12:27 15 Oktober 2018
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    Nordkoreanische Raketen (Symbolbild)

    Nordkorea vs. USA: Krieg der Worte und Aufruf zum Kriegsverbrechen

    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Politik
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    Die verbale Eskalation zwischen den USA und Nordkorea helfe niemand weiter, so der Militärexperte Hans-Joachim Schmidt im Sputnik-Interview. Sie schüre nur die Spannungen und erschwere den Dialog. Beide Seiten sollten das künftig besser einstellen.

    Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho hatte die scharfen Worte von US-Präsident Donald Trump als „Kriegserklärung“ bezeichnet.

    Nordkorea beanspruche für sich „jedes Recht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und auch strategische US-Bomber abzuschießen, selbst wenn sich diese nicht in unserem Luftraum befinden“. Mit dieser Drohung wolle Nordkorea, die USA davor abschrecken, militärische Übungsflüge im internationalen Luftraum aber nahe an seiner Grenze durchzuführen, erklärt der Politikwissenschaftler Schmidt vom Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Er betont allerdings:

    „Auch wenn man solche Übungsflüge im internationalen Luftraum nahe der eigenen Grenze als Drohung bewerten kann, erlauben sie aber Nordkorea nicht den Abschuss solcher Flugzeuge, zumal die USA diese Maßnahme auch öffentlich zuvor angekündigt haben, was Nordkorea übrigens in den meisten Fällen unterlässt. Ich schätze das Risiko eines nordkoreanischen Angriffs trotz der verbalen Attacke des nordkoreanischen Außenministers aber als niedrig ein, weil sie dann mit einem nicht sicher zu kalkulierenden Gegenschlag der USA rechnen müssten. Wahrscheinlicher dürfte ein militärischer Zwischenfall an der Grenze zu Südkorea sein. Aber sicher kann man sich bei den Nordkoreanern nie sein, zumal sie ihre Unberechenbarkeit pflegen.“ 

    Zwar würden beide Seiten keinen Krieg wollen. Kim Jong-un, weil er das Ende seiner Herrschaft bedeuten würde und die USA, weil im Falle eines Krieges, ihr Bündnispartner Südkorea massive Schäden hinnehmen müsste. Die neue US-Regierung scheine aber dabei die Unberechenbarkeit ihres neuen Präsidenten als verbale Waffe zu benutzen, um Nordkorea zusätzlich unter Druck zu setzen. Sie versuche damit den Eindruck zu erwecken, es gäbe doch eine militärische Option.  Da Nordkorea nicht als schwach erscheinen wolle, schlägt es mit gleicher Münze zurück. Der US-Präsident hatte bei seiner Rede bei den Vereinten Nationen letzte Woche Nordkorea mit „völliger Zerstörung“ gedroht. Dazu sagt der Politologe Schmidt:

    "Diplomatisch klingt das nicht und es ist auch sachlich in jeder Hinsicht unangemessen. Ich kann nicht das Volk und sein gesamtes Land für das Fehlverhalten der nordkoreanischen Führung in dieser Weise bestrafen. Das ist eindeutig unverhältnismäßig und wäre ein Kriegsverbrechen. Insofern heizt Trump mit solchen Äußerungen den Konflikt künstlich an."

    Solange die Eskalation oder der „Krieg der Worte“ andauere sei ein schwer benötigter Dialog sicherlich nicht möglich. Beide Seiten müssten zunächst verbal abrüsten. Davon seien wir aber gegenwärtig leider meilenweit entfernt.

    Das komplette Interview mit Hans-Joachim Schmidt zum Nachhören:

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    Tags:
    Drohungen, Gegenschlag, Interview, Krieg, Donald Trump, USA, Nordkorea