11:09 23 September 2017
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    Kronprinz Saudi Arabiens und Chef des Verteidigungsministeriums Mohammed bin Salman (sitzt) zusammen mit seiner Delegation (Archivbild)

    "Ungeheurer Wandel" - Man erkennt Nahost bald nicht mehr wieder

    © Sputnik/ Aleksej Druzhinin
    Politik
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    Der Nahe Osten bleibt auch nach dem Krieg in Syrien ein Pulverfass, wie die russische Zeitschrift „Expert“ schreibt. Bald werde die Region aber nicht mehr zu erkennen sein, prophezeit der israelische Premier Netanjahu. Ein Waffengang zwischen Israel und der Hisbollah bahnt sich nämlich an – und es schlägt die Stunde der Saudis.

    Beispiellos sei das, was heute zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn passiere, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der Zeitung „Jerusalem Post“ letzten Mittwoch.

    „Das gab es selbst dann nicht, als wir Friedensabkommen und —verträge unterzeichneten. Ein ungeheurer Wandel ist im Gange. Die ganze Welt verändert sich“, sagte der Premier.

    Diese vielsagende Erklärung hatte Benjamin Netanjahu abgegeben, bevor am Tag darauf im israelischen Rundfunksender „IBC“ eine sensationelle Meldung kam: Der saudische Kronprinz sei zu einem Geheimbesuch in Tel Aviv gewesen, um mit israelischen Amtsträgern die Stärkung des Friedens in der Region zu besprechen, meldete der Sender.

    Nun muss man wissen: Saudi-Arabien hat die Existenz des israelischen Staates bislang nicht anerkannt und unterhält mit Tel Aviv keinerlei diplomatische Beziehungen. Doch haben Saudi-Arabien und Israel gemeinsame Interessen – besser gesagt: Einen gemeinsamen Feind.

    Eine Freundschaft – gegen wen?

    Der Nahe Osten ist in der Tat im gewaltigen Umbruch. Der Krieg in Syrien wird wohl leider nicht der letzte Feldzug in dieser hochexplosiven Region bleiben. Dieser und auch künftige Konflikte sind Teil eines Machtkampfes zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die Vorherrschaft in der Region.

    Und in diesem Machtkampf führt Teheran, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Saudis. Riad hat es bislang nicht geschafft, seinen Widersacher zu bezwingen. Weder in Syrien, wo die Hisbollah – Irans größter Verbündeter – eine maßgebende Rolle spielt. Noch in Jemen, wo die zahlenstarke, von den Saudis geführte Sunniten-Koalition mit den Huthi-Rebellen nicht fertigwird.

    Ein direkter bewaffneter Konflikt zwischen den beiden Großmächten der Region konnte bislang jedenfalls vermieden werden. Nur auszuschließen ist er nicht. Da möchte Riad nicht nur seinen Gegner direkt, sondern auch dessen Verbündete größtmöglich schwächen – allen voran natürlich die Hisbollah.

    Die Saudis beherrschen es ja, die Kohlen mit fremden Händen aus dem Feuer zu holen. Die Hauptrolle bei der Beseitigung der Hisbollah kommt daher Israel zu, wobei Tel Aviv gegenüber dem Iran nicht besser gesinnt ist als die Saudis selbst. Kurzum: Eine Grundlage für die Annäherung der Golfmonarchie mit den Israelis – vor zehn Jahren noch Erzfeinde – ist offenkundig gelegt. Politik as usual eben.

    Dazu passt auch die Meldung über den ranghohen Besuch aus Riad. Auch die arabische Onlineplattform „IUVM Online“ meldete: In Tel-Aviv sei kein geringerer gewesen als der Kronprinz Mohammed bin Salman, Chef des saudischen Verteidigungsministeriums.

    Das Portal berief sich dabei auf einen nachrichtendienstlichen Offizier der Vereinigten Arabischen Emirate. Dieser soll jedoch gesagt haben, der saudische Kronprinz und Verteidigungsminister habe in Tel-Aviv die Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen Israel und Palästina erörtern wollen, die wiedermal ins Stocken geraten seien.

    Dass Mohammed bin Salman tatsächlich in Israel gewesen ist, kann nicht ausgeschlossen werden, ist der Kronprinz doch für seine entschiedenen Geschäftspraktiken bekannt. Doch erscheint diese Möglichkeit eher als unwahrscheinlich: Der König Salman hätte auch jemand anderen aus seiner zahlreichen Familie nach Israel entsenden können, um einen Pakt gegen den Iran auszuhandeln.

    Die Außenministerien beider Länder haben diese Meldung jedenfalls nicht kommentiert. Und vom israelischen Premier war nur jene vielsagende Erklärung zu vernehmen, die er im Vorfeld des saudischen Besuchs abgegeben hatte.

    Es war indes nicht das erste Mal, dass Netanjahu von Durchbrüchen in den arabisch-israelischen Beziehungen sprach. Einer Antwort auf die Frage, was er damit konkret meine, ist er jedoch immer wieder ausgewichen.

    So viel steht momentan fest: Diplomatische Beziehungen mit arabischen Ländern unterhält Tel-Aviv derzeit nur mit Ägypten und Jordanien. Der Friedensvertrag mit Kairo ist 1979 geschlossen worden, jener mit Amman im Jahr 1994. Alle anderen arabischen Staaten – einschließlich Saudi-Arabiens – sind mit Israel in einem Handelskrieg, jedenfalls offiziell.

    Aber wie sagte der israelische Premier doch gleich: „Ein ungeheurer Wandel ist im Gange. Die ganze Welt verändert sich.“

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    Tags:
    Verhandlungen, Besuch, geheim, Gründung, Allianz, Internationale Beziehungen, Mohammed bin Salman al-Saud, Benjamin Netanjahu, Nahost, Jemen, Syrien, Israel, Iran, Saudi-Arabien
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