11:46 19 August 2018
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    Russlands Luftwaffe in Hmeimim in Syrien

    Warum Russlands Einsatz in Syrien ein Erfolg ist – französischer Militärexperte

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    Russlands Einsatz in Syrien ist trotz der Bemühungen der USA, ihn als Wiederholung der sowjetischen Negativerfahrungen in Afghanistan darzustellen, zu einem Triumph geworden. Dies schreibt der Militärhistoriker Michel Goya, Oberst a.D., in einem Gastbeitrag für die französische Zeitung „Le Monde“.

    Das Ziel, das sich Moskau gesetzt habe, sei erreicht worden: Die ernsthaft bedrohte syrische Regierung von Präsident Baschar Assad sei gerettet worden. Außerdem sei es gelungen, den Kampfgeist der syrischen Regierungsarmee wiederzubeleben und den Vormarsch der Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) einzudämmen. 

    „Es ist noch ein langer Weg bis zum Kriegsende, doch die Lage ist so, dass Baschar Assad ihn nicht mehr verlieren kann“, so Goya. 

    Darüber hinaus gibt es ihm zufolge einen weiteren „unbestreitbaren positiven Aspekt“: Der Erfolg sei mit beschränkten Ressourcen erreicht worden. Moskau habe 4.000 bis 5.000 Menschen und 50 bis 70 Flugzeuge eingesetzt. „Seine Ausgaben für den Krieg machten nicht mehr als drei Millionen Euro pro Tag aus. Das ist vier bis fünf Mal weniger als die Amerikaner ausgeben“, heißt es weiter. 

    Russische Mittel seien dabei „massiv, unerwartet und komplex“ eingesetzt worden. Es habe hier keine vorlaufenden Erklärungen, keine schrittweise Erweiterung gegeben, wie dies der Fall mit der US-geführten Anti-Terror-Koalition gewesen sei.

    Seitdem Russland seine Flagge in Syrien gehisst und den Raum, darunter auch den Luftraum, eingenommen habe, sei die Situation für alle komplizierter geworden, betont Goya ferner. Zunächst habe Russland seine Fla-Raketenkomplexe S-300 und S-400 stationiert. Das Ziel sei jedoch nicht gewesen, Luftgefahren seitens der Rebellen abzuwehren, sondern eine geschlossene Luftzone für die anderen Akteure und vor allem für die USA zu bilden. „Die USA hätten die Karte der Schließung des Territoriums ausspielen und effiziente taktische Systeme entwickeln können, doch sie wagten es nicht“, so der Militärexperte. 

    Das Schlüsselelement der russischen Strategie seien kombinierte Einsätze, die auf die Eroberung von sehr wichtigen Punkten, die Vernichtung des Gegners und den Druck auf bewaffnete Gruppierungen abzielen, mit denen Vereinbarungen ausgehandelt werden könnten. Russland lasse zudem der syrischen Zivilbevölkerung ihren Willen, auch wenn es dafür den Rückzug der Kämpfer akzeptieren müsse. 

    Wie Goya ferner schreibt, war die wichtigste Änderung in den russischen Kräften die Schaffung des Versöhnungszentrums für Syrien im Februar 2016, das auf Militärdiplomatie und Hilfe der Zivilbevölkerung unter dem Beistand der Uno und nichtkommerzieller Organisationen setzte. 

    Dem russischen Militär sei es außerdem gelungen, die „taktische Krise“ zu bewältigen, die seinerzeit das sowjetische Kontingent in „den Sumpf des Krieges in Afghanistan hineinzog“. Russland habe diesmal mit effizienten mobilen Gruppen – vor allem mit Luftgruppen – agiert und dabei sowohl Flugzeuge als auch Hubschrauber eingesetzt. Die Luftstreitkräfte arbeiteten mit bis zu 1.000 Flügen pro Tag in einem sehr hohen Tempo. „Nach Angaben der Webseite Airwars wurden im Laufe von den ersten fünf Monaten des russischen Einsatzes in Syrien 2.000 Zivilisten getötet. Später, als die Piloten Erfahrungen gesammelt haben, ging die Opferzahl unter der Zivilbevölkerung deutlich zurück“, betont Goya. 

    Das Vorgehen Russlands in den Jahren 2016 und 2017 in Syrien sei ein Beweis für die hohen Leistungen der russischen Strategen bei der Planung von kombinierten Einsätzen. „Im Vergleich zu dem, was wir während des Krieges in Georgien 2008 beobachtet hatten, stieg die russische Armee einige Stufen nach oben“, meint der französische Experte. 

     

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    Tags:
    US-Koalition, Erfolg, Ausgaben, Luftwaffe, Einsatz, Terrormiliz Daesh, Baschar al-Assad, Syrien, USA, Russland
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