03:56 23 Juli 2018
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    Start einer ballistischen Interkontinentalrakete

    Russischer General zu US-Chancen, Nordkorea-Rakete über Russland abzuschießen

    © Foto: DoD/ U.S. Air Force/ Airman 1st Class Yvonne Morales
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    Das US-Militärkommando geht davon aus, dass Nordkorea bald über eine Interkontinentalrakete verfügen wird und diese über den Nordpol in Richtung USA schicken könnte. Als eine der Abwehroptionen zieht Washington in Betracht, die Rakete über Russland abzuschießen.

    Der russische General-Leutnant und Ex-Vizeoberbefehlshaber der russischen Luftwaffe in Fragen der gemeinsamen Luft- und Raketenabwehr der GUS-Staaten Ajtetsch Bischew erklärt dem russischen Nachrichtenportal rueconomics.ru, warum dies absolut unwahrscheinlich ist.

    Bischew hält Washingtons Idee, eine potentielle nordkoreanische Interkontinentalrakete über Russland abzuschießen, gleich aus mehreren Gründen kaum für möglich.

    Zuallererst sei im Moment überhaupt nicht sicher, ob Pjöngjang überhaupt über solch eine Rakete verfüge oder in naher Zukunft tatsächlich verfügen werde.

    So müsste die Rakete mindestens 10.000 Kilometer überwinden können, um tatsächlich amerikanisches Festland erreichen zu können. Solche Trägerraketen besitze Nordkorea aber im Moment definitiv nicht. Daher sein ein Angriff auf das amerikanische Festland an sich unwahrscheinlich.

    Im Konfliktfall würde Pjöngjang eher die US-Militärbasis auf der Pazifikinsel Guam angreifen. In dem Fall würde die Rakete aber auf einer völlig anderen Route fliegen.

    Weiterhin könne die technische Fähigkeit der USA, die Rakete über Russland abzuschießen, generell in Frage gestellt werden.

    Die amerikanische Idee, die Rakete über russischem Territorium abzufangen, sei daher nichts weiter als ein „mathematisches Modellieren“ Washingtons – oder mit anderen Worten ein „Algorithmus des US-Oberkommandos“, aber eben nicht mehr. Unter realen Bedingungen könnte alles ganz anders aussehen.

    Was dagegen klar sei, sei dass die USA die Rakete nicht vom eigenen Territorium aus abschießen könnten. Sie müssten auf ihre Kriegsschiffe in der Nähe der russischen Fernost-Region setzen. Ein Patrouillieren der Schiffe in der Region rund um die Uhr sei aber nicht möglich.

    „Und auch generell ist das amerikanische Raketenabwehrsystem so aufgebaut, dass es nur in der Lage ist, einzelne Ziele abzufangen. Bei einem massiven Raketenstart wird es das nicht bewältigen“, betont der General.

    Sergei Denisenzev vom Zentrum für Strategien und Technologien bestätigt, dass eine mögliche Route für eine nordkoreanische Rakete in Richtung des amerikanischen Festlandes tatsächlich über Russland führen könnte.

    „Inwiefern ein Abfangen der Rakete durch US-Abwehrsysteme realistisch ist, ist diskussionswürdig, denn die amerikanischen Raketenabwehrsysteme wurden noch nie unter realen Kampfbedingungen erprobt“, betont der General.

    Schließlich sollte die Gefahr für Russland durch solch einen Abschuss auch nicht überschätzt werden. Interkontinentalraketen fliegen Hunderte Kilometer hoch.

     „Es geht hier also nicht um den Luftraum unseres Landes, sondern um den Weltraum über Russland – und dies ist überhaupt nicht das Gleiche“, hebt Denisenzev hervor.

    Ein Abschuss würde somit längst nicht bedeuten, dass irgendwelche Trümmerteile tatsächlich auf russisches Territorium fallen würden.

    Dennoch, ein Restrisiko bestehe trotzdem, weil man einfach zu wenig über den Aufbau einer nordkoreanischen Rakete wisse.

    „Wir wissen nicht endgültig, wie die nordkoreanischen Sprengköpfe konzipiert sind und ob sie beispielsweise über die Option der Selbstzerstörung verfügen, falls die Rakete selbst getroffen wird“, warnt der Experte.

    Schließlich betont Denisenzev, dass in dem unwahrscheinlichen Fall, dass Pjöngjang doch eine atomar bestückte Interkontinentalrakete über Russland in Richtung der USA starten würde, Moskau zwangsläufig in alle möglichen Reaktionsoptionen einbezogen wäre.

    Schließlich würde solch eine Rakete eine Gefahr für beide Länder darstellen. Vermutlich würde in dem Fall eine Koordinierung der Maßnahmen zwischen den Militärmächten über Notfall-Kommunikationskanäle erfolgen.

    Niemand würde unüberlegt mit Raketen im Weltraum über Russland schießen, unterstreicht der russische Experte abschließend.

    Das amerikanische Militär-Nachrichtenportal Defense One hatte zuvor berichtet, das Oberkommando der USA ziehe in Betracht, eine nordkoreanische ballistische Interkontinentalrakete im russischen Radarraum oder gar direkt über Russland abzuschießen.

    Eine entsprechende Erklärung hatte die Oberbefehlshaberin des United States Northern Command, General Lori Robinson, abgegeben.

    Bereits zuvor hatte das Pentagon die Vermutung geäußert, dass Nordkorea schon in der näheren Zukunft über eine Interkontinentalrakete mit einem atomaren Sprengkopf verfügen könnte.

    Die Verteidigungsbehörde konnte allerdings nicht präzisieren, wann genau dies passieren würde.

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    Tags:
    Raketenabwehr, Nordkorea, Russland, USA
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