01:10 25 November 2017
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beim Stapellauf der Korvette „Kınalıada“ in der Tuzla-Werft

    Erdogan: Europäische Staatschefs fürchten eine starke Türkei

    © AP Photo/ Presidency Press Service via AP, Pool
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    Die EU fühlt laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Unbehagen über das Stärkerwerden seines Landes und agiert daher zunehmend antitürkisch. Negative Äußerungen europäischer Staatschefs über einen Stopp der EU-Beitrittsgespräche seien für ihn daher keine Überraschung, berichtet die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ in ihrer Onlineausgabe.

    „Diese Erklärungen sind nicht die ersten. Seit 15 Jahren hören wir sie nun. Aber die Türkei ist nicht die, die sie früher war. Und im Jahr 2023 werden alle Sphären in der Türkei in einer ganz anderen Lage sein. Und genau das verursacht ihnen Unbehagen“, sagte der türkische Staatschef.

    Darüber hinaus unterstrich Erdogan, dass die wachsende „antitürkische Stimmung in Deutschland“ die gleichen Konsequenzen haben könnte wie in den Niederlanden.

    „Wie weit wird es gehen? Was werden wir bei internationalen Konferenzen in Zukunft sehen? Wird es so sein wie mit dem niederländischen Premierminister? Er kann mir nicht mehr in die Augen schauen…“, behauptete Erdogan.

    In den letzten Wochen zeigen sich immer mehr europäische Politiker ablehnend gegenüber dem Fortsetzen der Beitrittsgespräche mit der Türkei, weil sich diese immer weiter von demokratischen Prinzipien entferne.

    So erklärte der österreichische Außenminister Sebastian Kurz mit Blick auf den von der Türkei angestrebten EU-Beitritt: „Auch wenn Ankara bis zum Jahr 2023 einen EU-Beitritt anstrebt, wird das nicht stattfinden.“

    Erdogan bekommt ein Geschenk von seinen Unterstützern nach dem Türkei-Niederlande-Streit
    Erdogan bekommt ein Geschenk von seinen Unterstützern nach dem Türkei-Niederlande-Streit

     

    Auch in Deutschland äußerten Politiker ähnliche Meinungen. So merkten sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch ihr Herausforderer von der SPD, Martin Schulz, beim TV-Duell am 3. September an, dass eine Türkei mit Erdogan an der Spitze keinen Platz in der EU fände.

    Im Laufe des letzten Jahres ist es zu einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ankara und Berlin gekommen. Nach einem gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 fand im April dieses Jahres in der Türkei ein Verfassungsreferendum statt, aus dem die Anhänger des Übergangs von der parlamentarischen zur präsidialen Regierungsform als Sieger hervorgingen. Das Referendum wurde in Deutschland heftig kritisiert. Erdogan wurde vorgeworfen, die Demokratie in der Türkei abschaffen zu wollen.

    Dem folgten Auftrittsverbote für türkische Politiker in Deutschland auf der einen Seite sowie Besuchsverbote für Bundestagsabgeordnete bei den deutschen Soldaten im türkischen Konya auf der anderen.

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    Tags:
    Beitrittsverhandlungen, Recep Tayyip Erdogan, EU, Türkei