Archivbild)
    © Foto : U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class John Herman
    Doch, so der Experte weiter, habe Sergej Chruschtschow das Wichtigste verschwiegen: „Dass es ein unerhörter Bruch mit der Verfassung der Sowjetunion gewesen ist.“ Denn der Beschluss sei von Organen gefasst worden, die dazu nicht berechtigt gewesen seien – nämlich von den Präsidien der Obersten Räte der Russischen Sowjetrepublik und der UdSSR. „Sie hatten keine Rechte, das Staatsgebiet auf die Republiken umzuverteilen“, stellt der Politologe fest.

    Übrigens: Schon am nächsten Tag nach dem Interview mit dem ukrainischen Sender habe Sergej Chruschtschow einer russischen Zeitung gesagt, er unterstütze die Entscheidung der Menschen auf der Krim für die Wiedervereinigung mit Russland, erinnert der russische Politologe. „Das hatte er früher schon, gleich nach dem Referendum von 2014 erklärt“, erinnert Jewgeni Ben.

    Hintergrund:

    Das Präsidium des Obersten Rats der Sowjetunion hatte die Halbinsel Krim per Erlass vom 19. Februar 1954 aus dem Staatsgebiet der Russischen Sozialistischen Sowjetrepublik herausgelöst und an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übergeben. Begründet wurde dieser Schritt durch „die gemeinsame Wirtschaft, die territoriale Nähe und durch enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen der Republik Krim mit der UkrSSR“, hieß es im Dokument.

    Nach dem Zerfall der UdSSR bleib die Schwarzmeerhalbinsel zunächst ukrainisches Gebiet. Die Menschen auf der Krim unternahmen mehrmals den Versuch, ein Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten. Kiew wertete diese Versuche jedoch als verfassungsfeindlich.

    Nach dem Umsturz in der Ukraine im März 2014 haben sich dann 96,7 Prozent der Menschen auf der Krim und 95,6 Prozent der Einwohner Sewastopols in einem Referendum für die Wiedervereinigung mit Russland ausgesprochen. Kiew erkennt das Ergebnis dieser Abstimmung nicht an und hält Krim für ein „zeitweise besetztes Gebiet“.

    Moskau erklärte indes mehrmals, die Halbinsel Krim sei gemäß der Satzung der Vereinten Nationen und den Normen des Völkerrechts zum russischen Territorium geworden. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, die Frage der Zugehörigkeit der Krim sei „endgültig abgeschlossen“.

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    Tags:
    Interview, Geschichte, Übergabe, Nikita Chruschtschow, Ukraine, Russland, UdSSR