20:57 10 Dezember 2019
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    Kampfjet Tornado GR4 (Archivbild)

    Wenn die SPD ein Kampfjet wäre: Tornado-Experte erklärt Sturzflug von Schulz

    © Foto : USAF/ Staff Sergeant Aaron Allmon II
    Politik
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    Erst Senkrechtstarter, dann Sturzflug: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz würde im Cockpit eines Kampfjets aktuell wohl keine gute Figur machen. Kann er den Crash noch vermeiden? Und hatte er einen schlechten Navigator? "Schulz hatte für diese Mission einfach zu wenig Flugstunden", analysiert der Ex-Kampfjetpilot und AfD-Politiker Gerold Otten.

    Herr Otten, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erlebte in den Umfragen einen regelrechten Sturzflug. Sie selbst waren Kampfpilot bei der Bundeswehr und Sie kennen einen richtigen Sturzflug. Lässt sich so etwas vergleichen?

    Ja, den realen Sturzflug leitet man natürlich meist selber ein und fängt ihn auch selbstständig wieder ab. Ich glaube, Martin Schulz ist nicht ganz „in control“, wie man sagen würde.

    Aus militärischer Sicht: Was hätte der Pilot Schulz denn machen müssen, um einen Aufprall zu verhindern? Und was geht da im Kopf eines Piloten vor?

    Es hängt sehr viel davon ab, wie man seinen Einsatz plant. Ich glaube, der Hauptfehler liegt in der Mission, die Schulz gerade fliegt. Er hatte einfach keinen Plan. Er hat zu einem Zeitpunkt übernommen, als die SPD in den Umfragen bei ca. 20 Prozent lag. Vorher hatte Sigmar Gabriel seine Entscheidung sehr lange herausgezögert. Es war also nie klar, ob er überhaupt Kanzlerkandidat wird. Dann wurde das in einem sehr kurzen Zeitraum festgelegt und sofort hatte er die Mission, die er jetzt fliegen muss.

    Schulz war aber nicht so richtig darauf vorbereitet, weil ihm auch die Erfahrung in der Bundespolitik fehlt. Er hatte eigentlich kein richtiges Thema, mit dem man ihn identifiziert hat. Und das war das Hauptproblem. Und wenn man sich dann jetzt so fühlt, als wenn man in einem Flugzeug sitzt und die Kontrolle verloren hat, dann ist das für einen Piloten natürlich das Unangenehmste.

    Schulz hatte also vielleicht ein falsches Team, oder einen falschen Navigator an Bord?

    Ja, das würde ich eindeutig so sagen. Da war er, so glaube ich, wirklich von einem sehr schlechten Team umgeben. Er hat vielleicht auch seine eigenen Fähigkeiten überschätzt. Das ist auch eine große Gefahr: Wenn Sie eine Mission fliegen wollen, für die Sie noch nicht ausgebildet sind, oder die nicht Ihren Fähigkeiten entspricht. Und das ist bei Martin Schulz auch ein ganz entscheidender Faktor gewesen.

    Sie waren Ende der 90er in einem Ausbildungszentrum der englischen Royal Airforce für Tornado-Schulungen stationiert. Was hätten Sie einem Martin Schulz da geraten, wenn er sich ins „Gefecht“, also in den Wahlkampf stürzen will?

    Ich hätte ihm geraten, dass er sich Zeit nimmt und wirklich zunächst in die Bundespolitik einsteigt, vielleicht ein Ministeramt übernommen hätte und sich dann entsprechend vorbereitet hätte. In vier Jahren wäre er dann vielleicht als Kanzlerkandidat so weit gewesen. Im vergangenen Januar stand die Wahl des Bundespräsidenten an und Frank-Walter Steinmeier war ja schon designiert. Und da wäre für Schulz die Möglichkeit gewesen, als Außenminister in die Regierung einzutreten. Dort hätte er das Fundament legen und erst einmal die benötigten Flugstunden holen können.

    Ändern wir mal den Blickwinkel und schauen uns den damaligen Höhenflug von Schulz vom Boden aus an: Da steht die Kanzlerin und hat den SPD-Kandidaten regelrecht vom Himmel gefegt. Wie hat sie das eigentlich gemacht?

    Sie hat wohl mehr Energie gehabt. Beim Luftkampf geht immer es darum, das Energie-Level hochzuhalten. Sie müssen mit hoher Energie kommen, dann haben Sie auch einen Vorteil gegenüber den anderen. Wenn man sich die Ausgangslage anschaut: Schulz hatte in den Umfragen 20 Prozent Energie und Merkel war mit damals 37 oder 38 Prozent von einem viel höheren Level aus gestartet. Deshalb war sie von Anfang an in einer besseren Position ihm gegenüber. Er hat dann mit einem ersten Angriff und der Euphorie des ersten Einsatzes die Kanzlerin in den Umfragen gedrückt. Aber ihm ist dann einfach die Power ausgegangen.

    Einen recht guten Start legte dagegen Ihre Partei, die AfD hin. Welche Route wollen Sie in den kommenden Jahren trotz Opposition einschlagen?

    Wir schlagen natürlich einen Kurs ein, der uns in tiefstes Feindesland führen wird. Wir stellen uns auf Gegenfeuer aus allen politischen Lagern ein. Wir werden versuchen, hier klar Kurs zu halten, unsere Positionen durchzubringen und natürlich auch auf unsere Kritik an der jetzigen Regierung aufmerksam machen. Das wird unser Hauptanliegen sein: Wir werden mit voller Energie in die kommende Wahlperiode gehen und im nächsten Bundestag auch ein ganz deutliches Zeichen setzen.

    Bleibt das Cockpit der AfD denn weiterhin mit Alexander Gauland und Alice Weidel besetzt? Und welche Rolle soll Frauke Petry an Bord übernehmen? 

    Also für die Fraktion ist für mich das Team Weidel und Gauland gesetzt. Das sind sicherlich zwei gute „Wingmen“, die beide gut zusammenfliegen. Parallel werden die auch die Bundestagsfraktion führen. Wir haben in der kommenden Woche schon die erste Sitzung und ich gehe fest davon aus, dass die Beiden auch zu den Fraktionsvorsitzenden gewählt werden.

    Über die Rolle Frauke Petrys kann ich wenig sagen. Sie hat sich in letzter Zeit auch sehr zurückgenommen. Sie ist aber auch die Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin in Sachsen. Sie wird sicherlich auch mit einem guten Ergebnis und mit einer starken Mannschaft aus Sachsen Teil der Bundestagsfraktion sein.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Interview, Wahlen, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Marcel Joppa, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland