10:40 25 November 2017
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    Russlanddeutsche in Berlin (Archivbild)

    SPD-Politiker über Russlanddeutsche: „Musterbeispiel für gelungene Integration“

    © Sputnik/ Zachari Scheuer
    Politik
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    Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) widerspricht dem Vorurteil, Russlanddeutsche seien per se AfD-nah. Er hat einen guten Draht zur russlanddeutschen Landsmannschaft. Im Sputnik-Interview warnt Pistorius vor zu großer Distanz zu Russland.

    Erst vergangene Woche besuchte der Innenminister drei Veranstaltungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen. Er habe einen guten Draht zu Lilli Bischoff, der Vorsitzenden der Gruppe. Zudem habe er selbst in der Schule Russisch gelernt und spreche es.

    Pistorius berichtete:

    „Ich bemühe mich sehr um Russlanddeutsche. Es ist eine Bevölkerungsgruppe, die ich sehr, sehr schätze. Sie ist in weiten Teilen ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Ich werbe um sie, aber nicht als Wählergruppe, sondern als Mitglieder unserer Gesellschaft.“

    Russlanddeutsche gelten allgemein eher als Anhänger von CDU oder AfD. Der Sozialdemokrat widersprach: „Es stimmt nicht, dass Russlanddeutsche AfD-nah sind oder überwiegend AfD wählen.“ Er weigere sich, dem diffamierenden Pauschalurteil zu folgen:

    „Selbst wenn sie früher überwiegend CDU gewählt haben – inzwischen reden wir über die zweite, dritte Generation. Das ist nicht in Stein gemeißelt. Wir als Sozialdemokarten tun gut daran, uns um alle Menschen zu kümmern, die bei uns leben, hier geboren sind oder zu uns kommen.“

    „Entfernung von Russland hat Europa noch nie gut getan“

    In der Russland-Politik vertritt Pistorius einen klaren Standpunkt: Europa brauche Russland als starken Partner und umgekehrt. „Es hilft uns überhaupt nicht, wenn wir uns dauerhaft voneinander entfernen. Das hat dem Kontinent Europa noch nie gut getan. Das heißt aber nicht, dass man alles kritiklos hinnimmt. Man muss auch unter Freunden deutlich Dinge ansprechen.“

    Deutschland brauche eine ausgewogene Politik, meint der niedersächsische Innenminister. Der Blick dürfe nicht nur nach Washington gerichtet sein. Aufgrund der westdeutschen Geschichte sei das aber weiter notwendig. Pistorius hob hervor: „Amerika bleibt der wichtigste Partner, aber Russland ist nicht weniger wichtig. Dass man sich auf die USA nicht mehr so verlassen kann wie früher, das sieht man deutlich am Verhältnis zu Donald Trump.“

    Das komplette Interview mit Boris Pistorius zum Nachhören:

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    Tags:
    Gesellschaft, Integration, Wahlen, CDU, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland, Russland
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