13:07 18 Oktober 2017
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    Ein Raketentest in Iran (Archivbild)

    Darin unterscheiden sich das iranische und das nordkoreanische Raketenprogramm

    © AP Photo/ Mostafa Qotbi/IRNA
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    Trotz des Atomdeals hat der Iran nie auf sein Raketenprogramm verzichtet und zeigt signifikante Fortschritte. Obwohl es hierbei Parallelen zu den nordkoreanischen Raketentests gebe, könnten die Raketenprogramme nicht verglichen werden. Der Wissenschaftler der Moskauer Higher School of Economics und Militärexperte Wassili Kaschin erklärt warum.

    Entgegen der häufigen amerikanischen Behauptungen, Iran verletze mit seinen Raketentests den Atomdeal, sei das Raketenprogramm des Landes nie obligatorisch in den Atomdeal eingebettet gewesen. Folglich habe Teheran die Entwicklung verschiedener Raketentypen weiter fortgesetzt.

    Die Entwicklung der Raketentechnologien werde dabei vom Iran sowohl als ein Faktor der nationalen Sicherheitsstrategie als auch als ein Mittel für außenpolitischen Druck gesehen – ähnlich wie von der nordkoreanischen Führung.

    Dennoch, die Raketenprogramme würden in ihrer Struktur und ihrem Umfang unterschiedlich verlaufen, erklärt der Experte.

    Vergleiche man die potentiellen Reichweiten der Raketen, so liege Nordkorea klar vorne. Allerdings sei der Anspruch der beiden Länder auch absolut unterschiedlich.

    Nordkorea müsse möglichst schnell eine interkontinentale Reichweite erreichen, um dies als Sicherheitsfaktor nutzen zu können – schließlich müsste die potentielle Flugweite amerikanische Gebiete erreichen können, um als Abschreckungsfaktor zu gelten.

    Der stellvertretende Leiter des Instituts für Forschung und Prognosen der Russischen Universität der Völkerfreundschaft Dmitrij Egortschenkov unterstreicht in diesem Kontext, dass der Iran diese Entfernungen noch lange nicht erreichen würde – für die Iraner sei die Weite aber auch nicht so entscheidend.

    Die wichtigsten politischen Kontrahenten, gegen die die Raketen Teherans als Abschreckung dienen sollen, lägen schließlich in derselben Region – allen voran Israel oder Länder der arabischen Halbinsel. Die 2.000 Kilometer Reichweite, die die Iraner mit ihren Raketen nur erreichen könnten, seien hierfür vollkommen ausreichend.

    „Na ja, 2.000 Kilometer sind an sich keine allzu große Reichweite, aber bis nach Israel sollte dies reichen – und genau das ist das (politische – Anm.d.Red.) Argument“, hebt Egortschenkov hervor.

    Neben der unterschiedlichen Reichweite und dem unterschiedlichen politischen Hintergrund liege der Unterschied aber auch in den Antriebstechnologien, so Kaschin weiter.

    „Die Nordkoreaner führen Raketentests mit deutlich größerer Reichweite durch als die Iraner. Allerdings sollte man hier beachten, dass es sich hierbei vor allem um Flüssigkeitsraketen handelt, was in der Praxis entscheidende Unterschiede bringen kann“, erklärt der Experte.

    Es werde zwar vermutet, dass Nordkorea an einer ballistischen Feststoff-Kontinentalrakete forsche, jedoch wisse man nichts Genaueres darüber, so Kaschin.

    „Und hier sollte man anmerken, dass die iranischen Teststarts solcher Raketentypen viel früher stattfanden“, betont der Militärexperte.

    Dieser Unterschied liege allerdings nicht am technischen oder wissenschaftlichen Rückstand der Koreaner, sondern am wirtschaftlichen Notstand des Landes.

    Man müsse stets beachten, dass Nordkorea auch wegen der Sanktionen in seinen Ressourcen begrenzt sei. Daher teste Pjöngjang vor allem das, was schon gut funktioniere und wo die Technologie ausgereift sei.

    Im Iran dagegen sei die materielle Lage deutlich besser, sodass sich Teheran vielseitigere Forschungen leisten könne.

    „Im Großen und Ganzen aber kann man zu der Erkenntnis kommen, dass aus technologischer Sicht Nordkorea deutlich weiter in seinem Raketenprogramm ist als der Iran“, resümiert Kaschin abschließend.

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    Tags:
    Forschung, Raketentest, Atomprogramm, Wassili Kaschin, Iran, Nordkorea
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