09:08 21 November 2017
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    Karlheinz Essig im Betriebswerk von Edelstein Rossweg

    Unternehmer startet Petition im Bundestag zur Aufhebung der Russland-Sanktionen

    © Foto: Edelstahl Rosswag
    Politik
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    Der Seniorchef eines Stahlunternehmens in Süddeutschland hat im Bundestag eine Petition zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland eingereicht. Der Unternehmer warnt davor, dass die Sanktionen der deutschen Wirtschaft schaden. Er hält die Zusammenarbeit mit Russland für unverzichtbar. Die Petition läuft noch bis zum 25. September.

    Karlheinz Essig war über 30 Jahre Geschäftsführer der Firma Edelstahl Rosswag im Landkreis Karlsruhe. Rosswag ist die größte Freiformschmiede in Süddeutschland und blickt auf eine über 100jährige Firmengeschichte zurück. Die Schmiedemeister pflegen das traditionelle Handwerk und stellen Klöppel aus Spezialstahl für die größten Glocken der Welt her, unter anderem für den Kölner Dom, die Dresdner Frauenkirche oder den Kaiserdom zu Speyer. Aber das Unternehmen geht auch mit der Zeit und schmiedet High-Tech-Komponenten für die Raumfahrt. Bauteile, die bei Rosswag hergestellt werden, finden sich im Intercity-Express (ICE) der Deutschen Bahn, in der Ariane-Rakete der ESA oder im neuen Airbus A380.

    Karlheinz Essig hat 2001 das Bundesverdienstkreuz erhalten und vor einigen Jahren die Geschäftsführung an seinen Sohn übertragen. Trotzdem ist der 77jährige noch immer als Seniorchef im Dienst der Firma unterwegs. Diese hat seit Jahrzehnten über Zulieferbetriebe Geschäftsbeziehungen zu Russland. Das Unternehmen hat Teile für Gas- und Wasserturbinen an Firmen wie Siemens geliefert, die insbesondere im Energiebereich Zulieferer nach Russland sind. Durch die Sanktionen ist dieser Bereich zum größten Teil weggebrochen. Der Ausfall beläuft sich. laut Essig, auf mehrere Millionen Euro.

    Der Unternehmer engagiert sich seit Jahren in der Freundschaftsgesellschaft Karlsruhe-Krasnodar. Dort werden im Rahmen der Städtepartnerschaft der Stadt in Baden und ihres Partners in Südrussland russische Filmtage, Konzerte, Sportveranstaltungen, Bürgerreisen, Schüler-, Studenten- und Ärzteaustausche sowie Qualifizierungsprogramme für Handwerker organisiert. Essig meint im Sputnik-Interview: „Der Austausch mit Russland funktioniert hervorragend. Nur so langsam werden unsere Partner in Krasnodar etwas nervös. Da bricht Vertrauen weg.“ Demnächst reist Essig selbst wieder nach Krasnodar. Es wird doch auch Geschäftsgespräche mit der deutschen Firma Claas geben, die in Russland sehr aktiv ist.

    „Ich hab meinen Vater im Krieg in Russland verloren. Aber irgendwann sollte man das vergessen. Wir hatten immer gute Beziehungen zu Russland. Deswegen sehe ich das überhaupt nicht ein, dass wir jetzt mit den Sanktionen so einen Hemmschuh haben“, so Essig.

    Nicht nur die Firma Rosswag wird durch die Sanktionen geschädigt. Seniorchef Essig wollte seine Kontakte aus der Freundschaftsgesellschaft auch für Wirtschaftsbeziehungen nutzen und hatte 2013 ein Wirtschaftsforum in der Firma Rosswag organisiert:

    "Da waren 50 Firmen anwesend, die Geschäfte mit Russland machen wollten. Wir haben dazu die Bürgermeister von Krasnodar und Karlsruhe eingeladen. Und dann kamen die Sanktionen und alles wurde über den Haufen geworfen. Die Leute trauten sich dann nicht mehr, Geschäfte mit Russland zu machen", so Essig.

    So kam Essig auf die Idee, eine Petition zur Aufhebung der Russland-Sanktionen im Bundestag einzureichen. In der Begründung der Petition heißt es:

    „Die von der EU gegen Russland verhängten und mehrfach verlängerten Wirtschaftssanktionen sind ihrem politischen Ziel nicht näher gekommen. Die wirtschaftlichen Folgen – auch im Zusammenhang mit den Gegenmaßnahmen Russlands – werden dagegen, gerade für die deutsche Seite, immer deutlicher.

    In politischer Hinsicht schaden die seitens der EU verhängten Sanktionen gegen Russland der internationalen Zusammenarbeit mehr denn je. Gerade Deutschland hat hier aber eine besondere Verantwortung, die Beziehungen zu Russland nicht zu belasten, sondern positiv zu gestalten.”

    Der Unternehmer hat die Petition allerdings persönlich und nicht als Seniorchef von Rosswag gestartet. Als Essig die Petition im Frühjahr einreichte, wurde sie erst einmal angelehnt. Erst nachdem der bekannte Geschäftsmann Widerspruch einlegte, wurde das Thema noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt und auf der Internetseite des Bundestages veröffentlicht. Essig wirbt derzeit um Unterstützung für seine Petition und hat an viele Institutionen und Firmen geschrieben. Während die meisten den Ansatz der Petition unterstützen, wollen sie doch erst einmal nichts unternehmen, sei es aus politischer Einschüchterung oder aus Unsicherheit, so Essig.

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    Die Sanktionen wurden von der EU und Deutschland im Zusammenhang mit den Unruhen in der Ostukraine verhängt. Eine Aufhebung ist an den Erfolg des Friedensabkommens Minsk II gekoppelt. Essig hält nichts davon, Politik und Wirtschaft zu vermischen. Er ist der Meinung, dass die Aufhebung der Sanktionen an keine Bedingungen geknüpft sein sollte. Neben Minsk II sollte auch die Krim hierbei keine Rolle spielen, so Essig. Der Unternehmer meint, gerade jetzt, wo die USA die Handelsbeziehungen möglicherweise einschränken wollen, muss Deutschland nach anderen Märkten suchen:

    "Deutschland kann es sich überhaupt nicht leisten, auf die Zusammenarbeit mit Russland zu verzichten. Und die Menschen in Russland wiederum schätzen die Qualität deutscher Produkte."

    Angesprochen darauf, dass seine Partei, die CDU, die Sanktionen maßgeblich mit beschlossen hat, lässt sich Essig nicht einschüchtern:

    „Ich bin Ehrenvorsitzender der CDU hier. Ich war Gemeinderat und Kreisrat und habe auch das Bundesverdienstkreuz bekommen. Aber das hindert mich nicht, meine Meinung zu vertreten. Die sollen mal wagen bei der CDU mich rauszuschmeißen. Das wird wohl nicht funktionieren.“

    Die Petition zur Aufhebung der Russland-Sanktionen im Bundestag kann noch bis zum 25.9. mit Klarnamen oder anonym hier unterzeichnet werden.

    Armin Siebert

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Start, Aufhebung, Petition, Sanktionen, Deutsche Bahn, ESA, Bundesregierung, Bundestag, Armin Siebert, Deutschland, Russland
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