16:35 26 September 2017
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    Korvette Magdeburg der deutschen Marine (Archivbild)

    Milliarden für Kriegsschiffe: Ausdruck des deutschen Großmachtanspruchs – Experte

    © AP Photo/ Thomas Haentzschel
    Politik
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    Die Bundeswehr hat ein dickes Rüstungspaket vergeben. Ein Konsortium aus der Bremer Lürssen-Werft, Thyssen-Krupp und der Kieler Werft „German Naval Yards“ baut fünf Korvetten für die Marine. Friedensaktivist Reiner Braun warnt vor der „großen Gefahr“, die die Schiffe aus seiner Sicht bedeuten.

    Die Gesamtkosten für die Schiffe belaufen sich den Informationen des Bundesverteidigungsministeriums zufolge auf rund zwei Milliarden Euro. Die erste Korvette des Typs K130 soll im Jahr 2022, die letzte drei Jahre später ausgeliefert werden. Heimathafen der Kriegsschiffe wird nach Angaben des Ministeriums das Marinekommando in Rostock. Die Spitze der  Lürssen-Werft in Bremen zeigte sich erfreut über den Zuschlag: „Damit werden der Deutschen Marine weitere fünf Einheiten eines in der Praxis außerordentlich bewährten Schifftyps zur Verfügung gestellt werden können“, hieß es in einer Pressemitteilung.

    Deutschland und die Zwei-Prozent-Regel

    „Korvetten sind schnelle, wendige, multifunktionale Schiffe. Sie sind für See- und See-Land-Kriege einsetzbare Marineinstrumente“, erklärte der Vorsitzende der Stiftung für Friedensbildung, Reiner Braun, gegenüber Sputnik. „Der Entscheidung, die Schiffe zu bauen, ist zwar schon vor vier, fünf Jahren gefallen“, sagte Friedensaktivist. Formal gehörten die Korvetten aber unter die „Zwei-Prozent-Regel“ der Nato.

    Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen und Litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite
    © AFP 2017/ Petras Malukas
    Ob Deutschland dieses Ziel überhaupt erreichen werde, sei fraglich: „Die deutschen Rüstungsausgaben müssen von derzeit 37 Milliarden auf etwa 75 Milliarden steigen. Da müsste noch mehr geschehen als die Bestellung einiger Korvetten.“ Braun glaubt nicht, dass diese Regelung jemals umgesetzt wird. „Entweder wir besteuern die Reichen oder wir reduzieren massiv Bildung, Umwelt, Arbeitsplätze“, beschrieb der Aktivist die Konsequenzen und ergänzte: „Beides wird nicht passieren.“ Im Falle der Sparmaßnahmen seien die zu erwartenden Proteste zu groß.

    Gleichwohl betrachtet Braun die fünf Korvetten als große Gefahr: „Sie sind ein Bestandteil der sich ausbreitenden Interventionspolitik und des Großmachtanspruchs Deutschlands, an allen Konflikten dieser Welt beteiligt zu sein.“ Der Vorsitzende der Stiftung für Friedensbildung lehnt diese Art der Politik ab.

    Das Interview mit Reiner Braun zum Nachhören:

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    Tags:
    Kritik, Bau, Rüstung, Deal, Korvetten, Bundesverteidigungsministerium, Deutschland
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