20:49 15 Dezember 2017
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    Entsorgungsprojekt der russischen C-Waffen (Archivbild)

    Russland hat keine C-Waffen mehr, Amerika doch: „Verpflichtungen nicht erfüllt“

    © Sputnik/ Ilja Pitalew
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    Während Russland seine chemischen Waffen komplett entsorgt hat, ist das entsprechende Programm in den USA noch nicht zu Ende. Die russische Onlinezeitung vz.ru befragte Experten zum Thema – sie berichteten auch darüber, wie sich das 20 Jahre lange Entsorgungsprojekt hierzulande gestaltete.

    Wie der russische Militärexperte Igor Nikulin betonte, war es vor allem ökologisch wichtig, alle C-Waffen-Vorräte in Russland endlich zu entsorgen: „Viele Geschosse waren 50 Jahre alt und mehr. Es war nicht mehr ungefährlich, sie zu lagern.“

    Insgesamt hatte Russland 40.000 Tonnen Kampfstoffe aus der Sowjetzeit geerbt. In der laufenden Woche wurden die letzten noch übriggebliebenen Vorräte entsorgt – und damit die Verpflichtungen im Sinne der internationalen Chemiewaffenkonvention erfüllt. Das entsprechende staatliche Zielprogramm wurde vorzeitig umgesetzt – ein Jahr vor dem geplanten Termin. Das Mammutprojekt nahm mehr als 20 Jahre in Anspruch.

    Gennadi Onischtschenko, Ex-Chef der russischen Verbraucherschutzbehörde, die auch für Seuchenvorbeugung zuständig ist, kommentierte für vz.ru:

    „Russland hat seine Vorräte vernichtet. Die Amerikaner, die uns ständig drängten, verweisen indes auf den Geldmangel und haben ihre Verpflichtungen nicht erfüllt.“

    Als die Konvention in Kraft getreten war, verfügten die USA über 28.000 Tonnen Kampfstoffe. Mehr als 25.000 Tonnen davon wurden seitdem entsorgt. Zum Jahr 2023 soll die Entsorgung nach US-Angaben zu Ende gebracht werden.

    Im Hinblick auf diese Verzögerung bei den US-Amerikanern sagte Nikulin: „Bei uns haben die internationalen Verpflichtungen Vorrang vor den inneren. Bei ihnen ist alles umgekehrt: Sie werden abrüsten, wenn sie innere Gründe dazu haben; wenn nicht, schieben sie die Frage auf die lange Bank.“

    Onischtschenko räumte unterdessen ein, dass Russlands Fortschritte bei der C-Waffen-Entsorgung auch dank der Kooperation mit ausländischen Fachleuten erzielt wurden, denn manche Ausrüstungen standen dem Land halt nicht zur Verfügung.

    Wie Onischtschenko weiter sagte, wurden mehrere Entsorgungsanlagen in Russland gebaut. Durch ein kompliziertes Verfahren wurden Kampfstoffe in unschädliche Substanzen verwandelt – beispielsweise in Sand, der dann in Fässern eingegraben wurde.

    Um mögliche Umweltschäden rechtzeitig zu registrieren, wurden in Entsorgungsanlagen laut Onischtschenko Kaninchen und weitere Säugetiere gehalten, denn sie sind selbst für kleine Giftdosen empfindlich. Doch es gab keine Zwischenfälle.

    Präsident Wladimir Putin, der am Mittwoch die Entsorgung der letzten Geschosse per Konferenzschaltung beobachtete, mahnte, dass die gebauten Anlagen nun nicht vernachlässigt, sondern auf andere Projekte umorientiert werden sollen.

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    Tags:
    Vertrag, Entsorgung, C-Waffen, Wladimir Putin, USA, Russland
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