17:09 16 Juni 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivbild)

    Krim-DDR-Vergleich: Wurde Merkel von russischen Hackern beeinflusst? – Moskau

    © AP Photo / Martin Meissner
    Politik
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    Mit ihrer jüngsten Aussage über die Wiedervereinigung der Krim mit Russland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Moskau einen guten Dienst erwiesen – wenn auch ungewollt. Das meint die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. Sie warnt die Kanzlerin: Medien können sie für „gehackt“ haben.

    Sacharowa schrieb auf ihrem Facebook-Account zu Merkels Krim-DDR-Vergleich vom Wochenende:

    „Hatte sich überhaupt jemand vor ein paar Jahren vorstellen können dass die deutsche Kanzlerin das komplizierte Krim-Dilemma löst, indem sie es schlichtweg im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung erwähnt?“

    Bundeskanzlerin Merkel hatte in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) die Wiedervereinigung der Halbinsel Krim mit Russland mit der deutschen Teilung in die DDR und BRD verglichen: „Wenn ich jetzt zum Beispiel so höre, die russische Annexion der Krim müsse man einfach akzeptieren, dann überlege ich: Was wäre denn passiert, wenn man damals so mit uns in der DDR umgegangen wäre, nach dem Motto, ist ja klar, dass Deutschland geteilt bleibt, daran wird sich nichts mehr ändern.“

    Ukrainischer Präsident Petro Poroschenko
    © Foto : Ukrainian Presidential Press Service

    Ministeriumssprecherin Sacharowa erinnerte daran, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow auf der Münchner Konferenz im Jahr 2015 einen ähnlichen Vergleich gezogen hatte: Die deutsche Vereinigung sei im Unterschied zu den Krim-Geschehnissen ohne jegliche Referenden abgelaufen und Moskau habe den Willen des deutschen Volkes trotzdem befürwortet und unterstützt. Diese Worte des russischen Chefdiplomaten hätten damals aber für Unmut gesorgt.

    „Nun ist die gleichzeitige Erwähnung der Geschichte mit der Krim und der Wiedervereinigung Deutschlands wenn auch ein recht ungeschickt ausgedrückter, aber tatsächlich bestehender Standpunkt der deutschen Spitze“, betonte Sacharowa.

    Sie mache sich aber Sorgen, dass ein bestimmter Verdacht auf Merkel fallen könne, fügte sie ironisch hinzu: 

    „Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Medien morgen schreiben werden, dass ‚russische Hacker‘, die so gut als Schreckgespenster für die Deutschen dienen, diesmal nicht die Server des Wahlkampfhauptquartiers, sondern gar den Kandidaten selbst gehackt hätten. Auf jeden Fall würde sich der alte Freud über beides freuen.“

    Der FDP-Chef und Spitzenkandidat der Liberaldemokraten bei den Bundestagswahlen, Christian Lindner, hatte Anfang August in einem Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) vorgeschlagen, die Krim als „dauerhaftes Provisorium“ anzusehen und den Konflikt „einzukapseln“. Später hatte auch AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland in einem Interview für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe gefordert, die Krim als Teil Russlands anzuerkennen.

    Nach dem Staatsstreich im Februar 2014 in Kiew war es auf der Krim und im Osten der Ukraine zu Massenprotesten gekommen. Die Behörden der Krim und von Sewastopol hatten am 16. März 2014 ein Referendum zur Frage der Wiedervereinigung mit Russland durchgeführt. Für den Russland-Beitritt stimmten 96,7 Prozent bzw. 95,6 Prozent der Bürger. Die Ukraine, die EU und die USA wollen die Resultate des Referendums nicht anerkennen. Moskau erklärte mehrmals, dass der Beitritt der Region in strikter Übereinstimmung mit völkerrechtlichen Normen erfolgt war.

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    Tags:
    Maria Sacharowa, Angela Merkel, Krim, Deutschland, Russland