09:47 23 April 2018
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    Der Raketenstart im südkoreanischen Fernsehen, 8. Juni, 2017 (Archivbild)

    Pjöngjang unternimmt neuen Raketenteststart

    © REUTERS / Kim Hong-Ji TPX IMAGES OF THE DAY
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    Der japanische TV-Sender NHK hat am Freitag den Start einer neuen nordkoreanischen Rakete gemeldet und die Bevölkerung mehrerer Präfekturen im Nordosten des Landes aufgefordert, sich in die Schutzräume zu begeben.

    Wie der Generalsekretär der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, erklärte, hat die Rakete japanisches Territorium überflogen und war in 2000 Kilometer Entfernung vom Kap Erimo (Hokkaido) im Meer niedergegangen.

    Die von der DVRK gestartete Rakete hat von 07:04 bis 07:06 Uhr (00:04 bis 00:06 Uhr MESZ) das Territorium Japans überflogen und war 2000 Kilometer entfernt vom Kap Erimo (Hokkaido) niedergegangen“, sagte er auf einer Pressekonferenz.

     „Bislang haben wir keine Informationen über irgendeinen Schiffen und Flugzeugen zugefügten Schaden. Es gibt auch keine Informationen über die Entdeckung von auf unser Territorium gefallenen Raketenfragmenten“, erklärte Yoshihide Suga.

    Südkoreanische Rakete „Hyunmoo —2“

    Südkorea hat seinerseits sofort nach dem Bekanntwerden des Raketenstarts in Nordkorea eine eigene ballistische Rakete „Hyunmoo-2“ gestartet, wie am Freitag die Nachrichtenagentur Yonhap unter Verweis auf das Komitee der Stabschefs der südkoreanischen Streitkräfte meldete.

     „Unsere Streitkräfte haben gleichzeitig mit dem Raketenstart in Nordkorea den Start einer ‚Hyunmoo-2‘ in Richtung des Japanischen Meeres vorgenommen“, zitiert die Agentur eine Erklärung des Komitees.

    Seinen Angaben zufolge ist die südkoreanische Rakete 250 Kilometer geflogen, d.h., dass sie eine ebensolche Entfernung zurückgelegt hat wie bis zum Ort des Raketenstarts in der DVRK im Raum des Pjöngjanger Flughafens Sunan.

    Flug über 3700 Kilometer

    Die neue Rakete der DVRK sei 3700 Kilometer weit geflogen und habe dabei eine maximale Flughöhe von 770 Kilometer erreicht, teilten südkoreanische Militärs mit.

     „Die nordkoreanische Rakete hat bei maximaler Flughöhe von 770 Kilometern eine Entfernung von 3700 Kilometern bewältigt“, zitiert die Agentur Yonhap die Erklärung des Komitees der Stabschefs der südkoreanischen Streitkräfte.

    Angaben des Pentagons

    Das US-Militär meint, dass Pjöngjang eine ballistische Mittelstreckenrakete gestartet habe, hieß es am Donnerstag aus dem Pentagon.

    „Das Pazifik-Kommando der US-Streitkräfte hat fixiert und verfolgt, was wir als einen Start einer ballistischen Rakete der DVRK einschätzen. Erste Einschätzungen zeigen, dass es der Start einer ballistischen Rakete mittlerer Reichweite gewesen ist“, heißt es in einer Erklärung des Sprechers des Pazifik-Kommandos der US-Streitkräfte, Dave Benham.

     „Wir fahren fort, die Aktivitäten der DVRK aufmerksam zu verfolgen“, so Benham. Er verwies zudem auf die Bereitschaft der USA, sich selbst und die Bündnispartner vor Provokationen zu schützen.

    Sanktionen gegenüber Nordkorea

    Pjöngjang hatte am 3. September den erfolgreichen Test eines Wasserstoff-Gefechtskopfes bekannt gegeben, der für interkontinentale ballistische Raketen bestimmt ist. Japanische und südkoreanische Militärs schätzten dessen Sprengkraft auf 120 bis 160 Kilotonnen TNT, was ein Mehrfaches der Sprengkraft der 1945 von den USA auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben ist. Es handelte sich um den sechsten Nukleartest, den Pjöngjang durchgeführt hat. Eine Woche zuvor hatte in Nordkorea der Teststart einer ballistischen Rakete stattgefunden, die  japanisches Territorium überflogen hatte.

    Der UN-Sicherheitsrat hat daraufhin einstimmig neue Sanktionen gegen Pjöngjang beschlossen, die die Export- und Importmöglichkeiten des Landes wesentlich einschränken. Die Resolution 2375 hat somit das im 21. Jahrhundert bisher strengste UN-Sanktionsregime festgelegt.

    Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, erklärte seinerseits, dass eine militärische Regelung der Krise um Nordkorea einer Katastrophe gleichkäme und man politische Wege zur Regelung der Situation suchen müsse.

    „Wir müssen die Nuklear- und Raketentests der DVRK hart verurteilen, wobei das klare Ziel der atomwaffenfreie Status der Korea-Halbinsel ist, aber zugleich muss uns klar sein, dass eine militärische  Regelung eine Katastrophe sein wird. Wir müssen alles tun, um Bedingungen für eine diplomatische Initiative und eine politische Lösung zu schaffen“, sagte Guterres.

    Pjöngjang versprach „Schmerz und Leid“

    Pjöngjang vermutet, dass die Sanktionen und der Druck seitens der USA in eine „äußerst irrsinnige Phase“ übergehen, und warnt, dass das Land zu beispiellosen Maßnahmen bereit sei, heißt es in einer Erklärung, die auf der Website der Zentralen Koreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht wurde.

    Nordkorea meint, die USA würden den UN-Sicherheitsrat manipulieren, um die Sanktionen gegen das Land wegen des Tests des Wasserstoff-Gefechtskopfes zu verschärfen.

    Wie aus Pjöngjang verlautete, verfolge man dort aufmerksam die Aktivitäten der USA und sei zu einer Abwehr bereit. „Die künftigen Maßnahmen, die die DVRK ergreifen wird, werden solchen großen Schmerz und großes Leid für die Vereinigten Staaten nach sich ziehen, wie es sie in ihrer Geschichte nie erlebt haben“, heißt es in der Mitteilung.

    Es wird unterstrichen, dass die USA, um einer vollen Vernichtung zu entgehen, die politische, wirtschaftliche und militärische Konfrontation mit Nordkorea einstellen müssten.

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    Tags:
    Raketenstart, Pentagon, Südkorea, Nordkorea
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