16:49 18 November 2019
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    Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen

    Zuwachs bei Grünen: Parteimitglieder uneins über die Ursachen

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    Politik
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    Auf der Wahlparty von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Stadtteil Neukölln spalten sich die Meinungen über die Ursache des unerwarteten Zuwachses der Grünen. Die meisten sehen darin auch eine Mobilmachung gegen Rechts und mehr zum Thema soziale Gerechtigkeit von den Grünen. Andere glauben, die Parteipolitik sei auf mehr Resonanz gestoßen.

    Eins stand außer Frage auf der Wahlparty der Grünen im Vollgutlader im Berliner Stadtteil Neukölln: Die Wähler der Partei freuten sich außerordentlich über das positive Ergebnis. Was dagegen die Ursache für den unerwarteten Zuwachs betrifft, waren sich die Menschen vor Ort uneinig. Jüngere glauben, dass der Rechtsruck eine Rolle gespielt habe und fordern mehr Einsatz der Grünen im Bereich soziale Gerechtigkeit, ältere vermuten auch, dass die Parteipolitik einfach endlich mehr Beifall gefunden hat.

    Philipp Juranek (27) zum Beispiel hat mit einem schlechteren Ergebnis gerechnet und führt das Ergebnis „ein wenig auf die Schwäche der SPD“ zurück. Aber auch die Themen Klimawandel und Umweltschutz haben aus seiner Sicht eine Rolle gespielt, denn: „Das hat die SPD nicht geliefert, das liefert auch keine andere Partei.“

    Nun müssten die Grünen zeigen, dass sie wahre Demokraten seien und eine Alternative zu Rechts bieten können – „eine linke grüne Politik“. Dafür müssten die Grünen besonders das Thema soziale Gerechtigkeit stärken, das habe Philipp im bisherigen Wahlkampf vermisst. Was die Koalitionsbildung angeht, sagt er: „CDU und Grüne – ja; CDU, FDP und Grüne – nein.“ Sollten die Grünen dagegen in der Opposition landen, so müssten sie „eine starke Oppositionsarbeit leisten, um zu zeigen, dass die AfD kein Recht hat zu existieren in diesem Parlament“.

    Jule Fuhrmann (22) dagegen hat zwar mit genau diesem Ergebnis gerechnet und den Prognosen nicht vertraut. Ansonsten glaubt auch sie, dass die Schwäche der SPD den Grünen in die Hände gespielt hätte. Aber auch der Rechtsdruck habe eine wichtige Rolle gespielt, „sodass dann die Grünen auch das kleinste Übel am Ende des Tages waren. Auch sie will soziale Gerechtigkeit.

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    Philipp O. (29) steht der Partei recht kritisch gegenüber: „Ich bin selber unzufrieden mit der Führungsspitze gerade“, teilt er mit. „Ich finde, dass die Realos innerhalb der Partei viel zu viel Macht haben.“ Für ihn sind die beiden Spitzenkandidaten, Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt, Realpolitiker und er mahnt, „dass die Grünen nicht so weit nach rechts rücken sollten.“

    Eine Generation über ihm stehend, sieht das Stefan D. (62) anders. Auch er hat eher mit etwas um sieben Prozent gerechnet. Zwar sagt auch er: „Vermutlich waren doch eine Menge Menschen dabei, die sich gesagt haben, dass man versuchen sollte von der Großen Koalition wegzukommen.“ Dass der Rechtsruck für das Resultat gesorgt habe, glaubt er dagegen nicht. „Die FDP und die Grünen sind ja die Parteien, die relativ immun sind und wo es wenig Wechselwähler gegeben hat“, so Stefan D. Er glaubt auch nicht, dass die Grünen an ihrem Parteiprogramm arbeiten müssten: „Wir sind thematisch sehr breit und sehr gut aufgestellt.“

    Rut H. (57) hat mit dem Resultat gerechnet. Für sie ist „der Schlüsselgedanke der grünen Partei“ endlich beim Volk angekommen. Dazu, ob hier auch der Rechtsruck eine Rolle gespielt haben, will Rut sich nicht äußern. Und sie ist sich sicher: Die knallharte Umweltlinie sollten die Grünen weiter fahren: „Das Ergebnis gibt uns Recht“, sagt die Frau.

    Valentin Raskatov

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