03:09 14 Dezember 2017
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    Heiner Geißler (Archivbild)

    "Freigeist" und "kluger Analytiker" - Bundespolitik trauert um Heiner Geißler

    © REUTERS/ Alex Domanski
    Politik
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    Es ging ein Ruck durch das politische Berlin: Der CDU-Politiker und streitbare ehemalige Bundestagsabgeordnete Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Quer durch die Parteienlandschaft war das Echo groß, denn Geißler war quer durch alle Fraktionen eine angesehene und durchaus auch kontrovers diskutierte Persönlichkeit.

    Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Er starb nach Angaben seines Sohnes nach schwerer Krankheit zu Hause im pfälzischen Gleisweiler im Kreis seiner Familie.

    Doch was zeichnete Geißler aus, dass nun nahezu alle Parteien sein politisches Lebenswerk würdigen? Der Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke, Matthias Höhn erklärte dazu:

    „Heiner Geißler war ein streitbarer Politiker, der das C im Namen seiner Partei ernst genommen hat. Seine Offenheit für gesellschaftliche Entwicklungen hat ihn von einem Generalsekretär der CDU, der kräftig austeilen konnte, zum Mitglied von Attac und Kritiker der Auswüchse des Neoliberalismus werden lassen.“

    Weiter erklärte Höhn, Geißlers Freude am Diskurs und seine Bereitschaft, Argumente anderer gelten zu lassen, hätten ihn oftmals zum Vermittler in gesellschaftlichen Konflikten wie etwa bei Stuttgart 21 oder bei Tarifschlichtungen gemacht:

    „Die Bundesrepublik verliert mit ihm eine Persönlichkeit, die mit Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit der Politik ihren Stempel aufdrückte.“

    Geißler war von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Von 1977 bis 1989 war er Generalsekretär der CDU neben dem CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl, dem er oft Kontra geboten hat. Geißler war der Generalsekretär mit der längsten Dienstzeit, führte drei Bundestagswahlkämpfe für die CDU und war der bisher einzige, der neben seiner Aufgabe als Generalsekretär ein Amt als Bundesminister bekleidete. Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zeigt sich betroffen:

    „Mit Heiner Geißler verliert Deutschland eine einzigartige politische Persönlichkeit, einen streitbaren Geist und klugen Analytiker der Bonner und der Berliner Republik. Mit seinem langjährigen öffentlichen Wirken hat er die bundesrepublikanische Demokratie mitgeprägt.“

    Nach seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag 2002 beschäftigte sich Heiner Geißler mit grundlegenden Fragen der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Das weiß auch Martin Schulz zu würdigen:

    „Ethische Fundamente — so seine Forderung — sollten stets zur Grundlage politischer Entscheidungen gemacht werden. Für ihn war die Soziale Marktwirtschaft die beste Erfindung, die es im Nachkriegsdeutschland gegeben hat.“

    Das Verhältnis der SPD zu Heiner Geißler war bei weitem nicht immer das Beste. Oftmals provozierte der CDUler so permanent, dass sich einst Willy Brandt zu dem Urteil hinreißen ließ, Geißler sei seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land. Doch die politischen Ansichten Geißlers änderten sich mit der Zeit.

    Mit 77 Jahren gelang Geißler noch einmal eine Provokation:  Er schloss sich der Protestbewegung Attac an — zum Entsetzen seiner alten Parteifreunde. Fortan kritisierte Geißler die Auswüchse des Kapitalismus: Jahre vor der Bankenkrise forderte er  mehr Kontrolle, eine strengere Aufsicht. Zum Tod Geißlers erklärte die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt:

    "Mit Heiner Geißler verlieren wir einen echten Freigeist, der zu seiner politischen Haltung immer auch gegen Widerstände stand. Wir Grüne hatten es nicht immer leicht mit ihm, doch mit dem Alter wurde Heiner Geißler versöhnlicher.“

    Geißler wurde einer der engagiertesten Kapitalismuskritiker in der Bundesrepublik und gewann damit den Respekt und die Anerkennung seiner früheren politischen Gegner. Vor wenigen paar Tagen hatte sich er sich aus einer Klinik, in der er wegen einer schweren Erkrankung lag, nach Hause bringen lassen. Dort verstarb er am Dienstagmorgen im Alter von 87 Jahren.

    Marcel Joppa

    Tags:
    Politiker, Tod, CDU/CSU, Marcel Joppa, Heiner Geißler, Deutschland
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