07:40 11 Dezember 2019
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    Gregor Gysi (Archivbild)

    „Auch in Opposition die Welt verändern!“ – Gysi erklärt, warum er wieder kandidiert

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
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    Gregor Gysi (Linke) hat bei einem Wahlkampfauftritt in Berlin-Neukölln angekündigt, wieder für den Bundestag zu kandidieren. Als MdB sei es einfacher, seine Funktion als Präsident der Europäischen Linken auszufüllen. Eine Regierungsbeteiligung in Form einer rot-rot-grünen Koalition wollte Gysi nicht ausschließen.

    Gregor Gysi hat richtig Lust, sich wieder aktiv im Bundestag zu beteiligen – das war bei seiner Wahlkampfrede am vergangenen Samstag in Berlin-Neukölln deutlich zu merken. In gewohnt bissiger und zugleich humorvoller Art sprach der Politiker vor dem im Nieselregen ausharrenden Publikum in seiner fast einstündigen Rede diverse Kernpunkte der linken Politik an, von sozialer Gerechtigkeit über Russland und bis hin zu Europa.

    Eine mögliche Regierungsbeteiligung schloss Gysi nicht aus.

    „Regierungsbeteiligung — das ist in meiner Partei ja auch so ein spannendes Thema. In Wirklichkeit geht es um Regierungsverantwortung. Wenn man sich zur Wahl stellt, muss man zu beidem bereit sein: Zur Opposition und zur Regierungsverantwortung. Nun sagen aber viele: Dann passt ihr euch so an, dann werdet ihr so komisch, dann seid ihr nicht mehr kenntlich. Ich sage: Das kann alles passieren, dann dürft ihr uns beim nächsten mal eben nicht mehr wählen, ganz einfach! Abgesehen davon kannst du aber auch in Opposition die Welt verändern.“

    Alle Schritte, die in einer Koalition vereinbart würden, müssten in die richtige Richtung gehen, so Gysi.

    „Die Schritte können nur kürzer sein, als du sie dir vorgestellt hast. Wer nicht kompromissfähig ist, ist nicht demokratiefähig. Und wer zu viele Kompromisse macht, gibt seine Identität auf. Wenn es scheitert, dann soll es an den Sozis und den Grünen scheitern, aber nicht an uns. Aber wenn wir dabei prinzipienlos werden, dann bin ich der Erste, der das kritisiert.“

    Als er 2005 das erste Mal in Treptow-Köpenick gewählt worden sei, hätten die offiziellen Stellen gedacht, das sei ein Versehen gewesen, lacht Gysi. Seitdem habe man sich nach und nach an ihn gewöhnt.

    „2009 war ich so halb anerkannt und 2013, als ich wiedergewählt wurde, war der Durchbruch. Da haben sie mir geschrieben: Nun haben wir uns an Sie gewöhnt, jetzt dürfen Sie auch nicht wieder aufhören. Das hat mir eingeleuchtet.“

    Ein weiterer Grund für seine erneute Kandidatur sei, dass es als Privatmann wesentlich schwieriger sei, die Position als Präsident der Europäischen Linken auszufüllen, denn als Bundestagsabgeordneter.

    „Der dritte Grund ist folgender: Wenn es wirklich irgendwann zu einer Regierung aus SPD, Grünen und Linken kommen sollte, dann ist doch mein unerbetener, störender, nervender permanenter Ratschlag aus unmittelbarer Nähe dringend erforderlich!“

    Ilona Pfeffer

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