15:11 15 Dezember 2017
SNA Radio
    Russische Sondereinheiten in der Arktis (Archivbild)

    Russlands Militär-Projekte in der Arktis: Motive, Mittel und Hintergründe

    © Sputnik/ Walerij Melnikow
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 601

    Der aktive Wiederaufbau der russischen Militär-Infrastruktur in der Arktis hat geopolitische, wirtschaftliche und klimatische Hintergründe. Die Zeitung „Iswestija“ liefert eine Analyse.

    Die Zeitung schreibt in ihrer Onlineausgabe, die Arktis sei praktisch von Anfang an zu einem der wichtigsten Schauplätze des einstigen Kalten Kriegs geworden. Die Sowjetunion habe hinter dem Polarkreis strategische Bomber stationiert, um Amerika bei Bedarf über das Nordpolarmeer zu erreichen.

    „U-Boote der Nordflotte begannen ziemlich schnell, eine wesentliche Rolle bei der strategischen Planung der UdSSR zu spielen. Die Kontrolle über die Arktis ermöglichte außerdem, einen möglichen Angriff des Gegners rechtzeitig zu erkennen – egal ob dieser Angriff mit Langstreckenbombern oder ballistischen Interkontinentalraketen erfolgt, die in die Sowjetunion ebenfalls über den Nordpol und dessen Umgebung fliegen würden“, so der Kommentar.

    Der Zerfall der Sowjetunion habe die arktische Infrastruktur sehr stark beeinträchtigt: „Mit Ausnahme der Doppelinsel Nowaja Semlja wurde die ständige Präsenz praktisch auf allen Inseln abgebaut. Die Bevölkerung von Städten und Siedlungen im kontinentalen Teil der Arktis ging deutlich zurück, viele Orte wurden vernachlässigt.“

    In Russland habe man mehrmals ein Arktis-Comeback ins Gespräch gebracht. Die Umsetzung dieser Pläne sei ursprünglich durch zwei zentrale Faktoren ermöglicht worden. Erstens hätten sich die Navigationsverhältnisse hinter dem Polarkreis langfristig verbessert und einen Ausbau der Schifffahrt verursacht. Zweitens habe eine praktische Erschließung arktischer Öl- und Gasvorräte begonnen, hieß es. 

    Seit 2014 laufe auch ein groß angelegter Wiederaufbau der militärischen Infrastruktur: „Mit einer Kette von Insel-Stützpunkten, die sich vom Franz-Josef-Land bis zur Wrangelinsel erstrecken soll, bekommt Russland faktisch ein in den Ozean hinausragendes Frühwarn- und Verteidigungssystem, um die kontinentale Arktis zu schützen. Die Notwendigkeit, dieses System aufzubauen, geht sowohl auf das wirtschaftliche Potenzial des Nördlichen Seewegs und der benachbarten Gebiete zurück als auch auf die neuen militärischen Verhältnisse: Die längst vor den Ukraine-Ereignissen angefangene Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und der Nato erforderte entsprechende Maßnahmen – auch unabhängig von der wirtschaftlichen Bedeutung der Region.“

    Es gehe darum, neue Militäreinheiten (einschließlich der eigens für Arktis-Einsätze trainierten Brigaden) hinter dem Polarkreis zu stationieren aber auch bedeutende Flugabwehr- und Luftwaffenkräfte – darunter Radarflugzeuge A-50 und Abfangjäger MiG-31. Zwar sei das Ausmaß noch nicht so groß wie einst, doch in der Arktis seien selbst ziemlich geringe Kräfte bei Bedarf in der Lage, eine strategische Rolle zu spielen, hieß es weiter. 

    „Vor diesem Hintergrund wird eine ständige Transport-Zugänglichkeit maßgeblicher Knotenpunkte besonders wichtig. Sie wird ermöglicht durch eine Modernisierung des Flugplatz-Netzes, den Bau neuer Eisenbahnstrecken in der Arktis und in den benachbarten Gebieten aber auch durch den Neustart eines serienmäßigen Baus von Atomeisbrechern“, kommentiert die Zeitung.

    Auf seinen arktischen Inseln stationiert Russland dem Bericht zufolge Radaranlagen und Flugabwehrsysteme – ein zentraler Schwerpunkt ist Nowaja Semlja, wo sich unter anderem S-400-Startvorrichtungen befinden. 

    Zum Thema:

    Westen gesteht: Russische Arktis-Flotte hat nicht ihresgleichen – Experte
    NI: Diese Waffen kann Russland im Falle eines Arktis-Kriegs einsetzen
    Kein Kalter Krieg in der Arktis
    Arktis: Bewaffneter Konflikt mit Russland möglich? – USA klären auf
    Tags:
    Militärinfrastruktur, Wiederaufbau, A-50U, MiG-31, Verteidigungsministerium Russlands, Arktis, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren