02:58 10 Dezember 2019
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    Russlands Kohle im Hafen (Symbolbild)

    Experte: Polen will auf US-Kohle umsteigen – aber aus politischen Gründen

    © Sputnik / Konstantin Tschabalow
    Politik
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    Polen hat angekündigt, US-Kohle in großem Umfang einzukaufen. Die erste Lieferung von 75.000 Tonnen soll bereits Mitte Oktober erfolgen. Igor Juschkow, Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, erklärt, was es mit der polnisch-amerikanischen Kohle-Freundschaft auf sich hat.

    Der plötzliche Schwenk Warschaus in Richtung Washington und die Entscheidung, die Kohle aus Übersee zu importieren, sei vor allem mit politischen Motiven zu erklären, betont Juschkow.

    Das polnische Kohleunternehmen „Uglekoks“, das als Empfänger der amerikanischen Kohle rangieren wird, habe früher selbst Kohle exportiert, würde in letzter Zeit wegen der sinkenden Investitionen aber einen Rückgang der eigenen Kapazitäten aufweisen.

    Als Folge werde erwartet, dass Polen in naher Zukunft ein Defizit für den Eigenbedarf in einem Umfang von etwa fünf Millionen Tonnen aufweisen könnte.

    Wie genau dieser Schlag gegen die eigene Energiesicherheit abgefangen werden solle, sei lange Zeit nicht klar gewesen, so der Experte.

    Es habe Meldungen gegeben, dass unter anderem Russland die Lücke in der polnischen Versorgung schließen solle.

    Vertreter von „Uglekoks“ hätten dies aber dementiert.

    Enge wirtschaftliche Beziehungen mit Moskau seien zudem politisch nicht mehr gewollt. Zwar sei Russland lange Zeit einer der Hauptlieferanten für Kohle gewesen, jedoch versuche die polnische Regierungspartei PiS seit Jahren eine Abwendung von Russland als wichtigen Lieferanten durchzusetzen.

    Polen wie die Ukraine

    Was die Polen daher nun tun würden, erinnert laut Juschkow durchaus an die politischen Entscheidungen der Ukraine in der letzten Zeit.

    „Sie kaufen aus  rein politischen Motiven Kohle aus den USA ein. Hier scheint es eine Art Wettkampf zwischen Kiew und Warschau zu geben, wer die größere Loyalität gegenüber Washington zeigt“, betont der Professor.

    Beide Länder würden alles versuchen, damit die USA sie nicht vergäßen.

    Zudem würden beide Länder geschlossen gegen das Energieprojekt „Nord Stream 2“ auftreten und damit im Prinzip den USA darin helfen, den europäischen Energiemarkt für sich einzunehmen, so Juschkow weiter.

    Dennoch, Polen dürfte hier auf den Widerstand verschiedener EU-Verträge stoßen, wie etwa auf den des Pariser Klimavertrages, der die allmähliche Abkehr von der nicht-sauberen Kohleenergie fordert.

    Als eine alternative Option könnte Polen auf Gas umsteigen, aber auch hier würde sich die Frage stellen, woher es kommen solle.

    Für Russland jedenfalls werde die polnische Abkehr kein Problem darstellen.

    „Trotz der politischen Meinungsverschiedenheiten kauft Europa aktiv russische Ressourcen. Sie können halt schlecht darauf verzichten wegen deren geringen Kosten“, unterstreicht der Experte.

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    Tags:
    Europäischer Energiemarkt, Kohle, Russland, USA, Ukraine, Polen