17:58 05 Dezember 2019
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    AfD-Wahlplakat in Pouch, Deutschland

    „Schlimmer als ein Tatar“ – AfD entschuldigt sich für ein Wahlplakat

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Politik
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    Ein Wahlplakat der Hamburger AfD sorgt für Unmut. Darauf ist zu lesen: „Ein ungebetener Gast ist schlimmer als ein Tatare. Grenzen verteidigen, Islamisten aus dem Land weisen.“ Die Krim-Tataren fühlen sich angegriffen. Ein Vertreter des Landesverbandes der AfD entschuldigt sich im Sputnik-Interview.

    Mit einer Werbekampagne in russischer Sprache hat die AfD versucht, die Gruppe der Menschen mit russischem Hintergrund  für sich zu gewinnen. So wurden in Hamburg 100 Plakate mit Wahlslogans in russischer Sprache angebracht. „Mut zu Deutschland und unseren Kindern. Ein ungebetener Gast ist schlimmer als ein Tatar. Grenzen verteidigen, Islamisten aus dem Land weisen“, ist darauf zu lesen. Dass hat einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Netzwerken ausgelöst.

    „Ich finde es einfach unverschämt eine Wahlpolitik in einer Fremdsprache anzugehen, nur um die Menschen zu mobilisieren… wiederlich, dass man so ignorant gegenüber Menschen anderer Nationen sein kann“, schrieb eine Userin auf Facebook.

    Ein anderer User bemerkt einen Rechtschreibfehler auf dem AfD-Wahlplakat.

    Tataren in Deutschland empört

    Heute gibt es mehr als ein Dutzend an Volksgruppen, die sich als Tataren verstehen und bezeichnen. Die meisten  Menschen von ihnen leben in der russischen Republik Tatarstan. Eine der bekannten Gruppen sind die Krim-Tataren. Ihre Vertreter in Deutschland fühlen sich von den Plakaten der AfD gestört, wie Rafet Karanlik von dem Verein „Solidarität und Kulturzentrum der Krim-Tataren in Westeuropa e.V.“ gegenüber Sputnik erklärte. Er kündigte an:

    „Wir werden gegen die AfD protestieren. Unser Verein wird einen Brief an den AfD-Vorstand schreiben.  Wir wollen eine Entschuldigung.“

    Russlanddeutsche, Russen und Tataren seien einander immer respektvoll begegnet, betonte der Bundesvorsitzende der Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.  (Jugend-LmDR), Walter Gauks in einem schriftlichen Statement an die Sputnik-Redaktion: „Dass die AfD hier mit diesem Sprichwort ihren respektlosen Umgang mit den Zugewanderten noch einmal unter Beweis stellt, überrascht mich nicht.“

    Entschuldigung von AfD: „Nicht unsere Intention“

    „Selbstverständlich wollen wir damit der Volksgruppe der Tataren nicht in irgendeiner Form zu nahe treten“, erklärt der Leiter der Landesgeschäftsstelle der Hamburger AfD, Martin Rohweder, auf Nachfrage.

    „Es bezieht sich hier auf ein russisches historisches Sprichwort, dass schon vor mehreren hundert Jahren geprägt wurde, das sich auf die Zeit der Goldenen Horde zurückführen lässt, wo also asiatische Stämme das russische Reich bedroht haben und wo Tataren ein Ausdruck war für alles, was aus dem Osten kommt.  Und das hat überhaupt keine Reflektion auf die heutige Volksgruppe der Tataren.“

    Der AfD-Politiker kann sich vorstellen, dass sich einige Vertreter der Volksgruppe der Tataren durch das Sprichwort beleidigt fühlen: „Dann entschuldigen wir uns natürlich bei den Leuten, die sich dadurch angegriffen fühlen. Das war überhaupt nicht unsere Intention.“

    Auch in den Berliner Stadt-Bezirken Charlottenburg und Marzahn-Hellersdorf warb die AfD auf Russisch mit fahrenden Plakatwänden und Flyern. Der Wahlleiter der AfD in Berlin, Götz Frömming, kann verstehen, dass sich die Volksgruppe der Tataren durch die Plakate in Hamburg angegriffen fühlen: „Ich kenne dieses Sprichwort nicht. Ich weiß nicht, wie das verstanden wird. Vielleicht hat man sich davor nicht genügend informiert.“

    Das Interview mit Martin Rohweder von der AfD Hamburg zum Nachhören:

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    Tags:
    Wahlplakat, Skandal, Tataren, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Hamburg, Deutschland