13:10 18 Oktober 2017
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    Testkauf in Haßloch

    Zeig mir, was du kaufst, und ich sage, was du wählst

    © Sputnik/ Ilona Pfeffer
    Politik
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    Bundestagswahl 2017 (67)
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    Forscher des Projektes Phase 11 versuchen in Haßloch, dem „deutschen Durchschnittsdorf“ in einem Versuch nachzuweisen, ob sich anhand des Konsums eines Menschen auf dessen politische Ausrichtung Rückschlüsse ziehen lassen. Sputnik hat im Testmarkt mitgemacht.

    Zwei Tage vor der Bundestagswahl bin ich in das „deutsche Durchschnittsdorf“ Haßloch gefahren, um dort die politische Stimmung einzufangen und eventuell schon vorab zu erfahren, wie Deutschland am Sonnatg wählen wird. Denn Haßloch repräsentiert „Deutschland in Klein“ und die Wahlergebnisse sind meist ebenfalls sehr nah an den bundesweiten Werten.

    Neben dem Rathaus des Dorfes entdecke ich einen kleinen Pavillon mit der Aufschrift „Testmarkt der Zukunft“. Die jungen Leute hinter dem Tresen tragen weiße Kittel und an der Wand sehe ich ein Regal, in dem Einkaufskörbe mit verschiedenen Nummern stehen.

    Bürgermeister Lorch macht Testkauf
    © Sputnik/ Ilona Pfeffer
    Bürgermeister Lorch macht Testkauf

    „Die These ist: Kann es sein, dass wenn ich in deinen Einkaufskorb gucke, ich sagen kann, wer du bist? Nicht nur, ob Mann oder Frau, jung oder alt, arm oder reich. Sondern: Woran glaubst du, was sind deine Werte, wofür oder wogegen bist du?“ erklärt mir Christoph Brosius das Projekt. Phase 11, das Projekt vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, versucht Rückschlüsse vom Kauf- auf das Wahlverhalten der Menschen zu ziehen.

    Ich will wissen, nach welchem Prinzip die Einkäufe in den Testkörben zusammengestellt wurden.

    „Alle Körbe, die wir gepackt haben, sind vielleicht von uns interpretiert, aber wir berufen uns auf Daten, die von Anderen erhoben wurden. Ein typisches Beispiel ist, dass man vielleicht sagen könnte, dass ein Twix-Riegel etwas für Leute ist, die gerne teilen, und ein Mars-Riegel ist ein Schokoriegel für Egoisten“, so Brosius.

    Ich beschließe, einen Selbstversuch zu wagen, und wähle Korb 3. Darin finde ich eine BILD-Zeitung, einen Schlüsselanhänger von Mercedes, Wurstsalat, eine Schaufel für Katzenstreu, eine große Flasche Flüssigwaschmittel, Schuhcreme, ein Herrenparfum von Davidoff und eine PS4-Konsole. Ich soll überlegen, was für einer Person der Korb gehören könnte. Ich sage männlich, Facharbeiter, Katzenbesitzer, zwischen 20 und 30 Jahre alt, eher niedriges Einkommen. Er wohnt allein, hat noch den Spieltrieb eines Jugendlichen (das viele Geld für die PS 4). Er möchte mit oberflächlichen Statussymbolen auffallen, ist bei der Auswahl aber nicht individuell.

    Vermutungen auf Testfragebogen
    © Sputnik/ Ilona Pfeffer
    Vermutungen auf Testfragebogen

    Danach darf ich jedes einzelne Objekt einscannen und bekomme Preis, Marke und die Zuordnung angezeigt, die man zwischen dem Produkt und bestimmten Eigenschaften bei Menschen gemacht hat. Dann soll ich noch Fragen beantworten, ob sich dieser Mensch wohl in einem Verein engagiert oder eine Payback-Karte nutzt.  Abschließend bekomme ich einige Fakten über den Kunden, dem dieser Einkauf gehört. Auch eine Einschätzung der Wesenszüge ist dabei. Mein Beispielkunde ist demnach selbstbewusst, fühlt sich jedoch oft übergangen und glaubt, seine Meinung werde nicht gehört.

    Mit meiner eigenen ersten Einschätzung des Kunden lag ich richtig, er scheint nur etwas älter zu sein, eher zwischen 30 und 40. Und jetzt, nachdem meine Einschätzung bestätigt wurde, soll ich sagen, was er wohl wählt. Die Ergebnisse werden gesammelt und nach der Wahl präsentiert, vorerst muss ich auf die Auflösung verzichten. Die Frage, wie viel mein Einkaufskorb über meine politische Einstellung aussagt, wird mich aber nicht so schnell loslassen.

    Bericht: Ilona Pfeffer

     

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