Widgets Magazine
03:19 20 Juli 2019
SNA Radio
    Friedensaktion der Linken-Partei (Archivbild)

    Die Linke fragt im Wahlkampf: „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“

    © AFP 2019 / Johannes Eisele
    Politik
    Zum Kurzlink
    161067

    Bundestagsabgeordnete der Linken laden zu einer Veranstaltung in eine Kirche in Köln ein. Das Thema: „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ Ehrengast wird André Sikojev, Erzpriester der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, sein. Was hat Russland mit den deutschen Wahlen zu tun? Und was machen die Linken in der Kirche?

    Die Idee zu der Veranstaltung am 22. September in Köln, in der Endphase des Bundestagswahlkampfes, kam von zwei Bundestagsabgeordneten der Linkspartei: Alexander Neu und Wolfgang Gehrcke. In der Lutherkirche in der Kölner Südstadt sollen Antworten auf die berühmte Frage von Jewgenij Jewtuschenko „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ gegeben werden.

    Alexander Neu ist Obmann seiner Fraktion im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages und engagiert sich für Abrüstung. Er meinte im Sputnik-Interview: „Die geplanten Aufrüstungsmaßnahmen der Bundeswehr in den nächsten Jahren sind gegen Russland gerichtet.“ Er sieht die Beziehungen zwischen dem Westen und der Russischen Föderation derzeit im freien Fall.

    Der zweite Redner an dem Abend wird Wolfgang Gehrcke sein, außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages. Er gilt als Russlandexperte in seiner Partei und hat gerade das Buch „Deutschland und Russland – wie weiter?“ veröffentlicht.

    Als Ehrengast konnte André Sikojev gewonnen werden. Er ist Erzpriester der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland und Ansprechpartner für die Bundesregierung und den Bundestag. Der in Moskau geborene Würdenträger hat deutsch-russische Wurzeln und wuchs in Berlin auf. Sikojev arbeitete neben seiner geistlichen Tätigkeit auch als literarischer Übersetzer und war weltweit als Produzent von Kinder- und Naturfilmen erfolgreich.

    Zeichen für die russische Community hierzulande

    Der Priester, den Neu schon seit über zehn Jahren kennt, war begeistert von einem Antrag der Linken zur Verbesserung des deutsch-russischen Verhältnisses, den die Partei Anfang 2017 in den Bundestag eingebracht hatte. So konnte der Abgeordnete den Priester für die Veranstaltung in Köln gewinnen. Laut Neu geht es auch darum, der russischen Community in Deutschland zu zeigen, „es gibt nicht nur eine AfD, sondern auch die Linke, die sich für gute Beziehungen zu Russland einsetzt."

    Der Linken-Politiker sieht in so einer Veranstaltung durchaus auch eine Vorbildwirkung für die Politik:

    „Es geht darum, erst einmal wieder eine Vertrauensbasis zu schaffen und verbal abzurüsten. Und da sollten sich die Europäer unabhängig von den USA machen. Wenn es einen Krieg geben sollte, würde er in Europa stattfinden. Also sollten wir das Schicksal selbst in die Hand nehmen.“

    Der Termin unmittelbar vor den Bundestagswahlen sei, so Neu, bewusst gewählt, um auf die Bedeutung des Verhältnisses zu Russland hinzuweisen. Die derzeitige deutsche Russlandpolitik hält Neu für „verlogen und geheuchelt“. Neu lässt dabei kein gutes Haar an den anderen Parteien:

    „In der SPD gab es zu Beginn des Jahres, soweit ich das gehört habe, eine Debatte, dass man zumindest im Wahlkampf etwas russlandfreundlicher auftreten möchte. Ich glaube allerdings, dass die SPD nach der Wahl beim Thema Russland wieder genauso umfällt wie in der Vergangenheit. Der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist das beste Beispiel eines Heuchlers in der Russlandfrage. Bei der CDU ist man komplett transatlantisch. Da mache ich mir keine Hoffnungen. Bei den Grünen sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil. Wenn ich mir Cem Özdemir als Außenminister vorstelle, wäre das für die deutsch-russischen Beziehungen ein weiterer Sargnagel.“

    Neu will mit seiner Partei für bessere Beziehungen zu Russland kämpfen:

    „Wir als Linke wollen Druck ausüben auf die zukünftige Bundesregierung, das Verhältnis zu Russland zu entspannen. Deutschland muss eine eigene Außenpolitik gegenüber Russland machen, für die deutschen Interessen.“

    Die Veranstaltung „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ findet am Freitag, den 22. September in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4 statt.

    Armin Siebert

    Das Interview mit Alexander Neu zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Die Linke: „Mehr für Ostdeutschland tun“ – Bundesregierung versagt bei Fluchtursachen
    Politische Folgeschäden für die Linke durch Gipfel-Krawalle in Hamburg?
    Bundeswehr in Anti-Assad- statt Anti-IS-Koalition? – Die Linke warnt
    Was will die Linke wirklich? Sputnik hat exklusiv nachgefragt...
    Tags:
    Freundschaft, Aktion, Kirche, Friedensinitiative, Die LINKE-Partei, Alexander Neu, Wolfgang Gehrcke, Köln, Deutschland, Russland