20:39 18 November 2017
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    Wladimir Putin und Angela Merkel bei G20-Gipfel in Hamburg (Archivbild)

    „Focus“ beleidigt Putin – Leser: „Das war kein Journalist, der das geschrieben hat“

    © REUTERS/ Kai Pfaffenbach
    Politik
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    Der „Focus“ schreibt wörtlich über Angela Merkel: „Sie hat zwar Angst vor Putins Hund, aber keine Angst vor dem Hund Putin.“ Nach der Beleidigung des russischen Staatspräsidenten rudert nun die Redaktion des Magazins zurück. „Zeile war ironisch gemeint“, so die Pressestelle gegenüber Sputnik.

    „Einfach den Präsidenten eines anderen Landes als Hund zu bezeichnen, das geht nicht“, erklärte Stammleser Franco de Leonardes aus Bayern im Sputnik-Interview. Der „Focus“ sei „ja keine Satirezeitschrift.“ Seit Jahren lese seine Familie das Magazin. Ein Internet-Post von ihm fiel nun auf: „Niveauabsturz. Einfach unglaublich. Meine Abokündigung ist raus. Komplexes Politiktheater sehr gerne, aber sowas ist nur noch lächerlich.“ So lautete sein Kommentar am Dienstag auf der Sozialen-Medien-Plattform Facebook. „Das war für mich kein Journalist, der das geschrieben hat.“

    „Focus“ zu Sputnik: „Alles nur Ironie“

    Die Pressestelle des „Focus“ erklärte auf Sputnik-Anfrage:

    „Bei der Formulierung war es nicht unsere Absicht, eine Beleidigung oder Herabwürdigung auszusprechen. Vielmehr ging es in erster Linie um ein ironisch gemeintes Wortspiel. Die Bezeichnung  ‚Hund‘ ist gleichbedeutend mit harter Hund oder harter Kerl zu sehen. Leider lässt sich die Ironie unserer Zeile offenbar nicht adäquat ins Russische übertragen.“

    Das teilte Alice Wagner, Focus Pressesprecherin vom Burda-Verlag, mit. Zuvor hatte die Botschaft der Russischen Föderation den „Focus“-Chefredakteur aufgerufen, sich für den Fehlgriff seiner Redaktion zu entschuldigen.

    „Der Chefredakteur von FOCUS Magazin, Robert Schneider, hat sich zeitnah zurückgemeldet, wofür ich mich bei ihm bedanke“, teilte Denis Mikerin, Pressesprecher der russischen Botschaft in Berlin, am Mittwochabend mit. Dennoch könne die Botschaft der „Interpretation nicht zustimmen. Zumindest weil die von Ihnen aufgeführte Bezeichnung ‚harter Hund‘ im erwähnten Satz des Titelartikels einfach fehlt. Wir möchten davon ausgehen, dass es in der Tat nicht Ihre Absicht war, eine Beleidigung oder Herabwürdigung auszusprechen, aber es ist gerade das, was daraus gekommen ist.“ Die Formulierung selbst lasse einfach keine Zweifel zu. „Deutsch ist keine Muttersprache für uns, deswegen haben wir das Wort im Duden-Wörterbuch nachgeschaut.“ Ergebnis: Hund bedeute Hund. „Das, was Sie als ‚ironisches Wortspiel‘ bezeichnen, wird als klare Beleidigung auch in Deutschland und von den Deutschen betrachtet. In den aktuellen turbulenten Zeiten, auch für die deutsch-russischen bilateralen Beziehungen, ist es besonders wichtig, sich jedes ausgesprochene Wort sehr gut zu überlegen.“

    Am Mittwochnachmittag warf der Kreml dem Magazin „Subjektivität und Russophobie“ vor.

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit ex-„Focus“-Leser Franco de Leonardes zum Nachhören:

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    Tags:
    Antwort, Beleidigung, Hund, Interview, Focus, Wladimir Putin, Deutschland, Russland
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