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    Bundestagswahl: Die Alternative hat keinen Grund zu prahlen - Experte

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    Der Stimmenverlust der CDU/CSU und der Sozialdemokraten zugunsten der kleineren Parteien bei der Bundestagswahl ist zwar nicht unerwartet gekommen, aber nicht in einem so hohen Maße. Das hat der Leiter des Zentrums für Deutschland-Studien am Europa-Institut Wladislaw Below in einem Interview für Sputnik gesagt.

    „Bei den Wahlen ist es sensationell, dass die CDU/CSU 33 Prozent der Stimmen erhalten hat, wobei die CSU mehr Stimmen verloren hat als die Partei von Angela Merkel. Erwartet und doch sensationell ist das Ergebnis der Partei Alternative für Deutschland (AfD) – fast 13 Prozent, sowie der großartige Wahlkampf der Freien Demokraten unter Christian Lindner, der ihnen mehr als zehn Prozent der Stimmen gebracht hat. Kaum jemand hat erwartet, dass die Grünen eine solche Unterstützung der Wähler erhalten würden – fast neun Prozent der Stimmen.“

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    © REUTERS / Thilo Schmuelgen

    Die  CDU/CSU, die Grünen und die Freien Demokraten müssen komplizierte Koalitionsgespräche führen, so Below. Er denke, dass die Koalitionsgespräche ziemlich lange dauern werden. Doch jede Koalitionskonstellation sei akzeptabel für Russland, sei es die „Jamaika-Koalition“ oder die Fortführung der Großen Koalition, die der Experte nicht ausschließt, falls die Grünen und die Freien Demokraten keine Einigung erreichen sollten.

    „Für Russland ist es wichtig, dass alle Verhandlungen so schnell wie möglich beendet werden. Wir brauchen ein politisch und wirtschaftlich stabiles Deutschland. In dieser Hinsicht ist jede Koalition akzeptabel für Russland.“

    Die Ankündigung der SPD, in die Opposition gehen zu wollen, und der Erfolg der rechtspopulistischen fremdenfeindlichen Partei „Alternative für Deutschland“ werde die Arbeit des neuen Bundestags nicht stören.

    „Der Bundestag bekommt eine neue Oppositionspartei. Die Frage ist, ob sie die führende Oppositionskraft sein wird oder nicht. Wenn die Sozialdemokraten dem Aufruf ihrer Führung folgen und zurücktreten, dann wird die SPD und nicht die Alternative für Deutschland die Opposition leiten.“

    Below ist nicht der Meinung, dass der Erfolg der Alternative bei der Wahl auf die Politik von Angela Merkel zurückzuführen ist. In mancher Hinsicht sei dies das Protestpotential, das sich in den letzten Jahren in der Gesellschaft angesammelt hat.

    „Die Alternative sollte nicht viel prahlen, dass sie etwa eine Million Stimmen von der CDU / CSU abgezogen hat. Größtenteils sind das Proteststimmen, die an die Partei „Bündnis 90/die Grünen“ und an die Linken gingen. Die Parteibasis in der Alternative ist beschränkt, daher sollten die Proteste der Wähler nicht mit extremistischen rechtsradikalen Stimmungen verwechselt werden, die angeblich in der deutschen Gesellschaft herrschen.“

    Die Krise der Volksparteien war vorhersehbar. Die Regierungsprogramme der CDU / CSU und der SPD waren sehr ähnlich und offensichtlich nicht überzeugend, weder bei der Regierungskoalition noch bei den Sozialdemokraten. Beide Parteien seien gleichermaßen bestraft worden, fasst der Politikwissenschaftler zusammen.

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    Koalition, Beziehungen, Analyse, Wahlen, Bundestag, Partei Alternative für Deutschland (AfD), CDU/CSU, Russland, Deutschland