15:53 16 Dezember 2017
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    Schwarz oder rot? Nichts geht mehr! Politikwetten für Sonntag

    © RIA Novosti. Mikhail Mokrushin
    Politik
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    Bundestagswahl 2017 (67)
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    Der Ausgang der Bundestagswahl am Sonntag scheint vielen klar. Es kann aber auch anders kommen – wollen wir wetten? Wetten auf Politik sind in Deutschland immer mehr im Kommen. Ganz nach britischem Vorbild haben Buchmacher hierzulande solche Angebote zur Bundestagswahl im Programm gehabt.

    Bei Politik-Wetten gebe es einen deutlichen Unterschied zwischen Deutschland und Großbritannien. „In England hat das schon eine längere Tradition“, erklärte Ivonne Drenhaus gegenüber Sputnik. Sie ist bei dem Wettquoten-Vergleichsportal „Oddschecker“ in London für den deutschen Markt zuständig. 

    „Oddschecker“ wurde 1999 gegründet und ist mittlerweile der weltweit führende Anbieter für Quotenvergleiche“, erklärte die Unternehmenssprecherin weiter. „Wir sind letztes Jahr in den deutschen Markt eingestiegen als „Oddschecker Deutschland“. Wir sind kein Buchmacher, sondern ein Portal für Quotenvergleiche. Wir fassen unter unabhängiger Bewertung der Märkte alle Quoten aller Buchmacher auf unserer Website zusammen. Der Kunde kann dann bei uns sofort die besten Quoten sehen.“ Das Angebot sei kostenlos. Laut Drenhaus haben größere Buchmacher wie „bwin“, „William Hill“ oder „bet-at-home“ hierzulande inzwischen ein großes Angebot an politischen Wetten.  

    Hoher Einsatz: Welche Partei hat die besten Quoten? 

    Nach Auskunft der Expertin sind es die klassischen Wetten, die gegenwärtig noch den deutschen Markt dominieren: „Welche Partei wird stärkste Kraft? Wer wird nächster Bundeskanzler beziehungsweise nächste Kanzlerin? Welche Koalition wird es geben? Man kann allerdings auch darauf wetten, welchen Prozentsatz die CDU/CSU oder die SPD erreicht. Dann kann auf die meisten Sitze gewettet werden. Man kann auch darauf wetten, welche kleine Partei die stärkste Partei sein wird. Also ohne CDU und SPD.“ Das sei momentan bei den Buchmachern die AfD, sie liege bei einer Quote von 1,91 Prozent. Danach folge erst die Linke mit 3,5 Prozent. Die Quoten beruhen laut ihr auf mehreren Faktoren. Nicht nur Umfragen und Wahlprognosen, auch geschichtliche Faktoren und Fachwissen spielen eine Rolle. 

    Magier Randy
    © Foto: Randy/ Künstler-Showbühne Augsburg

    Auf die CDU als stärkste Kraft zu tippen, sei kein allzu großes Risiko. „Die Quoten, dass die CDU/CSU gewinnt, sind natürlich sehr gering. Da wird kein potentieller großer Gewinn herauskommen.“ Für einen Wahlsieg der Union stehe die Quote beim Anbieter „888sport“ derzeit bei 1,02 Prozent, beim Konkurrenten „Unibet“ bei 1,08. Die SPD-Quote liege aktuell bei „bet-at-home“ mit 13 Prozent auch deutlich höher. Ein Wahlsieg der AfD würde bei „888sport“ durch die Quote von 101 Prozent „einen großen Gewinn bringen.“ Für eine mögliche CDU/AfD-Koalition stehe die Quote aktuell bei 201 Prozent. 

    Merkel, Schulz, Lindner: Quoten der Kandidaten

    Natürlich habe die amtierende Kanzlerin  aufgrund ihrer scheinbar sicheren Position eine sehr geringe Quote von 1,05 Prozent. SPD-Kontrahent Martin Schulz komme dagegen auf 21 Prozent, da die Umfragewerte keinen Wahlerfolg des Sozialdemokraten sehen, erklärte Drenhaus. Wer auf die AfD-Spitzenfrau Alice Weidel als nächste Kanzlerin setze, würde 101 Prozent seines Wetteinsatzes erhalten. FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner habe sogar eine noch höhere Quote: 151 Prozent des Geldes würden Kunden bei seiner Kanzlerschaft gewinnen. 

    Interessierte hätten zudem die Möglichkeit, auf die nächste Regierungskoalition zu setzen. Für eine erneute Große Koalition aus CDU/CSU und SPD gebe es bei „betfair“ eine Quote von 1,62. Für die „Jamaika-Koalition“ aus CDU, FDP und den Grünen stehe die Quote bei 7 Prozent. 

    Kuriose Wetten

    England sei bekannt für seine skurrilen und kuriosen Wetten, aber „so etwas gibt es in Deutschland noch nicht.“ Dafür gebe es Langzeitwetten, beispielsweise: Welches Land verlässt die EU als nächstes? Drenhaus wagte eine Vorausschau: „Ich denke mal, je größer der Markt in Deutschland wird, desto mehr solcher Wetten werden die Buchmacher auch anbieten.“

    In England dagegen könne „auf wirklich fast alles“ gewettet werden: Wer wird der nächste Papst? Wer wird der nächste Darsteller der Filmfigur James Bond? Oder wie wird das nächste Kind der britischen Königsfamilie heißen? „Bei den US-Wahlen gab es beispielsweise das Angebot, wie oft wird Trump in einer Rede ‚Make America Great Again‘ sagen.“ Deutsche Wettanbieter seien aber noch ein wenig konservativ. Eine Wette, wie oft Angela Merkel „Wir schaffen das“ sagt, sei aktuell noch nicht möglich. 

    Tipps für Zocker

    Drenhaus hatte Ratschläge für Interessierte: „Es ist immer gut informiert zu sein.“ Allgemeinwissen und das Verfolgen aktueller politischer Nachrichten sei sehr förderlich. „Will ich etwas risikoreich sein, dann setze ich auf den Außenseiter. Will ich eine sichere Wette, oder wie man auch sagt, eine ‚Safe Bet‘ abgeben, dann wähle ich den Favoriten der Buchmacher. Man kann nie zu einhundert Prozent voraussagen, was passiert.“ Regelmäßige Tipper neigen eher dazu, große Einsätze auf die Favoriten mit kleineren potentiellen Gewinnen zu setzen. Wer ab und zu wette, setze kleinere Summen auf Außenseiter mit hohen Quoten und somit auf potentiell höhere Gewinne.

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Ivonne Drenhaus zum Nachhören:


    Themen:
    Bundestagswahl 2017 (67)

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    Tags:
    Bundestagswahl, CDU/CSU, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Die LINKE-Partei, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland
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