21:21 21 September 2017
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    Angela Merkel

    "Nettigkeit hilft nichts": Merkel vergleicht Politik mit Fußball

    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
    Politik
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich eine Woche vor der Bundestagswahl in einem Interview für die „Bild am Sonntag“ den Fragen des ehemaligen Kapitäns der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Philipp Lahm gestellt.

    Im Interview erklärte die Kanzlerin, dass sie stets versuche, nicht mit einer hohen Emotionalität an Treffen mit Staats- oder Regierungschefs anderer Länder heranzugehen. Stattdessen frage sie sich unter anderem, wo Gemeinsamkeiten liegen könnten, und versuche, diese im Gespräch herauszuarbeiten.

    „Aber es ist wie beim Fußball: Da kann Ihr Gegenspieler bei Borussia Dortmund ein noch so netter Mensch sein. Wenn Bayern gegen Dortmund auf dem Platz steht, dann hilft die Nettigkeit nicht“, so Merkel im Gespräch mit Lahm, das im Rahmen der Serie „Stars treffen Spitzenpolitiker“ erfolgte.

    „Dann geht es um die Wahrnehmung der Interessen. Fair und nach den Regeln – aber ich will schon für mich ein Stück abbekommen. Volle Konzentration auf das, was für Deutschland – und oft auch für Europa – wichtig ist.“

    Dabei gebe es für sie immer noch, die für sie absolut neu seien.

    „Nehmen wir etwas, das mich im Augenblick sehr umtreibt: Nordkorea und seine Atomwaffentests. Da ist völlig klar: Wir wollen eine diplomatische Lösung. Aber wo könnte ein Ansatzpunkt sein? Wie geht man da vor? Mit wem könnte man sprechen? Auch als vor zwei Jahren die vielen Flüchtlinge kamen, war das eine Situation, auf die ich mich so nicht vorbereiten konnte. Das muss dann in der konkreten Lage entschieden werden.“

    Politik bedeutet Merkel zufolge also oft, dass „Sie morgens ins Kanzleramt gehen und nicht genau wissen, was bis zum Abend passiert und worauf Sie reagieren müssen.“

    Darüber hinaus fragte der 33-jährige Lahm die Kanzlerin über Physik. Merkel hatte ja bekanntlich in der damaligen DDR ein entsprechendes Studium abgeschlossen und war später als Physikerin tätig.

    „In meiner Anfangszeit als Politikerin konnte ich keine langen Reden halten. In der Physik redet man nicht so viel und wenn, hält man nur kurze Vorträge. Mich hat sehr gestört, dass man in der Politik viele Dinge mehrmals wiederholen muss“, erläuterte die CDU-Chefin. „Heute bin ich manchmal erschrocken, wie lange ich rede.“

    Ob die Kanzlerin denn auch einmal abschalten kann? Zu hundert Prozent „geht das nicht“, räumte Merkel ein. Als Bundeskanzlerin sei sie immer im Dienst. Unabhängig von der Tageszeit und ihrem Aufenthaltsort müsse sie stets einsatzbereit sein. Auch nachts, versteht sich.

    „Ich musste auch schon einmal auf einer Berghütte telefonieren, als ich dort gerade mit letzter Kraft angekommen war“, erinnerte sie sich lachend.

    Eine Art Alltag, wie ihn Privatpersonen haben, versucht Merkel sich eigenen Angaben nach dennoch nicht nehmen zu lassen. Samstagabends bleibe sie lieber zuhause und koche. Dafür gehe sie auch selbst einkaufen.

    „Auch dort werde ich öfter fotografiert. Selfies mache ich im Supermarkt allerdings nicht mehr, wegen unangenehmer Erfahrungen. Das hat alles so durcheinandergebracht, dass ich zum Schluss falsche Sachen im Korb hatte“, erläuterte die Kanzlerin.

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    Tags:
    Physik, Politik, Fußball, Bundestagswahl, CDU, Philipp Lahm, Angela Merkel, Nordkorea, Berlin, Deutschland
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