10:49 21 September 2017
SNA Radio
    USA (Symbolbild)

    „Das Ende der amerikanischen Supermacht“ – Medien

    © AP Photo/ Rodrigo Abd
    Politik
    Zum Kurzlink
    2267411626

    Die USA sind nicht mehr eine Supermacht, die der ganzen Welt ihre Bedingungen diktieren kann. Diese Schlussfolgerung hat der Journalist der französischen Zeitung „Le Figaro“, Renaud Girard, nach der Verhängung der jüngsten UN-Sanktionen gegen Nordkorea gezogen.

    Ihm zufolge waren die USA nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der UdSSR moralisch, kulturell, diplomatisch, finanziell und militärisch so stark, dass sie der ganzen Welt ihre Regeln diktieren konnten. Besonders deutlich hatte das der Kosovo-Konflikt 1999 gezeigt, als die USA ohne eine entsprechende UN-Sanktion von Serbien eine Provinz abgetrennt und zu einem unabhängigen Staat gemacht hatten. Niemand habe dabei gewagt, sich offen dagegen auszusprechen.

    Mehr zum Thema: Im Nordkorea-Poker gegen USA: „Die Chinesen haben den Verdacht, dass…“

    Die Situation habe sich aber geändert. Den Schluss zog Girard daraus, dass die USA es nicht geschafft hatten, in der nordkoreanischen Frage ihren Willen zu diktieren.

    „Dieser Montag, der 11. September, ist als der Tag in die Geschichte eingegangen, der einen kompletten Niedergang des amerikanischen Einflusses auf den Fernen Osten bedeutet“, schreibt der Journalist.

    Als US-Präsident Donald Trump zur Macht gekommen war, behauptete er, dass die USA es nicht zulassen würden, dass Pjöngjang interkontinentale Raketen baue, die Amerika erreichen können. Dennoch gehe Nordkorea nach wie vor seinen Weg und starte immer neue Tests.

    US-Veteran (Archivbild)
    © Foto: DoD photo by Senior Airman Daniel Hughes, U.S. Air Force

    Als Antwort darauf wollten die USA dem UN-Sicherheitsrat einen Gesetzentwurf mit harten Sanktionen gegen Nordkorea vorlegen, aufgrund der Veto-Gefahr seitens Chinas und Russlands milderten sie aber die Maßnahmen beträchtlich. Der Punkt über ein Erdöl-Embargo musste beispielsweise gestrichen werden.

    „Die Unfähigkeit der USA, das nordkoreanische Regime zum Verzicht auf Kernwaffen zu zwingen, ist kein Ausnahmefall. Er steht auf einer langen Liste geopolitischer Niederlagen, die die USA von dem Supermacht-Podest gestürzt haben“, so Girard.

    Das letzte Mal als die USA ihre Bedingungen stellen konnten, war laut „Le Figaro“ im Jahr 2003, als sie Saddam Hussein im Irak entmachtet hatten. Das sei eine irrationale und gedankenlose Reaktion auf die Terrorakte vom 11. September gewesen. In der Politik könne Irrationalität das Ansehen sowie die entsprechende Machtposition gefährden.

    Mehr zum Thema: „Trump zerstörte den Vertrag der Eliten“: Revolution in USA unvermeidlich

    Zu weiteren Misserfolgen der USA zählt Girard deren Politik in Zentralasien, wo die USA zu viel Nachsicht mit Pakistan hatten, was zu einer Stärkung der Taliben in Afghanistan geführt habe. An Russlands Grenzen seien die USA ebenso gescheitert, als sie Revolutionen in Georgien und in der Ukraine unterstützt hätten, ohne Moskaus Reaktion zu erahnen. Die USA hätten sich in Syrien um die Abdankung des Präsidenten Baschar al-Assad bemüht, der dennoch Verbündete finden und an der Macht bleiben konnte.

    „In diesem großen Spiel gibt es nichts Schlimmeres, als eine ‚falsche Härte‘ – das Benehmen eines Gendarmes, der mit und ohne Anlass droht, aber nie bestraft“, so Girard.

    In der Geopolitik sei es besser, seine Absichten zu verbergen, wenig zu reden, so wenig wie möglich zu versprechen, schnell zu handeln und die Gegner vor vollendete Tatsachen zu stellen.

    Zum Thema:

    Darum nennt russischer Sicherheitspolitiker die USA „verlierende Supermacht“
    Vereint gegen den US-Imperialismus - "Wer stoppt Frau Merkel?"
    USA wollen Nordkoreaner erfrieren lassen
    „Lieber eine Million tote Nordkoreaner als Tausend tote Amerikaner“ – US-Experte
    Tags:
    Geopolitik, Politik, Macht, Le Figaro, UN-Sicherheitsrat, UN, Donald Trump, USA, Kosovo, Serbien, Afghanistan, Irak, China, Russland, Syrien, Nordkorea
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren