Widgets Magazine
11:32 22 Oktober 2019
SNA Radio
    Syrische Armee durchbricht Belagerung von Deir ez-Zor

    Deir ez-Zor: Krieg in Syrien ist fast vorbei, aber…

    © Sputnik / Kamel Saqr
    Politik
    Zum Kurzlink
    132291
    Abonnieren

    Terroristen haben die ostsyrische Stadt Deir er-Zor in eine Festung verwandelt und sich dort verschanzt. Die syrischen Regierungstruppen stürmen die IS-Festung derzeit – mit Erfolg. Doch wird der Krieg auch nach der Rückeroberung lange nicht vorbei sein, sagen Analysten im Sputnik-Gespräch.

    Die alles entscheidende Schlacht um Syrien hat begonnen. Über 100 IS-Kämpfer haben syrische Regierungstruppen in der Provinz Deir ez-Zor innerhalb von 24 Stunden mit russischer Luftunterstützung vernichtet, wie der syrische Provinzgouverneur mitteilte. Inzwischen haben syrische Panzer die IS-Blockade der Stadt durchbrochen. Die Lage entwickle sich insgesamt zugunsten der syrischen Armee, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag am Rande des BRICS-Gipfels.

    Aus drei Richtungen gleichzeitig stoßen syrische Regierungstruppen derzeit auf die Stadt Deir er-Zor in der gleichnamigen Provinz vor. Anfang August erst hat die Regierungsarmee die Kleinstadt as-Suchna 135 Kilometer südwestlich von Deir er-Zor zurückerobert – die letzte syrische Hochburg des IS.

    Seitdem kontrolliert sie eine strategisch wichtige Verkehrsader, die den Osten Syriens mit dem Westen des Landes verbindet. Von as-Suchna aus gehen die Regierungstruppen jetzt in die Offensive gegen den IS in Deir ez-Zor.

    Fregatte Admiral Essen schießt mit Kalibr-Raketen
    © YouTube / Verteidigungsministerium Russlands
    Zudem rücken die syrischen Truppen aus westlicher Richtung auf die Stadt vor. Ohne zuvor einen IS-Kessel bei Akerbat zu zerschlagen, wäre dieser Angriff heute unmöglich: Die Terroristen hätten die Regierungstruppen sonst hinterrücks überfallen können.

    Und dann bewegen sich die Regierungstruppen noch vom Norden und Nordwesten her, entlang des Euphrats auf den IS zu. Dieser Verband hat den Auftrag, Terrorgruppen zu zerschlagen, die von Raqqa aus versuchen, sich nach Deir er-Zor abzusetzen.

    Russlands Luftwaffe und Marine machen der syrischen Armee den Weg so gut es geht frei. So hat unter anderem die russische Fregatte „Admiral Essen“ Marschflugkörper vom Mittelmeer aus auf die Terroristen abgefeuert.

    Trotz dieser immensen Erfolge dürfe der Gegner nicht unterschätzt werden, warnt indes der Militärexperte Anatoli Zyganok, Leiter des Zentrums für Militärprognose. Alle drei syrischen Verbände werden ständig von den Terroristen angegriffen, die mit ihren Dschihad-Trucks in die offenen Flanken der Regierungstruppen reinfahren.

    „Deir er-Zor wird für die syrischen Truppen ein schwieriges Ziel. Offensichtlich haben sich dort die erfahrensten IS-Kämpfer verschanzt, die zudem noch am besten ausgerüstet sind“, erklärt der Militäranalyst Zyganok. „Auch kann man davon ausgehen, dass sie jene Stadtteile, die sie kontrollieren, zu wahren Festungen aufgerüstet haben.“

    Dem aber haben die Regierungstruppen etwas entgegenzusetzen. „Die syrische Armee ist nicht mehr das, was sie vor zwei Jahren war. Russische Fachleute haben in der Zeit rund 20 Brigaden in moderner Kriegsführung ausgebildet. Genau diese Verbände stürmen auch Deir er-Zor. Sie haben Aleppo hinter sich und sind erfahren im Häuserkampf und der Eroberung befestigter Gebiete“, erklärt der Experte weiter.

    Die syrischen Truppen werden also jene Strategie anwenden, die sich schon in Aleppo bewährt hat: Erst wird ein Teil der Stadt eingenommen, um dann Haus für Haus und Stück für Stück das gesamte Gebiet von den Terroristen zu befreien. Auf diese Weise kann die Rückeroberung Monate dauern: Der IS hat kein Rückzugsgebiet mehr, also werden die Kämpfer bis zum Letzten Widerstand leisten.

    Von einem baldigen Ende des Syrien-Kriegs zu sprechen, wäre also verfrüht, wie der Militäranalyst erklärt:

    „Es ist nicht anzunehmen, dass der Krieg in Syrien nach der Rückeroberung von Deir er-Zor vorbei sein wird. Schließlich gibt es noch viele Syrer, die mit dem IS sympathisieren“, gibt er zu bedenken. „Auch gibt es noch anderer Terrorgruppen. Die Gewalt wird noch in den nächsten ein bis zwei Jahren immer wieder aufflammen.“

    Rund 9.000 Kämpfer der Al-Nusra-Front versuchten, die Provinz Deir er-Zor unter ihre Kontrolle zu bringen, erklärte der russische Generalstab Ende August. Über 15.000 Al-Nusra-Kämpfer seien insgesamt in Syrien aktiv. Höchstwahrscheinlich werden sich die syrischen Regierungstruppen und die russische Luftwaffe nach der Rückeroberung von Deir er-Zor dieser Terrorgruppe annehmen.

    Zeit zu entspannen, bleibe jedenfalls nicht, sagte Andrej Koschkin, ein weiterer Militärexperte, im Sputnik-Interview: „Man darf Gebiete nicht außer Acht lassen, in denen sich die Terroristen konzentrieren. So war es mit Palmyra, als die Regierungsarmee ihre ganze Kraft auf die Befreiung Aleppos gerichtet hatte.“ Damals haben IS-Terroristen ihre Kräfte gesammelt und die Stadt erneut eingenommen.

    „Man kann also nicht sagen, dass heute alles leicht ist und man den Krieg als erledigt betrachten kann“, so der Analyst weiter. „Man muss aktiv bleiben und die Terroristen an allen Ecken am Durchbruch hindern“ – besonders dort, wo sich die „gemäßigte Opposition“ aufhalte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Syrien-Krieg treibt Nachfrage nach russischen U-Booten nach oben
    Putin: Regierungsarmee hat Lage in Syrien zunehmend im Griff – BRICS sagt Hilfe zu
    Gegen Kriegsfolgen: Russland schickt Ärzte und medizinische Ausrüstung nach Syrien
    Tags:
    Vernichtung, Folgen, Ende, Krieg, Luftstreitkräfte Russlands, IS, BRICS, Wladimir Putin, Syrien, Russland