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    Österreichischer Kanzler Christian Kern (SPÖ) bei Pressekonferenz in Wien

    Österreich: Bei Sozialdemokraten rollen die Köpfe – wegen Schmutzkampagne

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    Beobachter sprechen von einem Super-GAU für die Sozialdemokraten in Österreich: Ein Berater der SPÖ soll Fake-Seiten bei Facebook gestartet haben, um den ÖVP-Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz zu diskreditieren. Dies berichtet das Portal „Nachrichten.at“. Die Chancen von Bundeskanzler Christian Kern auf eine Wiederwahl sind damit deutlich gesunken.

    Zwei Wochen vor der Parlamentswahl stehen die österreichischen Sozialdemokraten am Pranger: Medien und Experten sprechen von „einem bisher beispiellosen Fall“ einer Schmutzkampagne, wie das Portal berichtet. Der Wahlkampfleiter und Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Georg Niedermühlbichler, musste zurücktreten.

    Das Wahlkampfteam der SPÖ soll nämlich einen ganz speziellen Berater engagiert und mit einem Budget von 500.000 Euro ausgestattet haben, um den Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz zu verunglimpfen, wie das Portal schreibt. Das Ergebnis: Die beiden Facebook-Seiten "Wir für Sebastian Kurz" und "Die Wahrheit über Sebastian Kurz".

    Die Seiten sollten den Eindruck vermitteln, der Kanzlerkandidat der ÖVP sei politisch rechts zu verorten und stehe für rassistische sowie antisemitische Inhalte. Der israelische Wahlkampfprofi Tal Silberstein und sein Team sollen die gefälschten Seiten gestartet und betrieben haben.

    Georg Niedermühlbichler beteuerte bei seinem Rücktritt als Bundesgeschäftsführer am Samstag laut Portal: Man habe davon nichts gewusst, dies nicht beauftragt oder finanziert.

    Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern betonte in einer Pressekonferenz am Sonntag laut Portal: Die SPÖ wolle "mit den Inhalten dieser Schmutzkübel nichts zu tun haben". Eine „Task-Force“ werde ab sofort an der "vollen Aufklärung" arbeiten. Und: Auf all jene, "die der SPÖ Schaden zugefügt haben", warte ein gerichtliches Nachspiel.

    Die SPÖ hat die Zusammenarbeit mit Silberstein und dessen Team laut Portal tatsächlich noch vor der Affäre beendet, im August dieses Jahres. Zuvor war der Israeli in seiner Heimat wegen Vorwurfs der Geldwäsche verhaftet worden. Ab diesem Zeitpunkt sei auch "keine Zahlung mehr" an Silberstein gegangen, versicherte Kern laut Portal.

    Doch der Ton der Fake-Seiten bei Facebook hat sich gerade nach dem Ende der Zusammenarbeit noch verschärft. Deshalb sprach Kern laut Portal davon, den Motiven von "illoyalen Mitarbeitern" nachgehen zu müssen. Silberstein habe jedenfalls "unser Vertrauen missbraucht".

    Andere österreichische Parteien beziehen indes Stellung gegen den Kanzler: Es sei ein absoluter Tiefpunkt. „Das Unschuldslamm lasse ich Christian Kern nicht durchgehen“, sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache laut Portal in einer Talkshow.

    ÖVP-Chef Sebastian Kurz sagte laut Portal, Tal Silberstein habe „Methoden nach Österreich gebracht hat, die hier nichts verloren haben“. Die Kampagne sei eine „massive Grenzüberschreitung“.

    Auf den beiden Facebook-Seiten „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“ und „Wir für Sebastian Kurz“ wurden, wie das Portal schreibt, „verächtlich machende Bilder, Videos und Postings veröffentlicht. Teils mit rassistischen und antisemitischen Inhalten. Auf den Seiten war aber weder ein Autor noch ein Impressum zu finden.“

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    Tags:
    Lüge, Kampagne, Entlassungen, Fake-News, Eklat, Wahlen, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), ÖVP, SPÖ, Heinz-Christian Strache, Christian Kern, Sebastian Kurz, Österreich