23:28 11 Dezember 2017
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    Kim Jong-un bei Teststart der nordkoreanischen Rakete

    Kim Jong-un, ein cleverer Stratege? Was Nordkoreas Anführer US-Medien antworten würde

    © REUTERS/ KCNA
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    Viele halten Kim Jong-un für einen unberechenbaren Provokateur. Dem US-Journalisten Fareed Zakaria zufolge kann sich der nordkoreanische Staatschef aber als kluger und rationaler Stratege entpuppen. Für die „Washington Post“ (WP) hat er sich vorgestellt, wie ein Interview mit dem nordkoreanischen Staatschef ablaufen würde.

    Zakaria, Experte für internationale Beziehungen, schreibt in seinem aktuellen Beitrag für WP, dass er Kim Jong-un gerne interviewen würde. Da sich diese Möglichkeit wohl kaum ergeben werde, habe er ein fiktives Interview mit dem nordkoreanischen Staatschef geführt und sich dessen Antworten auf seine Fragen vorgestellt.

    Auf die Frage, warum Nordkorea weiterhin Kernwaffen und Raketen baut und testet, wenn es anschließend immer mit Wirtschaftssanktionen zu kämpfen habe, würde Kim Jong-un dem US-Journalisten zufolge folgenderweise antworten:

    „Meine Nation ist auf eine grundlegende Herausforderung gestoßen—das Überleben. Momentan ist das politische Regime mehr gefährdet als je zuvor. Meinen Vorfahren hatten es leicht. Der Große Anführer, mein Großvater, regierte das Land mit Unterstützung der anderen Supermacht in dieser Zeit — der Sowjetunion – und China, unserem großen Nachbar. Der Geliebte Anführer, mein Vater, genoss großenteils ebenso die Unterstützung Pekings. Aber heute gibt es keine Sowjetunion, und China wurde mehr ins westliche System integriert. Und die einzige Supermacht, die USA, gibt ganz deutlich zu verstehen, dass sie einen Wechsel des politischen Regimes in meinem Land anstrebt. Und doch haben wir überlebt. Wie? Weil wir für uns einen Schutz geschaffen haben: Kernwaffen”.

    Donald Trump spricht vor UN-Generalversammlung am 19.09.2017
    © Foto: Pressedienst des ukrainischen Präsidenten
    Doch trotz der Tatsache, dass Nordkorea nach wie vor mit chinesischen Lebensmitteln und Brennstoff beliefert werde, betrachte Kim Jong-un nach Ansicht Zakarias China nicht als einen Verbündeten, da es „gnadenlos pragmatisch“ sei und Nordkorea ausschließlich im eigenen Interesse unterstütze.

    Wie Zakaria sich vorstellt, ist Pjöngjang sogar dazu bereit, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Vom Verzicht auf Atomwaffen könne jedoch keine Rede sein, denn diese Waffen hielten Nordkorea weiterhin am Leben.

    Erinnern Sie sich an Saddam Hussein. Wir werden nie vergessen, dass Nordkorea ein Jahr vor dem US-Einmarsch in den Irak als Teil der ‚Achse des Bösen‘ bezeichnet wurde. Erinnern Sie sich, was mit Muammar al-Gaddafi in Libyen passiert ist, nachdem er dem Verzicht auf sein Nuklearprogramm zugestimmt hatte. Schauen Sie sich an, was derzeit mit dem Iran geschieht. Sogar nachdem Washington ein Abkommen unterzeichnet hat und die Iraner zertifiziert wurden, dass sie es einhalten werden, sagt Präsident Trump jetzt, dass er es sowieso zerreißen wird. Denken Sie, wir sind so dumm, um all diesen US-Versprechen zu glauben?

    Wir sind eine Atommacht. Das unterliegt keiner Diskussionen. Wir sind bereit, darüber zu sprechen, Tests einzuschränken und das Programm auf Eis zu legen — aber wir müssen etwas als Gegenleistung erhalten, und nicht einfach Geld. Wir brauchen Sicherheit in Form von diplomatischer Anerkennung durch Washington und der Garantie, dass wir nicht auf Aggression seitens Chinas, Japans und der USA stoßen werden”, würde nach Ansicht des US-Journalisten der nordkoreanische Staatschef antworten.

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    Tags:
    Interview, Washington Post, Kim Jong-un, Nordkorea, USA