15:35 18 Januar 2020
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    Der seit zwei Jahren anhaltende Militäreinsatz in Syrien hat Russland laut General Leonid Iwaschow, Präsident der Akademie für geopolitische Probleme, zur Erhöhung seines geopolitischen Status verholfen. Vor dem Hintergrund der Korea-Krise haben Russlands Handlungen gezeigt, dass der Westen mit seinem destruktiven Handeln nicht allmächtig ist.

    Die russischen Truppen seien jetzt nicht mehr dieselben, die sie am Anfang, gleich nachdem Baschar al-Assad sie ins Land eingeladen hatte, gewesen seien, so die Einschätzung des Militärexperten. „Sie haben eine hohe Professionalität entwickelt — bei der Aufklärung, aber auch beim Einsatz von Kampfmitteln und beim Zusammenwirken mit den syrischen regierungstreuen Truppen.“

    Iwaschow erinnerte daran, womit alles angefangen hatte, und was Russland zur Einmischung gezwungen hatte. Dabei hält er das Geschehen in Syrien und im gesamten Nahen Osten für eine sorgfältig geplante globale Operation der westlichen Zivilisation gegen die islamische Welt und den aufkommenden Osten sowie auch gegen Russland: „Wir haben gesehen, auf welche Weise die Operationen zum Schlag gegen die orthodoxe slawische Welt in Jugoslawien geplant und ausgeführt wurden, wie die tragenden Konstruktionen der arabischen Welt im Irak, in Libyen und Jemen vernichtet wurden und wie die Farbrevolutionen zustande kamen.“

    Russlands Mission

    Historisch gesehen liege Russlands Bestimmung darin, so der Geopolitiker, Prätendenten auf die Weltherrschaft Einhalt zu bieten, sie einzudämmen und dadurch andere Zivilisationen zu bewahren. „Die Zerstörung der slawischen und der islamischen Zivilisation würde die ganze Welt destabilisieren. Heute ist es Russland gelungen, Syrien als einen der tragenden Staaten der arabischen bzw. moslemischen Welt zu bewahren.“

    General Iwaschow fährt fort: „Gegenwärtig laufen höchst komplizierte Prozesse, durch die sowohl die sunnitische Welt mit der Türkei an der Spitze als auch die schiitische mit dem Iran an der Spitze zur Stabilisierung der ganzen islamischen Welt beizutragen beginnen. Russland gehört dabei eine führende Rolle. Der Prozess des Serienmordes an Staaten in dieser Region, den die USA und die NATO verübt haben, wurde beendet. Denn Syrien drohte der Verlust seiner Staatlichkeit. Auf Syrien hätte die Zerstörung des Iran und der Türkei folgen können. Es war eine Periode der raschen Erfolge des Islamischen Staates. Es ging um seine vollständige Kontrolle über den Osten Syriens, um die Eroberung von Palmyra und um den Machtzuwachs der radikalen Gruppierungen der al-Nusra-Front.“

    Truppenrückkehr Russischer Kampfjets aus Syrien
    © AP Photo / Olga Balashova/Russian Defense Ministry
    Mit dem Militäreinsatz habe Russland laut Alexej Fenenko, führender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Probleme der internationalen Sicherheit an der Russischen Akademie der Wissenschaften, zwei Aufgaben erfolgreich gelöst. „Es ist gelungen, die Macht der legitimen Regierung in Syrien aufrechtzuerhalten und den größten Teil des Landesgebiets wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Es wurden auch die wichtigsten Terroristengruppierungen zerschlagen. Russland ist als aktiver Faktor in den Nahen Osten zurückgekehrt, nachdem es diesen Status 1973 eingebüßt hatte, als Ägypten alle Beziehungen zur Sowjetunion abbrach.“

    Außerdem sei es Russland gelungen, so der Sicherheitsexperte, die Bildung eines ihm feindlichen Bündnisses aus den USA, Europa, den Golfmonarchien und der Türkei zu verhindern. „Es konnte nach den Terroranschlägen in Paris einen Dialog mit Frankreich aufnehmen und ungeachtet eines schwierigen Zickzacks im Verhältnis zur Türkei den Verlauf der türkischen Politik ändern sowie Anfang 2017 seine eigene Gegenkoalition unter Beteiligung der Türkei und des Iran aufstellen.“

    Fenenko fährt fort: „Auch militärisch zeigte Russland seine Fähigkeit, einen globalen Einsatz mit Luftkomponente außerhalb der eigenen Grenzen durchzuführen, unter Einsatz strategischer Bomber. Mit dem amerikanischen Monopol in diesem Bereich ist es inzwischen auch vorbei.“

    Erfolgreich sei nur entschlossenes Handeln, betont der Politologe. „Kaum hatte Russland die Einstellung der Operation und den Abbau seiner Gruppierung angekündigt, wurde der IS sofort aktiv. Man denke nur an die Wiedereroberung von Palmyra. Und die Amerikaner steigerten ihren Druck bis hin zu Bombenangriffen auf die syrischen regierungstreuen Truppen. Kaum war Russland wieder da, wandelte sich die Situation sofort.“

    Warum hat sich Russland zum Militäreinsatz in Syrien entschieden

    Darüber hinaus möchten die USA eine Flugverbotszone über Syrien einrichten, so Fenenko, um die syrischen Luftstreitkräfte am Operieren zu hindern. „Dies hätte natürlich einen schnellen Sturz der Regierung Assads und den Einzug des IS in Damaskus zur Folge. Zugleich hätte man Moskaus Reaktion darauf geprüft, dass auch sein Stützpunkt in Tartus lahmgelegt wäre. Russland würde dann einen totalen Krieg gegen die USA nicht wagen, dachte man im Pentagon. Im Hinblick darauf hat sich Russland nun zum Militäreinsatz in Syrien entschieden.“

    Erfolge syrischer Regierungstruppen ärgern Amerika

    Der Krieg habe gezeigt, stellt Fenenko fest, dass die USA nicht zu Kompromissen bereit seien und „sich keine wünschen, abgesehen von dem Memorandum über Flugsicherheit, das dafür sorgt, dass die USA und Russland nicht direkt aneinandergeraten. Und auch das nur vorläufig.“ Die Gefahr ihrer Kollision in Syrien bleibe bestehen, führt der Experte aus. Da er die Amerikaner gut kenne, könne er behaupten: „Solange Russland zusammen mit den syrischen Truppen Siege erringt, ärgert es sie noch stärker.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Russland, Syrien