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    "Entfessele die Wut": Parteienforscher erklärt Siegeszug der AfD in Ostdeutschland

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    In Sachsen ist die AfD stärkste Kraft, in Thüringen bekam diese Partei 22,7 Prozent. Die ostdeutschen Bundesländer bilden das Fundament für den Erfolg der AfD. Was sind die Gründe dafür? Der Parteienforscher Prof. Dr. Hajo Funke nennt mehrere.

    Laut Funke liegt das Problem, die Ursache für den Erfolg der AfD tief in der Gesellschaft verwurzelt. „Das Ressentiment gegenüber den etablierten Parteien gründet teilweise noch in den alten DDR-Erfahrungen: ‚Mit Politik wollen wir nichts zu tun haben‘ und an den Enttäuschungen der Wende.“

    So sei das Wort „Treuhand“ bis heute ein Schimpfwort. Zuviel Altes wurde gestrichen. Man habe sogar Unternehmen mit Überlebenschancen platt gemacht, erklärt der Parteienforscher. Und nach der Währungsunion habe man versäumt, die Bundesländer sozial, kulturell und ökonomisch wieder aufzuforsten.

    „Bis heute sind viele Regionen in der Fläche ausgedünnt. Das hat eine ungeheure Wut erzeugt. Die hat sich zunächst in anderen Parteien geäußert. Diese Wut ist in gefährlicher Weise aufgeladen worden zu Ressentiments gegen die Fremden, gegen die anderen.“ Funke spricht von einem autoritär-dynamischen Prozess: 

    „Ich suche den Sündenbock! Und jetzt bietet mir jemand an, der ganz seriös aussieht und gar nicht rechtsradikal erscheint und formuliert, den Sündenbock: ‚Das ist die Integrationsbeauftragte. Die muss nach Anatolien entsorgt werden. Das sind die Wähler, die Erdogan gewählt haben. Sie passen nicht zu Deutschland.‘ Das ist die gesamte türkische Minorität, die seit 40 Jahren hier lebt. Radikaler geht es gar nicht!“

    Wenn man diesen Resonanzboden zum Schwingen bringe, führe das zur Entfesselung der Wut: „Es gibt ein bitter schönes Wort dafür im Englischen „unleashing the rage“. Diese entfesselte Wut führe zu mehr Gewalt.

    „Wir haben in den letzten zwei Jahren eine Explosion der Gewalt gehabt. Eine Gewaltwelle sondergleichen – vor allem gegen Flüchtlinge, weil man die am ehesten angreifen konnte. Die AfD ist dafür mitverantwortlich. Alexander Gauland selbst habe gesagt: ‚Pegida ist unser natürlicher Verbündeter. Ich stehe zu Höcke‘ – mit jeder seiner Aussagen. Dieser 'Trigger' (Auslöser, Anm. d. Red.) hat funktioniert – vor allem im Osten."

    Die AfD hat hier ihre Hochburgen und stellt in Sachsen sogar die stärkste Kraft. Für den Parteienforscher kann nur eine glaubwürdige Politik den Trend stoppen und das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen. 

    Das komplette Interview finden Sie hier:

     

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