21:38 23 September 2018
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    Übungen der russischen und kirgisischen Armeen in der Nähe vom Militärstützpunkt Kant (Archivbild)

    Zentralasien: Russland verhandelt über zweiten Stützpunkt auf dem Pulverfass

    © Sputnik / Wladimir Pirogow
    Politik
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    Drei Länder teilen sich das Ferghanatal in Zentralasien: Verteilungs- und Territorialkonflikte sind da vorprogrammiert. Ausgerechnet in dieser hochexplosiven Region will Russland eine Militärbasis gründen – zumindest wird derzeit darüber verhandelt. Der Politologe und GUS-Experte Andrej Grosin kommentiert.

    Der Süden Kirgistans ist „eine sehr gefährliche und potentiell sehr konfliktgeladene Region“, sagte der Experte dem Portal „rueconomics“.

    Und um die Sicherheit dieser Region zu gewährleisten, soll dort, im Ferghanatal an der Grenze zu Tadschikistan, eine Militärbasis errichtet werden. Moskau und Bischkek würden darüber derzeit verhandeln, sagte Kirgistans Premierminister Sapar Isakow. Dies wäre der zweite russische Stützpunkt in dem Land. Die endgültige Entscheidung darüber stehe jedoch noch aus.

    Wie gefährlich es im Ferghanatal werden kann, wurde erst im Sommer 2010 und davor in den Neunzigerjahren deutlich, als es zu bewaffneten Konflikten zwischen den dort lebenden Ethnien kam.

    „Sicherheitsexperten bezeichnen das Tal als das größte Pulverfass in Zentralasien – und dies aus vielerlei objektiven Gründen: Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, ungelöste Grenzkonflikte, Enklaven“, erklärt der Politologe.

    Selbst Zusammenstöße zwischen Staaten sind in der Region laut dem Experten nach wie vor nicht auszuschließen, „obwohl sich nach dem Regierungswechsel in Usbekistan eine gewisse Entspannung im Verhältnis zu Kirgistan und Tadschikistan abzeichnet.“

    Nur habe sich im letzten Vierteljahrhundert derlei viel Zündstoff in der Region angesammelt, dass „der gute Wille eines einzigen Präsidenten nicht ausreicht, um die Probleme zu lösen“, betont der Analytiker. „Die schwersten Probleme bestehen gerade an den Grenzen der drei Länder weiter.“

    Davon abgesehen seien Gespräche über die Gründung einer neuen russischen Militärbasis in Kirgistan keine große Nachricht, sagt der Experte weiter.

    „Schon in der Regierungszeit von Präsident Bakijew wurde darüber verhandelt“, erinnert er. Dass aber der kirgisische Premierminister die Verhandlungen bekanntgebe, hebe das Thema auf eine ganz andere Stufe: „Zuvor sind kirgisische Regierungsbeamte diesem Thema ausgewichen.“

    Eines muss aber klar sein, so der Experte: „Falls Russland einen weiteren Stützpunkt in Kirgisien errichtet, werden russische Soldaten keine inländischen Konflikte lösen, sondern sich allein auf äußere Gefahren konzentrieren“, sagt der Politologe.

    Zwar habe Kirgistan keine gemeinsame Grenze mit Afghanistan, dafür aber grenze Tadschikistan an jenes Land. Und über tadschikischen Boden würden Terrorbanden relativ leicht weiter in den Süden Kirgistans gelangen. „Da Kirgistan sich den Unterhalt einer Armee nicht leisten kann, muss es seine Partnerländer aus der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit um Unterstützung bitten – allen voran Russland“, erklärt der Experte.

    Derzeit unterhält Russland einen Stützpunkt in Kirgistan: die Luftwaffenbasis Kant – gegründet 1941. Seit 2003 sind dort russische Kampfflugzeuge und Hubschrauber stationiert.

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    Tags:
    Terrorbekämpfung, Stabilisierung, Errichtung, Militärstützpunkt, Tadschikistan, Kirgistan, Zentralasien, Russland